Centstücke auf Geldkarten.
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Finanzen Warum gibt es Negativzinsen?

Für Sparer sind es harte Zeiten. Seit Jahren gibt es kaum noch Zinsen. Manche Banken erheben sogar einen Negativzins, wenn man viel Geld bei ihnen anlegt. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat so einen Negativzins. Dieser trifft vor allem Banken, die Geld bei der EZB parken. Das brachte Hörer Clemens Albrecht auf folgende Frage: "Warum geben die Banken ihr Geld für einen negativen Zinssatz der EZB? Ich als normaler Sparer würde mein Geld eher zu Hause parken."

von Ralf Geißler, MDR INFO

Centstücke auf Geldkarten.
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Tatsächlich klingt das unlogisch: Die Europäische Zentralbank verlangt 0,3 Prozent Strafzins, wenn man bei ihr Geld anlegt. Trotzdem überweisen die Banken ihr tagtäglich Milliarden – und machen Verlust. Doch das hat Gründe, sagt Wilhelm Althammer, Wirtschaftsprofessor an der HHL in Leipzig: "Die Banken sind nicht doof, sondern sie haben keine andere Möglichkeit, das Geld anders unterzubringen."

Um das zu verstehen, muss man tiefer ins Bankenwesen eintauchen: Banken sammeln Spareinlagen ein und vergeben davon Kredite. Doch selten ist beides deckungsgleich. In der Regel sind die Einlagen höher als die vergebenen Kredite. Der Überschuss muss irgendwo hin. Und dieses Geld landet ganz zwangsläufig bei der EZB, sagt Thomas Schlüter vom Bankenverband: "Sie können es nicht bei sich behalten, denn alle Konten, die der Bank gehören, werden über das Zentralbanksystem geführt, liegen also bei der EZB. Die Bank führt zwar viele Konten, das sind aber Kundenkonten. Ihre eigenen Konten sind im Zentralbanksystem. Das heißt, wenn die Bank Liquidität, wie wir es nennen, also Geld bekommt, liegt es automatisch bei der Zentralbank und muss dort dann auch negativ verzinst werden."

Die Bank hat Kosten

Die Bank könnte ihren Überschuss natürlich noch anderen Banken leihen. Doch das Misstrauen unter den Instituten ist groß. Als letzte Möglichkeit könnte die Bank ihr Geld auch bar in den Tresor legen.  "Aber diese Bargeldhaltung hat natürlich auch Kosten. Denn Sie müssen zum einen dieses Bargeld transportieren, sie müssen es wieder zurück bringen und sie müssen es sicher lagern. Das heißt, auch hier fallen Kosten für die Bank an - und die sind im Zweifelsfall höher als der negative Zins, den sie bei der Zentralbank zahlen."

Den negativen Zins gibt es seit Juni 2014. Mit ihm will die EZB die Banken zwingen, möglichst viele Kredite zu vergeben – vor allem in den wirtschaftsschwachen Regionen Südeuropas. Doch der gewünschte Effekt ist bislang kaum eingetreten, sagen Volkswirte. Stattdessen nehmen die Banken die Verluste bei der EZB in Kauf und geben sie einfach weiter, sagt Wilhelm Althammer: "Weil ja alle Banken gleichermaßen davon betroffen sind, keine Bank kann dem ausweichen, werden dann halt die Unternehmenskredite oder die Verwaltungsgebühren teurer, Kontogebühren werden eingeführt. Die bisherige Erfahrungen mit negativen Zinsen, die gesammelt wurden, weisen darauf hin, dass die Banken nicht den Anreiz haben, vermehrt Kredite auszureichen, sondern eher ihre zusätzlichen Kosten weiter zu wälzen."

Bleibt die Frage, ob die Banken irgendwann für einfache Sparer Negativzinsen einführen. Vereinzelt ist das schon passiert – für sehr hohe Beträge. Zu einem breiten Phänomen werden Negativzinsen nach Ansicht vieler Volkswirte aber wohl nicht. Denn der Sparer würde sein Geld dann einfach abheben und zu Hause aufbewahren.

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2016, 07:18 Uhr