Zwei ältere Menschen mit Stohhüten überqueren Hand in Hand einen Fußgängerüberweg am Mainufer.
Einen Grund für den früheren Renteneintritt im Osten sehen die Forscher auch darin, dass hier Frauen stärker ins Erwerbsleben eingebunden waren. Bildrechte: dpa

Ifo-Institut Ostdeutsche gehen früher in Rente

Die abschlagsfreie Rente mit 63 wird in Ostdeutschland häufiger genutzt als im Westen. Das ergab eine Studie des Ifo Instituts. Zudem arbeiten in Westdeutschland deutlich mehr Neurentner als im Osten.

Zwei ältere Menschen mit Stohhüten überqueren Hand in Hand einen Fußgängerüberweg am Mainufer.
Einen Grund für den früheren Renteneintritt im Osten sehen die Forscher auch darin, dass hier Frauen stärker ins Erwerbsleben eingebunden waren. Bildrechte: dpa

Ostdeutsche gehen nach einer Untersuchung des Dresdner Ifo Instituts früher in Rente als Westdeutsche. Demnach traten vergangenes Jahr 42 Prozent aller Neurentner im Osten über die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren den Ruhestand an. In Westdeutschland waren es nur 30 Prozent.

Auch bei der frühzeitigen Rente mit Abschlägen ist die Quote im Osten mit 27 Prozent höher als im Westen. Dort liegt sie bei 17 Prozent. Umgekehrt haben im Westen deutlich mehr Neurentner bis zur Regelaltersgrenze von 65 Jahren und sieben Monaten gearbeitet: mit 45 Prozent lag die Quote fast doppelt so hoch wie im Osten, wo es 24 Prozent waren.

Frauen im Osten mit höheren Rentenansprüchen

Zur Erklärung der Unterschiede zieht das Ifo Institut die jeweiligen Erwerbsbiografien heran. "In der DDR war es üblich, frühzeitig ins Erwerbsleben zu starten", erklärte Ifo-Forscher Joachim Ragnitz. Damit wiesen im Osten mehr Personen die Voraussetzungen für die Rente ab 63 auf.

Ein weiterer Grund seien die höheren Rentenansprüche von Frauen im Osten. Da hier Frauen stärker in das Erwerbsleben eingebunden waren als im Westen, könnten nun mehr Haushalte die Rente mit Abschlägen in Kauf nehmen - wenn nämlich zwei Rentenbezieher mit hohen Bezügen in einem Haushalt leben.

Seit 2014 können Versicherte schon ab 63 die Rente ohne Einbußen in Anspruch nehmen. Voraussetzung ist, dass sie 45 Jahre eingezahlt haben. Bei mindestens 35-jähriger Versicherungsdauer ist ebenfalls ein vorzeitiger Renteneintritt möglich, dann allerdings mit Abschlägen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Oktober 2018 | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Mai 2019, 15:01 Uhr

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21 Kommentare

04.05.2019 13:40 kritiker 21

Im Osten gibt es aber auch strukturschwache Regionen wo es kaum Arbeit gibt ! Statt nur in der Arbeitslosigkeit zu sitzen ist es doch besser man geht in Rente im Osten ! Man sollte sowieso erstmal wieder vermehrt Arbeitsplätze schaffen in strukturschwachen Regionen in den neuen Bundesländern ! Bevor man sich aufregt d. Osten sei faul

02.05.2019 19:00 Carolus Nappus 20

@Mediator: Ganz so einfach ist das nicht, mit dem es sich leisten können und nicht nötig haben. Vielmehr ist es doch so, dass eine gehörige Zahl vom Staat zum frühestmöglichen Zeitpunkt zwangsverentet wird. Das trifft wohl im Osten häufiger zu als im Westen. Also nicht mit "in Anspruch nehmen" "es sich leisten können" und "es nicht nötig haben". Ganz im Gegentum entledigt sich da der Staat eines Teils seiner Verantwortung und belastet die Solidargemeinschaft. Keine Ahnung, ob dieser Grund in der Studie ignoriert wurde oder nur keinen Eingang in die Meldung gefunden. hat.

28.10.2018 14:49 Mediator an Paul Johannes(13) 19

Komisch, aber wenn die Renten in D angeblich auf dem Niveau eines Entwicklungslandes sind, dann frage ich mich, warum so viele Ostdeutsche schon mit 63 in Rente gehen und Hunger und Entbehrung in Kauf nehmen, statt weiter zu arbeiten.

Äpfel mit Birnen zu vergleichen mag zwar irgendein Ergebnis bringen, aber sicher keine vernünftige Aussage. Rentensysteme sind doch deutlich komplizierter als dass man sie mit zwei Faktoren wie Renteneintrittsalter und Rentenhöhe vergleichen kann.

In D kriegen z.B. sehr viele Menschen die lediglich 5 Jahre gearbeitet haben bereits eine Minirente. Nimmt man das angeblich so tolle Österreich als Vergleich, dann wird erst ab 15 Jahren eine Rente fällig. so was wirkt sich schon auf den Durchschnitt aus. Dazu kommen höhere Beiträge in AT, eine bessere demographische Struktur durch höhere Einwanderung, ein AG Anteil der höher ist als der der AN und vieles mehr. Hierbei sind Leistungen der Pflegeversicherung noch nicht einbezogen.

28.10.2018 14:06 Dorfbewohner 18

“Mediator 14

Wie wäre es, wenn man die Meldung einfach mal als solche akzeptiert?

...Nur zur Info: In der DDR erhielten 85% der Rentner lediglich die MINDESTrente.”

Genau, 85%, ein von Steffen Otte in Hamburg ermittelter Wert, garantiert korrekt, von ihm selbst recherchiert aus den ihm extra von den damaligen Rentenversicherungsträgern der DDR, des “Freien Deutsche Gewerkschaftsbundes FDGB” und der ehemaligen “Staatliche Versicherung der DDR” ausgehändigten amtlichen Statistiken!

Selbstverständlich waren die Renten damals miserabel im Osten, dass wissen wir alle, aber "...85% der Rentner lediglich die MINDESTrente." ist ohne Benennung eines Betrages und dazu den passenden Zeitpunkt einfach nur Polemik, quasi Nonsens.

28.10.2018 12:32 Klaus 17

@ { 27.10.2018 20:59 Paul Johannes }
Das trifft bei mir nicht zu.
Ich höre mit 60 auf und mein Vater hat mit 57 aufgehört. Und über die Rentenhöhe können wir uns auch nicht beschweren. Es kommt eben auf den Einzelfall an und ob man das Richtige gemacht hat. Schließlich erwirbt man sich die Rentenzahlungen nahezu ausschließlich durch seine Aktivitäten während der Erwerbsphase.

28.10.2018 10:48 Fragender Rentner 16

@Mediator zu 14

Hatte einen Bericht bei Report gesehen, da sagten auch so einige arme Rentner, dass die Mieten schneller steigen als die Renten.

28.10.2018 10:43 Fragender Rentner 15

@Mediator zu 14
Du schreibst: Nur zur Info: In der DDR erhielten 85% der Rentner lediglich die MINDESTrente.

Was verstehst du unter der Mindestrente?

Seit wann gibt es oder gab es eine Mindestrente oder eine gewisse Höhe?

28.10.2018 08:26 Mediator 14

Wie wäre es, wenn man die Meldung einfach mal als solche akzeptiert?

Es ist doch völlig egal, was dazu geführt hat, dass IM VERGLEICH Ostdeutsche anscheinend öfters von der Rente mit 63 Gebrauch machen als Westdeutsche.

Vielleicht sollte man einfach einmal akzeptieren es sich eine signifikant hohe Zahl von Menschen im Osten anscheinend leisten kann von ihrer Rente zu leben und es anscheinend nicht nötig hat so lange wie möglich das höhere Erwerbseinkommen zu beziehen.

Aber klar jammert es sich immer leichter über die angeblich ach so schlechten Lebensbedingungen im Osten bzw. in der BRD. Anscheinend hat jedoch eine stattliche Anzahl von Menschen gänzlich andere Erfahrungen gemacht und genießt die Rente so früh wie möglich.

Nur zur Info: In der DDR erhielten 85% der Rentner lediglich die MINDESTrente.

27.10.2018 20:59 Paul Johannes 13

Eines muss man doch mal klar sagen......Die Deutschen sind das Volk in Europa das wohl fast mit am längsten arbeiten muß und dann in Bezug dazu Prozentual mit die geringsten Rentenansprücge erwirbt!!
Im Vergleich zu anderen Staaten ist Deutschland bei der Rente ein Entwicklungsland.Und das finde ich unwürdig!

27.10.2018 17:26 Pfingstrose 12

Nummer10: Sie haben Recht: Anders könnte ich es auch nicht schreiben. Danke!