Eine Auszubildende im Friseurhandwerk
Der Mindestlohn hat vor allem Friseurinnen und Friseuren in Mitteldeutschland deutlich mehr Geld eingebracht. Bildrechte: dpa

Kommission zieht Bilanz Mindestlohn: Besonders Mitteldeutschland profitiert

Knapp fünf Jahre nach Einführung des Mindestlohns hat die Mindestlohnkommission ein positives Fazit gezogen: vor allem Arbeitnehmer in Mitteldeutschland haben profitiert. Doch die positiven Zahlen trügen auch.

von Julian Theilen, MDR AKTUELL

Eine Auszubildende im Friseurhandwerk
Der Mindestlohn hat vor allem Friseurinnen und Friseuren in Mitteldeutschland deutlich mehr Geld eingebracht. Bildrechte: dpa

Die größten Befürchtungen, sie sind nicht eingetreten. Da waren sich die Mitglieder der Mindestlohnkommission am Mittwoch bei ihrer Bilanz in Berlin einig. Bevor der Mindestlohn von 8,50 Euro nach langen Verhandlungen 2015 von der großen Koalition aus CDU und SPD eingeführt worden ist, warnten Arbeitgeberverbände immer wieder vor negativen Konsequenzen auf dem Arbeitsmarkt: Hunderttausende Jobs seien bedroht, hieß es.

Vor allem Friseurhandwerk und Gastronomie profitieren

Knapp fünf Jahre später entpuppt sich dieses Schreckgespenst als Fehlprognose. Die Gesamtbeschäftigung sei seit 2015 gestiegen und auch das Stundenlohnniveau sei angehoben worden, teilte die Mindestlohnkommission mit. Besonders zu spüren war das in Mitteldeutschland. In Sachsen erhielten 2015 mit dem neuen Gesetz knapp 120.000 Arbeitnehmer den Mindestlohn, in Sachsen-Anhalt waren es sogar 140.000. Vor allem im Friseurhandwerk und in der Gastronomie konnten sich viele über höhere Stundenlöhne freuen.

Der Mindestlohn hat laut Kommission sogar Löhne oberhalb der Grenze beeinflusst. Demnach hoben viele Unternehmen generell ihre Löhne an, um keinen Wettbewerbsnachteil gegenüber Konkurrenten zu haben.

Lohngefälle zum Westen bleibt

In Mitteldeutschland gebe es dennoch weiter ein niedriges Lohnniveau, moniert der
Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Sachsen, Dirk Schlimbach.

Ostdeutsche Arbeitnehmer verdienen nach wie vor deutlich weniger. Ein Angleichungsprozess an den Westen hat nicht stattgefunden.

Vorsitzender des DGB Sachsens, Dirk Schlimbach

Auch weil es in Ostdeutschland nach wie vor weniger Tarifbindung gebe. Um das auszugleichen, fordert Schlimbach unter anderem eine Erhöhung des Mindestlohns von derzeit 9,19 Euro auf 12 Euro. Nur so könne eine ausreichende Rente gesichert werden.

12 Euro Mindestlohn? Teile der Kommission widersprechen

Manche Mitglieder der Mindestlohnkommission unterstützen diese Forderung, andere geben sich skeptisch – weil sie auf relativierende Zahlen verweisen können. Denn trotz Mindestlohn seien die monatlichen Bruttolöhne kaum gestiegen. Viele Arbeitgeber hätten nach der Einführung des Gesetzes die Arbeitszeiten gekürzt, um so die Personalkosten stabil zu halten. Für die Kritiker ein Beleg dafür, dass weitere Erhöhungen die Arbeitgeber überfordern könnten.

Außerdem sei der Mindestlohn in einer Hochkonjunktur eingeführt worden, eine verlässliche Bilanz sei deshalb kaum möglich. Erst schwächere Wirtschaftsphasen könnten Aufschluss darüber geben, ob der Mindestlohn den Arbeitsmarkt nicht wirklich belaste. Den derzeitigen Mindestlohn von 9,19 Euro und die Erhöhung ab Januar 2020 auf 9,35 Euro tragen jedoch auch die Arbeitgebervertreter in der Kommission mit.

Auf Armutsrisiko kaum Einfluss

Auch wenn der Mindestlohn als sozialdemokratischer Meilenstein gilt, hinsichtlich Armutsrisiko wirkt er laut Kommission nur begrenzt. Nur ein Viertel aller in Armut lebenden Menschen in Deutschland seien erwerbstätig. Der Mindestlohn habe dennoch indirekte Auswirkungen auf die sozialen Sicherungssysteme wie die Rente.

Über die Mindestlohnkommission: Mit Einführung des Mindestlohnes 2015 hat der Gesetzgeber ein unabhängiges Gremium eingerichtet, das regelmäßig kontrolliert, ob der Stundensatz noch angemessen ist. Dabei orientiert sich die Kommission aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern sowie Experten unter anderem an der aktuellen Tarifentwicklung und schlägt der Bundesregierung vor, in welcher Höhe der Mindestlohn steigen sollte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Oktober 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2019, 20:32 Uhr

13 Kommentare

Der Erfurter Bub vor 3 Wochen

Welche Arbeit ist denn keine 12 Euro die Stunde wert? Jeder Mensch der Arbeit hat, will davon existieren können. Das muss standart sein. Sonst will doch niemand so einen Job ausführen. Sie etwa?

Der Erfurter Bub vor 3 Wochen

Wer nicht in der wirtschaftlichen Lage ist den Mindestlohn zu zahlen, Der geht halt ein. Oder muss sein Geschäft allein führen. Ein Tante Emma laden ist seit 1990 nicht wirtschaftlich. Wie soll ein solcher Laden in einem 500Seelen Dorf existieren? Nur die vergessene Butter dort zu kaufen kann nicht rentabel sein. Das selbe bei Bäcker und Fleischer. Wer auf Qualität achtet, Der unterstützt wie ich kleine Bäckereien odet Fleischereien. Man muss aber auch bereit sein das doppelte zu bezahlen und das ist der Großteil der Bevölkerung nicht. Also hört auf zu jammern und ändert euer Kaufverhalten. Der Mindestlohn muss auf mindestens 12 Euro hoch, ehrliche Arbeit muss fürs Leben reichen und auch fürs Alter.

kennemich vor 3 Wochen

Zitat: Mindestlohn: Besonders Mitteldeutschland profitiert

Wenn da Mitteldeutschland besonders profitien soll, da werden diese AN in diesen Regionen aber mehr als schlecht bezahlt !!! :-(((

Mit 9,19 in diesem Jahr als Lohn, da ist schon leider klar das man in die Grundsicherung/Grundrente rutscht !!!