Eine Frau nimmt an ihrer Haustür Pakete von einem Paketzusteller entgegen
Wer nicht möchte, dass seine Nachbarn Pakete annehmen, kann beispielsweise eine Packstation nutzen oder sich das Paket ins Auto liefern lassen. Bildrechte: IMAGO

Logistik Paketdienste suchen neue Wege der Zustellung

Das vergangene Weihnachten wird vielen Paketzustellern in Erinnerung bleiben: Noch nie mussten sie so viel ausliefern wie im Dezember 2017. Tausende Sendungen kamen zu spät, weil das Personal überlastet war. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Denn die Deutschen bestellen immer mehr im Internet. Die Zustellfirmen suchen deshalb fieberhaft nach neuen Wegen, Pakete auszuliefern.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Eine Frau nimmt an ihrer Haustür Pakete von einem Paketzusteller entgegen
Wer nicht möchte, dass seine Nachbarn Pakete annehmen, kann beispielsweise eine Packstation nutzen oder sich das Paket ins Auto liefern lassen. Bildrechte: IMAGO

Wieder keiner zu Hause. Nächster Zustellversuch: morgen, vielleicht. So geht das in Deutschland hunderttausendfach, jeden Tag. Zusteller stehen im Stau, blockieren Radwege – um am Ende viele Pakete wieder mitzunehmen.

Paketlieferung nach Hause nicht in allen Ländern üblich

Beim Hermes-Versand ist man überzeugt: Es muss sich etwas ändern, sagt Pressesprecher Ingo Bertram. "Wir müssen erkennen, dass in den jetzigen Mengen eine Haustürzustellung zumindest anzudiskutieren ist. Wir haben da in Deutschland ehrlich gesagt auch ein Stück weit einen gelernten Komfort, dass halt jedes Paket einfach immer an die Tür kommt." Das sei in vielen Ländern nicht so. In Schweden oder Frankreich, sei eine Paketshop-Zustellung beispielsweise Standardlieferung.

In Deutschland baut Hermes sein Netz an Paketshops nun massiv aus. Es sind bereits 15.000 Shops, in zwei Jahren sollen es 20.000 sein.

Liefery informiert über Zustellung per SMS

Wer sein Paket garantiert nach Hause geliefert haben will, kann es sich schon jetzt am Abend bringen lassen. Möglich macht das Liefery, eine junge Logistik-Firma, die Jan Onnenberg mit zwei Partnern gegründet hat. Seit 2017 gehört die Firma zu Hermes. Liefery informiere recht frühzeitig zwischen 17 und 18 Uhr, in welchem einstündigen Zeitfenster die Sendung zugestellt werde, so Onnenberg. Eine weitere SMS käme rund 45 Minuten vor der Ankunft. So schaffe es Liefery mit einer sehr hohen Genauigkeit auch, diesen Zeitpunkt zu treffen.

DHL bewirbt Packstationen und testet Lieferung in private Autos

Auch DHL bietet gegen Aufpreis die Lieferung in Zeitfenstern an. Deutschlands größter Zusteller bewirbt zudem massiv seine Packstationen, um das Personal zu entlasten. Denn stundenlang mit Paketen Treppe rauf, Treppe runter – dafür findet man kaum noch Leute.

Außerdem testet DHL die Zustellung in den Kofferraum, sagt Sprecher Mattias Persson: Der Kunde müsse zunächst sein Auto bei der Bestellung als Empfangsstation angeben. Der Zusteller habe dann dementsprechend auf seinem Gerät das Kennzeichen und die Position des Autos und könne dann mit einem Code einmalig den Kofferraum öffnen. Der Zusteller lege das Paket ab und damit sei das Paket dann zugestellt. Möglich ist das derzeit in Berlin und Stuttgart bei bestimmten Automodellen.

Roboter und Drohnen könnten Zusteller entlasten

Außerdem tüftelt DHL an Lastenfahrrädern, die Lieferautos ersetzen können. Und man macht sich Gedanken über Paket-Roboter: "Ein Roboter so groß wie ein mittelgroßer Kühlschrank fährt dem Zusteller hinterher. Sprich: Der Zusteller muss sich nicht mehr bücken, dieser Roboter kann auch 150 Kilogramm an Post befördern." Das hieße: Der Zusteller müsse nicht immer wieder seinen Wagen neu befüllen, sondern mache das einmalig. Das sei eine gute Erleichterung.

Dass Roboter den Zusteller komplett ersetzen, ist für DHL noch kein Thema. Und auch die Drohne, die eine Paket durch die Luft transportiert, ist bislang nicht mehr als ein netter Gag für schwer erreichbare Adressen im Gebirge. Für das Massengeschäft, da sind sich die Paketdienstleister einig, taugt die Drohne noch nicht.

Deswegen bleiben für die Zukunft wohl zwei Optionen: Der Kunde muss sein Paket häufiger abholen oder er zahlt für die garantierte Lieferung frei Haus extra.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. März 2018 | 06:53 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2018, 11:37 Uhr

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4 Kommentare

07.03.2018 16:14 Fragender Rentner 4

Wie wäre es wenn die Besteller selber die Pakete bei der Post usw. abholen, dann würde bestimmt nicht so eine Paketflut entstehen und man nicht des öffteren beliefert werden muß, weil man halt eben nicht zu Hauese ist. :-)

In wieviel Fällen werden die Pakete wieder zurück geschickt, weil irgend etwas einem nicht gefällt? :-(

Das Zurücksenden müßte Geld kosten, dann würden sich viele überlegen, dass mit der Bestellung!

Denkt mal an die Umwelt.

07.03.2018 14:01 Manistbestandteildesmediensystems (Haseloff) 3

@07.03.2018 09:06 Tmp (Vielleicht könnte es sein dass man reichlich Leute fände wenn die Arbeitsbedingungen stimmten. Billiglohnland Deutschland.)

Selbst dann würde der Paketversand den Kunden ordentlich (und zu recht) Geld kosten - davor haben alle Profiteure der Lage eine Heidenangst. Schon ein 50-Cent-Aufschlag für die Türzustellung bereitet dem SUV-fahrenden deutschen Kleinbürger schlaflose Nächte.

07.03.2018 13:45 Maria.A.Viktoria 2

es ist schon schlimm,daß so viele Menschen zu bequem geworden sind um vor Ort einzukaufen! Das Internet unterstützt die Faulheit,schön bequem auf dem Sofa alles bestellen! Ich gehöre nicht dazu,gehe lieber in Geschäfte und sehe mir die Sachen an,so habe ich kein Umtauschstress=sinnloses hin und herschicken.
ich kann noch verstehen,wenn man auf dem Land lebt,und es keine Geschäfte gibt.Aber selbst in Großstädten,wie bei mir,bestellen die Nachbarn im Internet,weil es angeblich "billiger" ist..

07.03.2018 09:06 Tmp 1

"Auch DHL bietet gegen Aufpreis die Lieferung in Zeitfenstern an. Deutschlands größter Zusteller bewirbt zudem massiv seine Packstationen, um das Personal zu entlasten. Denn stundenlang mit Paketen Treppe rauf, Treppe runter – dafür findet man kaum noch Leute." Vielleicht könnte es sein dass man reichlich Leute fände wenn die Arbeitsbedingungen stimmten. Billiglohnland Deutschland.