Eine Wärmepumpe und ein Energiespeicher stehen in einem Heizungskeller.
Im vergangenen Jahr ist der Verkauf von Wärmepumpen um ein Fünftel gestiegen. Bildrechte: dpa

Klimaschutz Neue Heizungen sind zu selten öko

Wir Deutschen denken ja immer, wir seien besonders ehrgeizig beim Klimaschutz. Doch das stimmt allenfalls auf dem Papier. Zwar will die Bundesregierung bis 2050 den CO2-Ausstoß um 95 Prozent senken. Allerdings klappt das nur, wenn Millionen Heizungen umgerüstet werden. Unsere gemütlich warmen Wohnungen sind nämlich für rund die Hälfte des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Und der Markt für ökologische Heizungen wächst viel zu langsam, als dass sich daran so schnell etwas ändern wird.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Eine Wärmepumpe und ein Energiespeicher stehen in einem Heizungskeller.
Im vergangenen Jahr ist der Verkauf von Wärmepumpen um ein Fünftel gestiegen. Bildrechte: dpa

Es ist nicht leicht, eine klimaneutrale Heizung zu verkaufen. Das weiß Heiko Zankl sehr gut. Der Installateur aus Leipzig sagt, vielen Hausbesitzern seien die modernen Systeme zu teuer. Eine klassische Gasheizung koste nicht einmal halb so viel wie eine Heizung mit Wärmepumpe. Dabei kann man damit abgasfrei heizen, wenn die Pumpe mit Ökostrom läuft.

Wärmepumpe kühlt im Sommer

Dabei ließen sich mit der Wärmepumpe die Anforderungen sehr gut erfüllen, sagt Heiko Zankl. Das sei auch ein sehr schönes Heizsystem. Und man könne mit der Wärmepumpe sein Gebäude im Sommer noch ein bisschen kühlen. Das sei der Vorteil der Wärmepumpe.

Vergangenes Jahr ist der Verkauf von Wärmepumpen um 20 Prozent gestiegen. Das klingt viel, und doch sei es für den Klimaschutz in Summe zu wenig, meint Claudia Kemfert. Sie ist Energieexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und sagt, dass die Klimaschutzziele so ganz sicher nicht erreichbar seien. Was viele Gründe habe, aber eben auch daran liege, dass man im Wärmesektor nicht so viel erreicht habe, wie man erreichen wollte.

Klassische Gasheizung wichtigster Wärmelieferant

Noch immer entscheiden sich beim Neubau mehr als 53 Prozent aller Bauherren für eine klassische Gasheizung als wichtigsten Wärmelieferanten. Dieser Wert sei sogar wieder gestiegen, sagt die grüne Bundestagsabgeordnete Julia Verlinden.

Sie sei deshalb wütend auf die Bundesregierung, da sie nicht mehr Maßnahmen ergreife, um hier umzusteuern. Denn die Bundesregierung würde im Augenblick sogar das Gegenteil finanziell fördern. Wenn jemand seine Ölheizung durch eine neue Ölheizung ersetze, bekomme er dafür noch Fördergelder. Das bedeute, dass die Bundesregierung im Augenblick den Anreiz biete, weiterhin auf fossile Technologien zu setzen.

Heizungsindustrie setzt auf neue Brenner

Beim Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie findet man das undramatisch. Ölheizungen würden fast nicht mehr verbaut, entgegnet Präsident Manfred Greis. Und wenn eine alte Gasheizung durch eine neue ersetzt werde, sei das doch auch ein Fortschritt, der CO2 einspare.

Heizungsanlagen seien oft 25 oder 30 Jahre alt, entsprächen also nicht dem Stand der Technik. Und durch den Einsatz von neuer Brennwerttechnik könnten ohne Weiteres dreißig Prozent eingespart werden.

Probleme mit Handwerkern und Verkäufern

Für die ambitionierten Klimaschutzziele der Bundesregierung genügt das aber nicht. Professorin Kemfert sagt, die Handwerker könnten viel mehr klimaneutrale Heizungen wie die Wärmepumpe verbauen. Sie müssten aber auch wollen. Kemfert beklagt einen Informationsmangel der Handwerker. Teilweise würden die entsprechenden Handwerker nicht richtig geschult.

Für die Energieexpertin fängt das Problem sogar früher an. Bestimmte Verkäufer würden gerade die Gunst der Stunde nutzen, um ihre bestimmten Produkte zu verkaufen. Diese Produkte seien oft nicht die abgasärmsten.

Und noch etwas müsse für das Erreichen der Klimaschutzziele passieren: Die Dämmung alter, zugiger Häuser müsse schneller gehen. Derzeit würden pro Jahr ein Prozent alter Häuser saniert. Nötig seien aber zwei Prozent.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 24.05.2017 | ab 06:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2019, 05:00 Uhr

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8 Kommentare

24.05.2017 23:16 nilux 8

@Markus: Eine Luft-Wärmepumpe nimmt Wärme aus der Außenluft auf und gibt sie ähnlich wie beim Kühlschrank an das Heizungswasser ab. Die so entstandene Heizwärme besteht im Idealfall zu fast drei Vierteln aus kostenloser Umgebungswärme und nur zu ca. einem Viertel aus elektrischer Energie für den Kompressor. Insofern stimmt ihre Rechnung sogar in etwa. Und sie sehen: Es lohnt sich.
Hinzu kommt noch ein anderer Aspekt: Auch in den Sommermonaten, wenn fast nie die Heizung gebraucht wird muss trotzdem Warmwasser für die Dusche etc. aufbereitet werden. Bei meiner Anlage macht das 50% der Gesamtenergiemenge im Jahr aus. Da ohnehin ein Warmwasserspeicher zur Anlage gehört, kann dieses System sehr effizient mit Solarthermie gekoppelt werden, die gerade in den Sommermonaten den Stromverbrauch auf ein Minimum begrenzt.
Leider war mein Heizungsinstallateur fachlich nicht in der Lage, mir ein solches zusätzliches Solarsystem zu empfehlen. Der hätte "lieber Gas gemacht". Ich werde es nachrüsten.

24.05.2017 16:45 Markus 7

1 kWh in Strom kostet 30 Cent, in Gas aber nur 8 Cent. Eine Wärmepumpe kann doch nicht 4mal effizienter sein als Gasheizung? Wenn der Staat Strompreise so unterdruckt, dass 1 kWh in Gas und in Strom vergleichbar werden, dann können wir über Wärmepumpe reden. Heute ist sogar mit Diesel zu heizen viel billiger, als mit Strom. Auch eine Wärmepumpe nimmt Wärme nicht aus nirgendwo.

24.05.2017 11:43 nilux 6

Für die bisher eher noch geringe Akzeptanz von Wärmepumpen gibt es in meinen Augen zwei Ursachen:
1. Die Preise für Heizstrom (mit Aufteilung in Haupt-und Nebentarife) sind viel zu hoch und werden in den meisten Regionen nur vom großen Platzhirsch überhaupt angeboten, der als Monopolist die hohen Preise durchdrückt. Und das obwohl moderne Fußbodenheizungen sinnvolle Energiespeicher für Ökostrom sind.

2. Die schlechte Ausbildung der Heizungsinstallateure
Ich kann deshalb Prof. Kemfert aus eigener Erfahrung nur recht geben. Die Fachbetriebe sind zwar in der Lage solche Anlagen zu installieren. Die Dimensionierung der Anlage und die Beratung der Kunden ist jedoch absolut mangelhaft. Dies führt zu hohen Verbrauchskosten, die gar nicht sein müssten.

Die Anschaffungskosten einer Luft-Wärme-Pumpe sind inzwischen durchaus mit denen einer Gasheizung vergleichbar. Ob man allerdings eine Kühlfunktion braucht und damit die Klimaschutzziele wieder zunichte macht sei dahin gestellt.

24.05.2017 11:34 NRW-Wessi 5

Für mich steht fest:
Die Klimapanik wurde aus ökonomischen Gründen geschürt, wobei mit ökologischen Gründen das schlechte Gewissen der Bürger (Konsumenten) gefördert werden soll.

Vor einigen Jahrzehnten heizte man im Osten wie im Westen mit Kohleöfen und warf alles hinein, was irgendwie brannte und in Wärme umgesetzt werden konnte. Im Auto kannte man keine Filter und auch der gute alte Trabi räucherte wie ein Großer.
Ja, es ist richtig, dass seit dieser Zeit etwas getan wurde, denn die Auswirkungen waren spürbar und die Luft ist besser denn je. Nun muss man auch mal die Kirche im Dorf lassen und nicht immer eine neue Sau namens Feinstaub, CO2, Stickoxide etc. durchs Dorf treiben.
Jedenfalls läuft meine 25-jährige Heizung eines Herstellers aus Remscheid problemlos und ich habe ein Zweitgerät als Ersatzteilager auf Vorrat im Keller. Sollte ich ein passendes Gerät im Kleinanzeigenportal finden, so kaufe ich auch ein weiteres Gerät zum Ausschlachten, weil ich Bewährtes erhalte.

24.05.2017 11:06 gerd 4

Ich bin aus der Branche deshalb hiezu mein Meinung.
Frau Kemfert sollte sich selber mal Schulen bevor Sie hier so einen Unfachlichen Kommentar abgibt.
Wärmepumpen arbeiten effezient nur bei dafür ausgelegten Gesamtkomplex welches beim Neubau
Problemlos eingehalten werden kann.Im Altbestand müssen viele Faktoren berücksichtigt und gegebenfalls geändert werden teils mit enormen Geldaufwand(Einbau Fussbodenheizung,
Austausch der Heizkörper gegen grössere Rohrnetzanpassung,Verstärkung des E-Anschlusses,Wärmedämmung aussen wie innen.Ich berate meine Kunden richtig und fair und schwatze denen keine sich nicht armortisierenden
Heizungen auf auch wenn ich damit mehr Geld verdienen kann mein Ruf als fähiger und fairer Handwerker ist mir wichtiger.

24.05.2017 10:28 Klarheit 3

------".....Neue Heizungen sind zu selten öko...."-----,
Na warum wohl?
Weil "öko" nichts weiter als Abzocke ist , ein Mäntelchen unter dem den Bürger das Geld aus der Tasche gezogen wird!
Es muss sich rechnen, macht es aber meist nicht, wenn ich 10000 mehr ausgeben muss um inerhalb 20 Jahre 6000 zu sparen ist das eben Unfug!
Und wenn ich dann noch "ökostrom " lese für die Wärmepumpen, Strom der immer teurer wird und den Staat das Konto füllt Rollen sich mir die Fussnägel hoch.....Und das ganze Trara nur für das gute gewissen oder fragliche Bilanzen dafür ist mir mein schwer erarbeitetes Geld zu knapp!

24.05.2017 10:15 wirtz 2

Wer soll den nach der Zwangsgeldwende die doppelten Kosten aufbringen (Haus und Wohnungsbesitzer mit 1/2 Renten) für soeine Umrüstung ausser die 2% der anFührer und deren Seilschaft.

24.05.2017 09:40 H.E. 1

So eine neue Heizung vom Staat zu erzwingen ist einfach unverschämt. Es ist ein dreister Eingriff in den Geldbeutel der Leute und viele könnten sich das dann auch gar nicht leisten.
Wahrscheinlich steckt da wieder die Lobby der Heizungsbauer dahinter, damit die sich ihre Taschen noch weiter füllen können.