Ein Auszubildender im Schreiner-Handwerk arbeitet in einem Ausbildungszentrum mit dem Hobel an seinem Werkstück.
Die CDU möchte die Meisterpflicht in Handwerksbetrieben wieder einführen. Bildrechte: dpa

Handwerk Rückkehr zur Meisterpflicht: Wirtschaftsforscher skeptisch

Vor rund 15 Jahren hat die Bundesregierung die Meisterpflicht in 53 Handwerksberufen abgeschafft. Doch das Handwerk hat nie aufgehört, diese Entscheidung zu kritisieren. Nun finden die Klagen Gehör. Das Bundeswirtschaftsministerium will ab Sommer ein Gesetz erarbeiten, damit zumindest einige Berufe zur Meisterpflicht zurückkehren können. Die Handwerkskammer jubelt, Wirtschaftsforscher sehen die Entscheidung jedoch kritisch.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Ein Auszubildender im Schreiner-Handwerk arbeitet in einem Ausbildungszentrum mit dem Hobel an seinem Werkstück.
Die CDU möchte die Meisterpflicht in Handwerksbetrieben wieder einführen. Bildrechte: dpa

Volker Lux ist Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig und kämpft schon länger für eine Rückkehr zur Meisterpflicht. Ob das europarechtlich geht, war lange umstritten. Nun kommt das Bundeswirtschaftsministerium zum Ergebnis: Das geht.

Noch ist zwar offen, in welchen Berufen der Meisterbrief wieder Standard wird, trotzdem spricht Lux von einer guten Nachricht. Denn die Abschaffung der Meisterpflicht habe Verbrauchern geschadet, weil sich in betroffenen Gewerken quasi jeder als Handwerker ausgeben durfte:

"Wenn ich als Kunde eine Handwerksleistung in Anspruch nehme, dann möchte ich ja schon, dass es den Betrieb in fünf Jahren noch gibt, gerade wegen der Gewährleistung." Die vielen Solo-Selbstständigen, die nach Abschaffung der Meisterpflicht auf den Markt drängten, seien oft schnell wieder vom Markt verschwunden. Kunden stünden so bei Mängeln oft ohne Ansprechpartner da, kritisiert Lux: "Das kann nicht Anspruch von Handwerk sein".

Wirtschaftsforscher fürchten Preisanstieg

Doch nicht alle sehen es wie Lux. Verbraucherschützer konnten auf MDR-Nachfrage nicht bestätigen, dass sich seit Abschaffung der Meisterpflicht Klagen über Pfusch gehäuft hätten. Viele Verbraucher seien froh, überhaupt einen Handwerker zu bekommen. Selbst bei Fliesenlegern herrsche Mangel.

Der Wirtschaftsforscher Joachim Ragnitz vom ifo-Institut Dresden hält eine Rückkehr zur Meisterpflicht deshalb für eine schlechte Idee. "Wenn Sie die Meisterpflicht wieder einführen, bedeutet das, dass weniger Anbieter auf dem Markt sind. All diejenigen, die keinen Meister haben, dürfen dann nicht mehr tätig werden."

Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter des ifo Instituts Dresden
Joachim Ragnitz sieht die Meisterpflicht kritisch. Bildrechte: dpa

Wenn weniger Anbieter da sind, verknappt sich das Angebot und damit steigen die Preise. Letzten Endes wäre die Wiedereinführung der Meisterpflicht in erster Linie ein Instrument, um den verbleibenden Handwerkern, nämlich denen mit Meistertitel, bessere Geschäfte zu gewähren.

Joachim Ragnitz ifo-Institut Dresden

Zudem behindere die Meisterpflicht die Integration, sagt Ragnitz. Viele Ausländer mit Handwerksberuf könnten sich in Deutschland nicht mehr selbständig machen.

Sachsen erhofft sich bessere Ausbildungszahlen

Auszubildende arbeiten an einer Werkbank.
Hintergrund der Entscheidung sind auch die sinkenden Ausbildungszahlen im Handwerk. Bildrechte: dpa

Trotzdem hat sich der Bundesrat für die Wiedereinführung der Meisterpflicht ausgesprochen. Auch Sachsen stimmte dafür. Man sorge sich wegen der sinkenden Ausbildungszahlen im Handwerk, sagt Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Brangs. Dort sei man der Auffassung, dass vor allem Handwerksbetriebe mit Meisterbrief sich Auszubildender annehmen.

"Unternehmen, die teilweise schon in der zweiten, dritten oder sogar vierten Generation dieses Gewerk ausüben, haben auch ein Interesse daran, dass diese Tradition fortgeführt wird. Und da ist der Meisterbrief natürlich ein ganz wichtiger Baustein", erklärt Brangs.

Auch die Handwerkskammern argumentieren: Kommt die Meisterpflicht zurück, steigen die Ausbildungszahlen wieder – und mit ihnen die Qualität. Bis zahlreiche Fliesenlegermeister die Schulen verlassen, wird es aber dauern. Firmen ohne Meisterbrief dürfen derweil weiterarbeiten. Für sie, sagt Staatssekretär Brangs, müsse es auch bei einer Rückkehr zur Meisterpflicht Bestandsschutz geben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. März 2019 | 05:08 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2019, 05:00 Uhr

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13 Kommentare

27.03.2019 22:52 Martin 13

Ich kann es nicht mehr hören, ein mit Privilegien ausgestatteter Wirtschaftbereich(Marktzugangsbeschränkungen, Meistergründungsprämien, großzügig mit Förderungen gebaute Gewerbezentren....) wie kein anderer in diesem Land bekommt einfach nicht genug. Ein unglaublicher Lobbyapparat bearbeitet Politik und Gesellschaft um im absoluten Eigeninteresse freiheitlich demokratische Grundrechte auszuhebeln, zu untergraben und massiv einzuschränken. Mit welchen Begründungen. Qualität und Verbraucherschutz? Also wenn ich Probleme mit Handwerkern hatte waren das immer Meisterbetriebe wie KFZ Werkstatt, Schornsteinfeger, Klempner .....Im Bereich Ausbildung war die Erfahrung von Familienangehörigen auch zum Teil sehr Problematisch, hält nicht das was großspurig versprochen wird. Wenn man den Meisten ihre Privilegien nehmen würde und sie sich wie alle anderen auch dem Markt stellen müssten würden sie vermutlich statistisch auch nicht länger am Markt sein als andere Betriebe.

27.03.2019 19:26 gerd 12

Ich finde eine Meisterausbildung mittlerweile für sinnvoll,war früher ein Gegner davon bis ich ihn selbst
gemacht habe .Einiges in der Ausbildung ist Zeitverschwendung ,aber der gegenseitige Austausch der Schüler bringt alle voran es werden Kontakte geknüpft die bis heute nach 25 Jahren immer noch halten und ein neuer junger Meister im Betrieb bringt Impulse und neues wissen ist einfach so ,ich habe aber eine Forderung .Betriebe die Ausbilden sollten von Handwerkskammerbeiträgen ausgenommen werden da sie das Handwerk und auch die Kammern dauerhaft am Leben erhalten und eines ist wichtig ,diese Meisterregelung muss auch für Ausländer gelten und nicht wie jetzt grosszügig ausgelegt werden eine Prüfung im Nachgang für diese Betriebe ist unerlässlich.

27.03.2019 17:25 Ureinwohner 11

Vor rund 15 Jahren hat die Bundesregierung die Meisterpflicht in 53 Handwerksberufen abgeschafft Doch das Handwerk hat nie aufgehört, diese Entscheidung zu kritisieren. Nun finden die Klagen Gehör. Die Handwerkskammer jubelt.....
Noch Fragen ?

27.03.2019 14:46 Gerd Müller 10

In machen Berufen angebracht, aber wie Essenkehrer, Bäcker, Frisör, Konditor usw. absolut nicht notwendig.
Alles nur Geldschneiderei, mehr nicht.
Wichtig ist Elektro, KfZ, Heizung, ........
Wofür braucht ein Essenkratzer ein Meister, das macht mittlerweile jede Heizungsfirma. Alles nur Lobbyismus, um dem Bürger zu schröpfen.

27.03.2019 13:21 F. R. 9

@Max W.
"Prüfer" sind wie in jeder Berufsausbildung und Meisterprüfung sowohl bei IHK als auch HWK ehrenamtlich tätig!
Bitte informiere dich über die Tatsachen bevor du schreibst.

"Gutachter" haben an sich nichts mit dem Meisterzwang zutun, sicher sind es aufgrund der hohen Anforderungen zwar Meister das hat aber nichts damit zutun ob der Beruf einen Meisterzwang hat oder nicht. Zudem verdienen die Kammern nichts durch die konkrete Tätigkeit eines Gutachters, der arbeitet auf eigene Rechnung.

Auf die restlichen geistigen Ergüsse gehe ich lieber nicht ein.

27.03.2019 13:20 klaus pfister 8

Die verbliebenen Handwerker sollten eben die Moeglichkeit erhalten um selbst die Meisterpruefung innerhalb einer gewissen Frist Zeit zu absolvieren!

27.03.2019 13:05 E. Kleiner 7

Weiß Herr Ragnitz eigentlich, wovon er spricht? "All diejenigen, die keinen Meister haben, dürfen dann nicht mehr tätig werden." Sie dürfen dann nicht selbständig(!) tätig werden. Und ausbilden dürfen Gesellen oder Laien (Gott sei Dank!) ohnehin nicht. Wo kommt also qualifizierter Nachwuchs her? Bestimmt nicht vom ifo-Institut. Herr Ragnitz sollte bei den Themen bleiben, mit denen er vertraut ist.

27.03.2019 11:03 Wo ist das Lobbyregister? 6

@27.03.2019 10:04 Jonas Kuckuk

(Unterm Strich würde eine Wiederausweitung des Meisterzwangs vor allem den Fachkräftemangel weiter verschärfen. Der Maßstab für eine Rückabwicklung der vorsichtigen Liberalisierung der Handwerksordnung in 2004 sollte zuerst das Interesse der Verbraucher sein. Verbraucher können selbst entscheiden ob sie eine - mit dem vermeintlichen Gütesiegel des Meisterbriefs versehene - handwerkliche Leistung wählen und entsprechend honorieren möchten oder ob sie anderen Anbietern den Vorzug geben. Der Meisterbrief schützt Verbraucher nicht vor Pfuscharbeiten. Vor unangenehmen Überraschungen schützt das Gewährleistungsrecht. Aus Sicht des Verbrauchers gibt es zudem keine Erkenntnisse, die eine erneute Einschränkung der unternehmerischen Freiheit im Handwerk rechtfertigen würden: Die Prüfung einer Wiedereinführung der Meisterpflicht für 41 derzeit zulassungsfreie Handwerke ist deshalb schlicht überflüssig.)

So sieht es aus.

27.03.2019 10:15 Ossi 5

alles Augenwischerei.... Auch ein Meisterbetrieb hat Angestellte, die keinen Meisterbrief haben, die pfuschen genauso auf den Baustellen, wie Handwerker, die sich einbilden es zu können... Der einizge Vorteil besteht vielleicht in der Haftung. Den Meisterbetrieb kann ich besser in die Pflicht nehmen, als den Möchtegernhandwerker, der nach 5 Jahren nicht mehr greifbar ist. Den Meisterbrief muß man sich aber auch erst mal leisten können.

27.03.2019 10:04 Jonas Kuckuk 4

Unterm Strich würde eine Wiederausweitung des Meisterzwangs vor allem den Fachkräftemangel weiter verschärfen. Der Maßstab für eine Rückabwicklung der vorsichtigen Liberalisierung der Handwerksordnung in 2004 sollte zuerst das Interesse der Verbraucher sein. Verbraucher können selbst entscheiden ob sie eine - mit dem vermeintlichen Gütesiegel des Meisterbriefs versehene - handwerkliche Leistung wählen und entsprechend honorieren möchten oder ob sie anderen Anbietern den Vorzug geben. Der Meisterbrief schützt Verbraucher nicht vor Pfuscharbeiten. Vor unangenehmen Überraschungen schützt das Gewährleistungsrecht. Aus Sicht des Verbrauchers gibt es zudem keine Erkenntnisse, die eine erneute Einschränkung der unternehmerischen Freiheit im Handwerk rechtfertigen würden: Die Prüfung einer Wiedereinführung der Meisterpflicht für 41 derzeit zulassungsfreie Handwerke ist deshalb schlicht überflüssig.