Die Lastenräder verschiedener Paketdienstleister
Lastenräder verschiedener Paketdienstleister bei einem Modellprojekt 2018 in Berlin. Bildrechte: dpa

Teure "letzte Meile" Paketbranche setzt auf Mikrodepots und Lastenräder

Weil Online-Shopping boomt, wächst auch das Paketaufkommen rasant. Die private Paketbranche klagt über Kostendruck und Logistikprobleme. Sie fordert mehr Ladezonen, setzt auf Mikrodepots und Zustellung auf der "letzten Meile" per Lastenrad. Dabei sehen DPD, Hermes, UPS und Co. auch Kommunen und Politik gefragt. Sie beklagen Wettbewerbsvorteile für den Konkurrenten DHL. Bekommt die Branche die Probleme nicht in den Griff, drohen Gebühren für Haustürlieferungen.

Die Lastenräder verschiedener Paketdienstleister
Lastenräder verschiedener Paketdienstleister bei einem Modellprojekt 2018 in Berlin. Bildrechte: dpa

Die Kurier-, Express- und Paketbranche (KEP) schätzt die Zustellsituation in Deutschland aktuell trotz großer Probleme als stabil und von hoher Qualität ein. Elena Marcus-Engelhardt, Sprecherin vom Bundesverband Paket & Expresslogistik (BIEK), räumt auf MDR-Anfrage ein, der anhaltende Fahrermangel und die Flächenknappheit für die Logistik würden bei weiter steigendem Sendungsaufkommen noch spürbarer.

Marcus-Engelhardt beklagt einen Mangel an Ladezonen sowie an Flächen für Lager und Mikrodepots für anbieterübergreifende Paketstationen. Eine zentrale Rolle spielten dabei auch die Städte, ob sie mit der Branche kooperierten oder auf eine Regulierung setzten. Die KEP-Unternehmen sind demnach offen für innovative Lösungen und hätten bereits Konzepte für die emissionsarme oder -freie Belieferung vorgelegt.

Ansatz 1: Mehr Ladezonen

Die private Kurier- und Paketbranche beklagt fehlende Ladezonen in vielen Städten für ihre Zusteller. Die Flächen würden oft von Pkw zugeparkt, in Städten wie Köln oder Leverkusen bis zu 80 Prozent. Damit würden Zusteller zum Halten auf der Fahrbahn genötigt. Der Verband ruft daher die Kommunen auf, bestehende Ladezonen konsequent von Fehlnutzung freizuhalten und zusätzliche Ladezonen einzurichten. Staus sowie Stop-and-go-Verkehr mit einem hohen Schadstoffausstoß könnten so reduziert werden.

Verbandssprecherin Marcus-Engelhardt sieht auch die Bundespolitik in der Pflicht, die ein Verkehrszeichen "Ladezone" analog zum Verkehrszeichen "Taxistand" einführen könnte. Das habe die Bundesanstalt für Straßenwesen bereits 2007 empfohlen.

Ansatz 2: Mikrodepots und Lastenräder

Ein Fahrradkurier fährt 2017 auf einem "Cubicycle"-Fahrrad.
Fahrradkurier vom Branchenprimus DHL. Bildrechte: dpa

Daneben setzen die Paketdienste auf Mikrodepots und emissionsfreie Lastenfahrräder. Dabei werden die Pakete kundennah in kleinen Depots zwischengelagert und mit Radkurieren ganztägig zugestellt.

Voraussetzung für Mikrodepots sind jedoch Flächen, die im öffentlichen Straßenraum dauerhaft bereitgestellt werden müssten. Kommunen sollten daher diese logistischen Fragen in ihre Stadtentwicklung und Verkehrspolitik integrieren.

Ansatz 3: Weniger Haustürzustellung

Außerdem wollen die Logistikunternehmen die Zustellung über die Digitalisierung der sogenannten letzten Meile effizienter machen. Die Empfänger könnten die Zulieferung digital verfolgen. Wenn sie wissen, dass sie zum Zustelltermin nicht daheim seien, könnten sie ihre Sendung umleiten.

Die KEP-Dienstleister werben für optionale Angebote, wie die Wahl eines anderen Zustelltags, die Umleitung in einen Paketshop, an eine andere Adresse oder in eine Paketbox/-station. Auch die Nennung eines Wunschnachbarn oder die Ermächtigung zum Abstellen eines Pakets an einem sicheren Ort sei möglich. So könne die Quote erfolgloser Zustellversuche und damit der Verkehr reduziert werden. Davon würden alle profitieren.

Unfairer Wettbewerb?

Solche Investitionen in effizientere und umweltfreundliche Lösungen müssen nach BIEK-Angaben aber refinanzierbar sein. In dem Zusammenhang kritisieren DPD, Hermes, UPS und Co. Privilegien für den Konkurrenten Deutsche Post und dessen Paketdienst DHL. So habe das Bundeswirtschaftsministerium in ein Verwaltungsverfahren der Bundesnetzagentur zum Briefporto eingegriffen. Per Verordnung solle das Porto stärker als vorgesehen erhöht werden, um der Deutschen Post höhere Gewinne zu ermöglichen.

Der BIEK kritisiert diese Einwirkung der Regierung als ordnungspolitisch nicht begründbar und sieht einen Verstoß gegen das europäische Postrecht. Der Konkurrent Deutsche Post könne dadurch seine Probleme mit der Paketsparte über das Monopolgeschäft mit Briefen kompensieren. Hinzu kämen weitere Vorteile bei der Mehrwertsteuer sowie Ausnahmen bei Lenk- und Ruhezeiten.

Steigen demnächst beim Online-Shopping die Versandkosten?

Für Aufregung hatten kürzlich Aussagen von Anbietern wie Hermes und DPD gesorgt, dass mittelfristig für die aufwendige Haustürlieferung eine Art Premiumgebühr verlangt werden könnte. Elena Marcus-Engelhardt will das nicht kommentieren. Preisgestaltungen seien unternehmerische Entscheidungen, zu denen der Verband sich aus kartellrechtlichen Gründen nicht äußern könne.

Die Branchensprecherin verwies zugleich darauf, dass mehr Umsatz der Branche nicht mehr Gewinn bedeute. Die Durchschnittserlöse je Paketsendung seien in den letzten Jahren stetig gesunken.

BIEK Der Bundesverband der Firmen für Kurier-, Express- und Paketdienstleistungen (KEP) vertritt Anbieter wie DPD, Hermes, UPS, GLS und GO!

Diese Unternehmen beförderten im Jahr 2017 insgesamt 3,35 Milliarden Kurier-, Express- und Paketsendungen - 6,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Gesamtumsatz im KEP-Markt stieg im Jahr 2017 um 4,9 Prozent auf mehr als 19,4 Milliarden Euro. Bei den Firmen arbeiteten rund 230.000 Menschen - 10.000 Beschäftigte mehr als im Vorjahr.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Fernsehen | 06. März 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2019, 13:19 Uhr

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13 Kommentare

14.03.2019 12:43 Kritischer Bürger 13

@Eulenspiegel 11: +...Nachzudenken und auszuprobieren wie man ein Problem auf eine völlig andere Weise lösen kann....+
Nachdenken kann man und ausprobieren auch nur wenn schon wie im Artikel oben angeführt wird...
+...Voraussetzung für Mikrodepots sind jedoch Flächen, die im öffentlichen Straßenraum dauerhaft bereitgestellt werden müssten. Kommunen sollten daher diese logistischen Fragen in ihre Stadtentwicklung und Verkehrspolitik integrieren...+
.... heißt das doch nur Platz schaffen wo es schon heute für Autos kaum noch einen Parkplatz gibt der nicht belegt ist oder Land ohne das es dazu einen Eigentümer gibt. Kann man also solche Mikrodepos nur am Rande einer Stadt oder eines Dorfes platzieren wobei dann aber auch entsprechende Eigentumsverhältnisse mit zu berücksichtigen sind. Nirgendwo gibt es Land oder Grund der frei von jeglichem Eigentumsrecht ist. Gerade hier in der Umgebung wurden erst zahlreiche Postgebäude dicht gemacht, die wirklich ein solches Depo beinhalten könnten.

14.03.2019 08:22 Jakob 12

Der Begriff "Zustelltermin" ist ja dehnbar. UPS beispielsweise kündigt die Zustellung für "morgen im Laufe des Tages" an bei uns und kommt jeden Tag zu einer anderen Zeit. Wie könnte sich der Kunde darauf einstellen? Und bei der Zustelloption kundennahes Depot liegt ein auswählbares Depot zwar sehr nah, man muss aber zwingend ein zweites Ersatzdepot wählen, falls das erste mal voll sein sollte und dieses liegt dann in Entfernungen mit halbstündiger Fahrzeit (einfach). So etwas ist inakzeptabel und führt dazu, dass ich versuche nichts zu bestellen, was erkennbar von einem solchen Lieferdienst zugestellt werden soll bzw. geht dann auch mal was zurück. Fazit: Die Branche soll erst mal an ihrer Organisation feilen, bevor sie nach Strafzustellungsgebühren kräht. Die gigantische Beschwerderate bei den Beschwerdestellen spricht hier Bände.

13.03.2019 20:44 Eulenspiegel 11

Hallo Kritischer Bürger 9
Ich denke das ist genau das was sie nicht können. Nämlichen in alternativen denken. Nachzudenken und auszuprobieren wie man ein Problem auf eine völlig andere Weise lösen kann. Und dann kommt natürlich so ein Blödsinn heraus wie bei ihnen. Man muss sich natürlich genau ansehen was optimaler ist. Was glauben sie was hat die New Yorker Polizei dazu gebracht mitten im Grußstadtschongel berittene Polizisten einzusetzen? Die haben sich einfach Gedanken darüber gemacht wie sie am besten flüchtende Verbrecher verfolgen können. Und sie sind dann einfach auf das Pferd gekommen.

13.03.2019 20:35 NRW-18 10

Das Umleiten der Pakete funktioniert bei einem gelben Anbieter bereits ausgezeichnet. Die Meldung mit den Lastenrädern hätte ich jedoch eher am 1. April erwartet. Für nich bedeutet das zurück in die Steinzeit und außerdem behindern diese Dinger nur den Verkehr.
Weiterhin frage ich mich, wann die Pakete wieder mit Pferd und Wagen zu den Verteilzentren transportiert werden.

13.03.2019 18:52 Kritischer Bürger 9

@Eulenspiegel 8: +... Mit so einem E Fahrrad kommt man dann in der Regel direkt bis zum Hauseingang...+
... und behindert ggf. dann die Fußgänger, wenn man als Fahrer eines solchen E-Dreirades oder mit sperrigen Vorbau zum Fahrrad lange Strecken auf Fußwegen zu absolvieren hat. Bis vor eine Haustür zu kommen heißt nicht automatisch das man von einer Zubringerstrasse oder sonstigen Strasse direkt zwischen geparkten Autos hindurch kommt um seine Lieferung abgeben zu können. Mag es in ggf. einigen Orten möglich sein doch landesweit kann man eine solche Erwartung nicht immer erfüllen. Gerade wie oben angeführt müssen Paketzusteller oft in Städten in der zweiten Reihe parken um ihre Lieferung abgeben zu können. Ob nun mit Eselkarren oder E-Rad an der Sachlage der Parkplatzprobleme ändert sich nichts und das hat maßgeblich zu sein. Auch freizuhaltende Anlieferzonen sind kein Allheilmittel wenn dadurch Parkflächen verloren gehen.

13.03.2019 18:16 Eulenspiegel 8

Also ich finde die Idee eines Lasten Esels gar nicht so schlecht wenn man bedenkt das es bei der New Yorker Polizei schon seit Jahrzehnten eine berittene Streife gibt. Nein aber man muss sich das genau ansehen was optimaler ist. Die traditionellen Paketfahrzeuge haben sicher ihre Vorteile. Sie haben aber ein großen Nachteil. Man kommt mit ihnen aber gar nicht nahe genug an die Häuser heran. Straßen und Parkplätze sind zugeparkt oder zwischen Straße und Hauseingang befindet sich noch eine Wiese. So entsteht unnötige Lauferei. Und das noch mit Gepäck. Mit so einem E Fahrrad kommt man dann in der Regel direkt bis zum Hauseingang. Beispielsweise konnte ich das schon des öfteren bei der Postzustellung sehen wie optimal so ein E Dreirad sein kann.

13.03.2019 16:43 optinator 7

Wird dann den Mitarbeitern zum Monatsende der Betrag fürs Fitness-Studio vom Lohn abgezogen?

Das sparen sie sich ja dann.

13.03.2019 15:05 Kritischer Bürger 6

Sarkasmus an: ESELSKARREN??? = Woher und wie sollen den Esel entsprechend eine Ausbildung bekommen. Kutschen sind dann wohl Hindernisse im öffentlichen Straßenverkehr, wo Radfahrer schon ein Dorn in vielen Kfz-Fahrer-Augen sind. Hier könnte doch jeder schon erkennen wie doch entsprechende Vorstellungen aussehen. ia ia, wir sind ja bald da! Sarkasmus aus!
Nein eine solche Vorstellung bei schönem Wetter durchaus nachvollziehbar nur wie schon im Kom.2 angeführt: was wird im Herbst: Regen, Sturm, Matsch usw. im Winter: Schnee, Glätte usw. Wer soll hier als Fahrer solcher Lastenräder agieren bei so viel Interesse an Arbeit und der ungeklärten Antwort auf die Frage: Dumpinglöhne oder Zustellung mit Zusatz-Kosten für Kunden. Kunden erwarten dann auch für ihr Geld etwas mehr als das was immer geboten werden kann. Man will doch als Unternehmen nicht zu viel Einnahmen haben, wenn andere ("Kollegen") immer billiger sein wollen um Kunden zu halten, ggf. Neukunden zu bekommen etc.

13.03.2019 14:52 Kritischer Bürger 5

Ach die ja soooo tolle Wettbewerbswirtschaft!!! Post & DHL vs. anderer Zusteller. Mache man doch eines: Alles zusammenlegen = keine gegenseitigen Vorwürfe wegen Wettbewerbs.- oder sonstigen Vorzüge einzelner Zusteller, gemeinsames Handeln und gemeinsame Einnahmen! Alle Teilnehmer können sich dann die möglichen Gewinne teilen und somit bedarf es nicht die Nörgelei, wie oben im Artikel aus Worten zu entnehmen ist. +...Privilegien für den Konkurrenten ...+
Alle Teilnehmer, Logistikunternehmen usw. wollen doch hoffentlich nur eines: Kunden ihre Sendungen entsprechend pünktlich, unversehrt und schnell zukommen zu lassen! Dann bedarf es auch keiner Nachfrage wie angeführt: +...Auf die Kritik an Dumpinglöhnen in der Branche will Elena Marcus-Engelhardt nicht eingehen....+
Denn das Gesamtergebnis hat zu zählen nichts anderes zum Wohle der ArbN, wie der Kunden.

13.03.2019 14:46 Franz 4

Unere Zukunft nach dem Verbot der individuellen Mobilität: statt 1.000 Lkw dann 50.000 Lastenfahrräder, Fahrer für 1 Euro die Stunde und 18h täglich wie anno 1850. Dann fällt man abends ins Bett seiner 10m²-Hinterhof-Wohnung und hat weder Zeit noch Kraft darüber nachzudenken, wie man dagegen Widerstand leisten kann, das man von seiner Regierung über den Tisch gezogen wird.