Immobilienmarkt Mitteldeutsche weiterhin nur selten Wohneigentümer

In Mitteldeutschland bleibt der Anteil der Wohneigentümer im bundesweiten Vergleich niedrig. Die bundesweite Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zeigt aber auch, dass Immobilienbesitzer immer älter werden.

Ein Eigenheim am Stadtrand
Der Traum vom Eigenheim wird in Deutschland im europaweiten Vergleich seltener Realität. Bildrechte: dpa

In Deutschland bleibt der Anteil der Menschen, die ihre Wohnung oder ihr Haus besitzen, unterdurchschnittlich. In den meisten anderen europäischen Ländern ist die Eigentümerquote höher. Eine aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln für die Bausparkasse Schwäbisch Hall zeigt nun, dass die Entwicklungen im Osten Deutschlands auseinandergehen.


Mehr Wohneigentum durch steigende Mieten

So ist der Anteil der Wohneigentümer in Berlin und Brandenburg gestiegen. In Berlin stieg die Zahl der Eigentümer zwischen 2010 und 2017 um ein Viertel (auf 18 Prozent). Die Autoren der Studie führen diese Entwicklung auf die steigenden Mieten zurück. Wohneigentum biete immer noch einen Schutz vor Mietpreissteigerungen.

In Brandenburg stieg der Anteil der Wohneigentümer um sieben Prozent (auf 45 Prozent). Auch das führen die Macher der Studie auf den angespannten Berliner Wohnungsmarkt zurück. Haushalte würden Berlin verlassen, um sich im Speckgürtel der Stadt Einfamilienhäuser zu bauen oder zu kaufen.


Stagnation in Mitteldeutschland

In den mitteldeutschen Bundesländern sind die Zahlen weitestgehend konstant. In Sachsen und Sachsen-Anhalt blieb die Eigentumsquote weiterhin bei 33 beziehungsweise 39 Prozent. In Thüringen sank der Anteil aber sogar um drei Prozentpunkte auf 42 Prozent.

In ganz Deutschland stagniert die Wohneigentumsquote seit Jahren bei 45 Prozent. Damit liegt Deutschland im europaweiten Vergleich auf dem vorletzten Platz vor der Schweiz.


Junge müssen mehr sparen

Die Studie zeigt auch, dass immer seltener junge Menschen in die eigenen vier Wände ziehen. Waren es in den Jahren 1998 bis 2002 noch rund 700.000 sogenannte Ersterwerber, lag die Zahl zwischen 2013 und 2017 nur noch bei rund 450.000 Haushalten. 2017 waren nur noch 12 Prozent der 25- bis 34-Jährigen Wohneigentümer. Die Quote sank damit im Vergleich zu 2010 um fünf Prozentpunkte. Gleichzeitig stieg das Haushaltseinkommen derer, die aus einer Mietwohnung in eine eigene Immobilie umzogen. Für die Autoren der Studie ist das die Folge des gestiegenen Kapitalbedarfs beim Kauf. Haushalte müssten heute deutlich mehr Kapital gespart haben als früher. Mancherorts sogar mehr als 50 Prozent mehr.

Die Autoren bezeichnen die Wohneigentumsquote als einen wichtigen Indikator für die Vermögensbildung. Europäische Vergleiche zeigten, dass in Ländern mit größerer Verbreitung von Wohneigentum die individuelle Vermögensbildung stärker ausgeprägt sei.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. April 2019 | 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. August 2019, 10:27 Uhr

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33 Kommentare

09.08.2019 23:37 part 33

Prekäre Erwerbsbiographien, Enteignung per Sozialgesetzgebung oder die Erbgesetzgebung, Hungerlöhne und Hungerrenten im Osten, >>Währungsreformen<< und andere Unwägbarkeiten, sowie eine Immobilienblase auch am Grundstücksmarkt haben ihre demographischen Spuren hinterlassen nach so viel CDU- Herrschaft im Laufe der Jahre.

09.08.2019 21:29 Dorfbewohner 32

"Klaus 31

@ { 09.08.2019 18:28 Dorfbewohner }
...Und 1976 habe ich beim Hausbau geholfen, während ich mein erstes eigenes Haus erst 1992 gebaut habe, wie Sie weiter unten lesen können…"

Sorry stimmt und tut mir leid, hab mich verlesen.

09.08.2019 19:30 Klaus 31

@ { 09.08.2019 18:28 Dorfbewohner }
Ja, vor dem Mauerfall gab es auch schon Europa und Deutschland und da wurden ebenfalls Häuser gebaut.
Und 1976 habe ich beim Hausbau geholfen, während ich mein erstes eigenes Haus erst 1992 gebaut habe, wie Sie weiter unten lesen können.
Das zeigt doch ganz deutlich, dass es lediglich vom eigenen Willen abhängt, ob man in den eigenen 4 Wänden wohnt.
Wer viel Geld hat, der baut sich eine Villa und wer wenig Geld hat, der baut sich eine Wohnung. Und wer das Geld lieber für die Miete ausgibt und von Eigentum unbelastet sein möchte, der baut eben nichts. Jeder hat die Wahl.

09.08.2019 18:28 Dorfbewohner 30

"Klaus 28

@ { 09.08.2019 14:59 Dorfbewohner ... Wir schreiben hier über den Osten }
Verglichen wird aber deutschland- und europaweit.
Und spätestens ab 1990 waren die DDR-Bedingungen Geschichte. Und seit 1990 wurden auch im Osten viele neue Häuser gebaut. Es geht also, wenn man will."

Ja, ja werter Klaus, Sie schrieben aber vom Hausbau Ihrer Eltern in den 50ern und Ihres eigenen ersten um 1976 und da meinten Sie wo, wenn es zuvor in den Kommentaren um private Wände hauptsächlich im Osten ging?

09.08.2019 16:49 Klaus 29

@ { 09.08.2019 15:14 Nachdenker }
Deshalb haben wir nicht gekauft, sondern alles selbst gebaut. Da kommt man deutlich günstiger weg und man kann auch noch Eigenleistung einbringen.
Mieten ist auf jeden Fall teurer als finanzieren.

09.08.2019 16:43 Klaus 28

@ { 09.08.2019 14:59 Dorfbewohner ... Wir schreiben hier über den Osten }
Verglichen wird aber deutschland- und europaweit.
Und spätestens ab 1990 waren die DDR-Bedingungen Geschichte. Und seit 1990 wurden auch im Osten viele neue Häuser gebaut. Es geht also, wenn man will.

09.08.2019 16:09 Walter 27

Ich verstehe den Artikel nicht so ganz.

Erstens ist ein Vergleich mit ländlicheren Staaten irreführend. Logisch gibt es auf dem Land mehr Eigentum an den Wohnungen. Niemand kann sich ein Einfamilienhaus in Frankfurt bauen.

Außerdem kann sich nun einmal nicht jeder wohneigentum leisten. Das war schon vor mehr als 100 Jahren so und wird so bleiben. Wohneigentum ist Luxus. Viele wollen aber auch die Bequemlichkeit einer Mietwohnung.

Einmal zu wenig Mietwohnungen, das nächste Mal zu wenig Eigentum. Welche Sau wird morgen durchs Dorf getrieben?

[Lieber Nutzer, das eine (wenige Eigentümer) schließt das andere nicht aus (zu wenige neue Mietwohnungen auf dem Markt). Beste Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

09.08.2019 15:49 aus Dresden 26

@15 Peter
Zustimmung - Bauen und Wohnen sollte schon in der Fläche geplant werden. Nicht umsonst sind die ostdeutschen Städte in aller Regel um einiges geordneter und schöner als die westdeutschen Städte.
Thema war aber in @13 die geringe Abgabenlast in den genannten Staaten, nicht deren unmittelbare Bau- Wohnungspolitik.
@14 Peter
Marktwirtschaftlich kann diese Preispolitik durchaus Sinn machen (Preisniveau, Prognosen für zukünftige Nachfrage etc.).

09.08.2019 15:14 Nachdenker 25

Wer soll die irren, utopischen Immobilienpreise bezahlen? Dazu Courtagen von bis zu 7,4% fürs Zeigen einer Immobilie? Ich verdiene im Jahr nicht soviel, wie ein Makler oft mit einer Immobilie. Die Einkommenssituation junger Leute ist nicht entsprechend. Billige DDR Bauten werden als Villen verkauft, mit Trockenbau und Dämmung verschandelte Häuser werden zu völlig überteuerten Preisen als "außergewöhnlich" verkauft. Solange Makler und Verkäufer den Hals nicht voll kriegen können, solange wird sich nichts ändern!

09.08.2019 14:59 Dorfbewohner 24

"Klaus 10

Meine Eltern haben schon 1958 das erste Haus gebaut und gemeinsam mit meinen Großeltern bewohnt.
1976 haben wir (wir Kinder konnten dann schon mithelfen) das 2. Haus gebaut und vermietet…"

Seltsam, seltsam?

Wir schreiben hier über den Osten und wer sich erinnern kann, welche Bedingung damals für eigenen Wohnungsbau in den 50er Jahren bestand, dem fällt es sehr schwer Ihnen zu glauben(zufällig wollten meine Eltern damals auch bauen) und in den 70ern erhielten auch nur bedürftige Ehepaare mit mindest einem Kind und das auch nur zum Eigenbedarf(war DDR-Gesetz) und niemals zur Vermietung eine Baugenehmigung und damit bilanziertes Baumaterial. Selbst bei Wertehaltungsvorhaben wurden Baugenehmigungen nur erteilt, wenn sie auch mit bilanziertem Baumaterial abgedeckt werden konnten oder dem Nachweis, dass Baumaterial wiederverwendet wurde.
Wie es allerdings bei allzu einflussreichen DDR-Mitbürgern lief, kann ich nur vermuten, wäre allerdings auch kein Maßstab.