onnenaufgang und Windräder am Kraftwerk Niederaussem.
Es gibt zahlreiche technische Möglichkeiten, um überschüssigen Ökostrom zu nutzen. Bildrechte: imago/CoverSpot

Energiewende Was tun mit ungenutztem Ökostrom?

228 Millionen Euro – so viel müssen Verbraucher dieses Jahr für ungenutzten Ökostrom zahlen. Die Co-Vorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock findet das unmöglich. Sie sagte der "Augsburger Allgemeinen", es gebe technische Möglichkeiten, Ökostrom anders zu verwenden. Ist das so? Wir haben den Faktencheck gemacht.

von Jessica Brautzsch, MDR AKTUELL

onnenaufgang und Windräder am Kraftwerk Niederaussem.
Es gibt zahlreiche technische Möglichkeiten, um überschüssigen Ökostrom zu nutzen. Bildrechte: imago/CoverSpot

Alle Interviewpartner aus Wirtschaft und Wissenschaft stimmen im Gespräch mit MDR-AKTUELL der Grünen-Politikerin Annalena Baerbock generell zu: Es gibt zahlreiche technische Möglichkeiten, um überschüssigen Ökostrom zu nutzen.

Für Gasherstellung verwenden

Das sagt auch Wolfgang Axthelm, Geschäftsführer im Bundesverband Windenergie. Zum Beispiel könne man Windstrom über den Elektrolyseur in Wasserstoff und in einer weiteren Stufe in methanisiertes Gas umwandeln. Das könne man verschieden anwenden: "Wasserstoff lässt sich direkt in der Industrie, aber auch in der Mobilität einsetzen. Methanisiertes Gas ist nichts anderes als Erdgas und lässt sich deshalb ins Basisnetz einspeisen."

Elektrolyseur In einem Elektrolyseur werden mit Hilfe elektrischen Stroms chemische Verbindungen aufgespalten, es kommt also zu chemischen Reaktionen.

Strom zur Wärmeerzeugung nutzen

So könnte der Großteil des ungenutzten Ökostromüberschusses tatsächlich Verwendung finden. Zum Beispiel, indem aus erneuerbarer Energie Wärme wird. Das erklärt Kurt Rohrig, stellvertretender Institutsleiter am Frauenhofer-Institut für Energiewirtschaft und –systemtechnik in Kassel, an einem Beispiel: Im Winter werde mehr Windenergie in das Stromnetz eingespeist und es komme zu höheren Abregelungen. Gleichzeitig sei der Wärmebedarf durch die Kälte hoch. Wenn man Prognosen für Windenergieeinspeisung in das Stromnetz nutze, könne man das Wärmemanagement optimieren.

Abregelung Die Verringerung der Leistung, zum Beispiel von Windrädern, unter das in dem Moment mögliche Niveau. Es wird also weniger Strom erzeugt, als möglich wäre. Bei erneuerbaren Energien bedeutet das: Der Strom geht verloren, da beispielsweise der Wind nicht genutzt wurde.

Einsatzfeld für erneuerbare Energie öffnen

Denn tatsächlich ist die alternative Verwendung von Ökostrom gerade erst aus der Phase der Pilotprojekte raus, sagt Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung: "Wir haben gerade erst begonnen, den Sektor der erneuerbaren Energien auszubauen und sind noch gar nicht im Bereich der Sektorkopplung."

Sektorkopplung Für die Energiewende müssen neben der Stromversorgung auch die anderen energieintensiven Sektoren wie Verkehr oder Wärmeerzeugung auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Sektorkopplung bedeutet, Strom aus erneuerbaren Energien für die anderen Sektoren zu verwenden und sie so "sauberer" zu machen. Ein Beispiel wäre, wenn Elektrobusse mit Strom aus Windenergie angetrieben werden.

Verband: Nutzung lohnt sich nicht

Könnten denn aber diese Technologien auch wirtschaftlich erfolgreich angewandt werden? Stefan Kapferer, Vorsitzender des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, sagt: im Moment nicht. "Das Kernproblem, vor dem wir heute stehen, ist kein technisches Problem. Das Kernproblem ist, dass Strom mit sehr hohen Abgaben und Umlagen belastet ist. Und dass es deshalb nicht wirtschaftlich ist, Strom anders zu verwenden", erklärt Kapferer.

So bleiben fossile Kraftstoffe im Bereich Mobilität einfach die günstigere Variante. Im Moment würde aber auch der Gesetzgeber keine direkte Verwendung von Strom zulassen. Dieser müsse immer aus dem Stromnetz verbraucht werden, beklagt der Bundesverband Windenergie. Sowohl aus Wirtschaft als auch Wissenschaft gibt es generell Forderungen an den Gesetzgeber, die Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien anzupassen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Dezember 2018 | 08:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Dezember 2018, 05:00 Uhr

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20 Kommentare

15.12.2018 22:59 Thomas 20

@13 Gerd Müller

OT

"lassen sie mich raten, sie haben eine Solaranlage auf dem Dach und wählen Grün, dann ist alles klar."

Falsch - weder noch;-)

Die Grünen sind mir zu spiessig und konservativ, aber ich habe Kinder und möchte denen eine bessere Welt hinterlassen, als die, in welcher ich lebe!

Und keine Ahnung, was hier manche für einen Stromanbieter haben, aber ich bezahle für einen monatlich zu kündigenden, stinknormalen Nullachtfuffzehn-Tarif bei einem "echten" Ökostromanbieter trotzdem weniger als bei einem der grossen Konventionellen, keine Ahnung, was da bei mir schiefläuft...

...vielleicht ist da doch bei vielen hier einfach nur Polemik und kein Wissen dahinter.

Alles klar?

15.12.2018 22:29 Thomas 19

@9 - Wolfgang Nawalny

Weil er subventioniert wird? Wenn Sie mir dann noch erklären, woran eine "Sperre" in einem Stromnetz erkennt, was Öko- und was konventioneller Strom ist, sind Sie Spitze. Wenn schon, dann wird Strom generell am Durchleiten gehindert.

@10 Ekkehard Kohfeld

Das kurzfristige Profitinteressen Einzelner nicht selten langfristige und meist intellligentere Lösungen verhindern, ist Ihnen neu?

Warum werden z.B. so gerne wegen ein paar Flocken vermeintlicher Gewerbesteuereinnahmen Industrie- und Gewerbegebiete in die Pampa gedonnert, die binnen kürzester Zeit Brachen sind, welche den Kommunen noch mehr auf der Tasche liegen, statt dort vielleicht Natur Natur sein zu lassen oder wenigstens bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?

@16 Dieter

Und dieselben Nachbarn meckern über heisse Sommer, Winter mit ohne Schnee und bekommen ihre Rechnung eben später, siehe @9...

Ansonsten: Zahlen und Fakten oder eher Stammtisch?

Fragen über Fragen...

15.12.2018 13:45 Ekkehard Kohfeld 18

@ Kein Einstein 17 Meine Meinung

Die Grünen packen den Strom in ihre Gefriertruhe und wenn sie welchen brauchen, stecken sie den Stecker in die Steckdose.##

Ach und das nennen die dann Speicherkraftwerk???:-))))))

[Liebe User,
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14.12.2018 21:41 Kein Einstein 17

Meine Meinung

Die Grünen packen den Strom in ihre Gefriertruhe und wenn sie welchen brauchen, stecken sie den Stecker in die Steckdose.

14.12.2018 19:21 Dieter 16

Thomas:
"Über die Energiewende lacht m.E. ebenfalls niemand ausser in Ihrer Einbildung"
Die Bürger der Nachbarländer lachen über die dummen Deutschen, wenn sie die Stromrechnungen vergleichen.

14.12.2018 18:35 Uwe 15

Den Strom der nicht abgenommen wird nicht zu bezahlen wäre schon mal ein guter Anfang. Aber das wird nie passieren. Schließlich wollen die sonstwas Schützer für nichts richtig abkassieren. Nur darum geht es. Und nicht um Umwelt Klima usw.

14.12.2018 18:26 Erna 14

Es gibt ein ganz einfaches Mittel, die Belastung für die Bevölkerung auf NULL zu fahren. Der s. g. Einspeisevorrang für den teuren Zappelstrom den niemand braucht wird einfach abgeschafft. Die angeblich so billige "Erneuerbare" Energie muss sich dann im Markt behaupten und der Strom wird nur abgenommen, wenn man ihn tatsächlich braucht. Ein System was bis 2000 perfekt funktioniert hat und erst durch rot/grünes Gedöhns ausgerechnet bei den Einkommensschwachen zu immer größeren Problemen führt.

14.12.2018 18:19 Gerd Müller 13

14.12.2018 11:19 Thomas, lassen sie mich raten, sie haben eine Solaranlage auf dem Dach und wählen Grün, dann ist alles klar.
Sie retten die Welt, jeder weiterer Kommentar ist hier überflüssig.
Sie haben recht, Blender sehen nicht mehr.
Übriges ein Kohle oder Gaskraftwerk kann man auch runterfahren. Solar nicht, hier muss einer den Strom abnehmen. Bei den Windmühlen sagen die Betreiber, wir wollen Geld. Alles klar, Thomas

14.12.2018 18:16 Wo geht es hin? 12

Einfach herrlich dieser "Faktencheck"! Das Thema Frequenz und Frequenzsynchronisierung, ohne die im Stromnetz überhaupt nix geht, wird völlig ausgeblendet. Wenn die nicht stimmt, kann man Mio von MWH aus Wind oder Sonne übrig haben - es wird nicht gehen, die irgendwo einzuspeisen - zumindest nicht, ohne einen Totalblackout zu riskieren. Reine Physik und kein politisch motiviertes Gefasel. Ob die Annalena schon mal was von 50 Hz gehört hat? Ich glaube nicht...

14.12.2018 18:10 Gerd Müller 11

Teuer verkaufen und den Gewinn den Grünen schenken, dieser Partei haben wir es zu verdanken das Strom zum Luxusgut wird.
Bitte immer wieder wählen, wer noch nicht genug hat.
Lobbypartei vom feinsten.