Paketzusteller
In der Paketzusteller-Branche sinken die Löhne. Bildrechte: imago/Sven Simon

Dumpinglöhne Verdienste von Paketzustellern sinken

Die Branche boomt, doch die Verdienste sinken: Paketzusteller in Deutschland verdienen 13 Prozent weniger als vor zehn Jahren, teilt die Bundesregierung mit. Arm dran seien vor allem Beschäftigte ohne Tarifbindung.

Paketzusteller
In der Paketzusteller-Branche sinken die Löhne. Bildrechte: imago/Sven Simon

Der durchschnittliche Verdienst von Paketzustellern ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, die MDR AKTUELL vorliegt. Demnach sank von 2007 bis 2017 das mittlere Bruttoeinkommen in der Paketbranche von 2.859 auf 2.478 Euro. Das entspreche einem Lohnverlust von 13 Prozent.

Verantwortlich dafür ist der Antwort zufolge der besonders hohe Anteil an Minijobbern in der Zusteller-Branche. Demnach waren im Juni 2018 rund 29 Prozent aller Paketzusteller ausschließlich geringfügig beschäftigt. Zum Vergleich: In der Gesamtwirtschaft beträgt der Anteil 13 Prozent.

Auffallend ist, dass die Entgelte von Beschäftigten in tariflosen Unternehmen zurückgingen, während sie in tarifgebunden Firmen stiegen. So verdienten Paketzusteller ohne Tarifbindung im Durchschnitt 662 Euro weniger als Kollegen in tarifgebundenen Firmen, heißt es in der Antwort. Zehn Jahre zuvor ging diese Lohnschere noch halb so weit auseinander.

Verdi: Schuld sind Subunternehmen

Die Linke fordert stärkere Kontrollen bei Paketzustellern. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Pascal Meiser sagte der "Rheinischen Post", die Realität sehe tatsächlich noch düsterer aus, da in der Statistik ausländische Subunternehmer nicht mit erfasst seien. "Die Bundesregierung muss dringend gegen die Schmutzkonkurrenz vorgehen, die die Löhne in dieser Branche immer mehr unter Druck setzt", sagte Meiser. Er sprach sich unter anderem für verstärkte Kontrollen aus.

Die Gewerkschaft Verdi bemängelt diesen Zustand seit Jahren. Nach ihren Angaben arbeiten nur zwei der fünf großen Paketdienste in Deutschland überwiegend mit eigenen, fest angestellten Zustellern, die sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze haben und nach Tarif bezahlt werden. Ansonsten würden fast ausschließlich Subunternehmen beauftragt. Dort seien die Arbeitsbedingungen oft prekär.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. April 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. April 2019, 10:05 Uhr

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15 Kommentare

10.04.2019 10:21 MuellerF 15

@13: Sicher ginge da noch ne Schippe mehr.
Aber wie gesagt, in letzter Zeit lese ich ständig Artikel über bundesweite Razzien des Zolls zur Bekämpfung von Schwarzarbeit & Lohndumping. Das war vorher jahrelang nicht der Fall.

09.04.2019 16:58 Carolus Nappus 14

@Mueller F: Doch doch in einer Marktwirtschaft hat der Kunde Einfluß auf die Preise. Beim Versandhandel ist die Preislenkungsfunktion des Marktes nur eben ein bißchen verkrüppelt. Da der Besteller nicht für sämtliche Kosten aufkommen muss, die für den Versand , entscheidet er sich eben anders als wenn er dies tun müsste.
Die Versandhändler konnten da die letzten Jahre, u.a. auch dank fehlendem Kontrolldruck die Preise drücken, die Paketbranche hat das an ihre Angestellten oder Subunternehmer weitergereicht. Würde der Staat da hinterher sein, wäre das nicht so einfach möglich. Die Versender können so einen Teil der Kosten auf die Allgemeinheit abwälzen. Denn der kaputtgespielte scheinselbstständige Subsubunternehmer liegt in ein paar Jahren den Sozialkassen und/oder Steuerzahler auf der Tasche. Für die Kosten eines Staus, weil da mal wieder einer gepennt hat, kommt auch nicht der Verursacher auf.

09.04.2019 11:06 Ekkehard Kohfeld 13

@ MuellerF 11 Wobei der Zoll da ja in letzter Zeit Medienberichten zufolge sehr aktiv ist.##

Nur wie überall im Öffentlichen Dienst fehlt das Personal.

09.04.2019 10:52 Heinz 12

Lieber MDR, das ist ganz schlechter Journalismus. Ist dem Autor des Stücks der Unterschied von Median- und Durchschnittslohn bekannt? Ihr schreibt: "Der durchschnittliche Verdienst von Paketzustellern ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken". Das ist nicht richtig. Die Durchschnittslöhne in der Branche sind durchaus gestiegen. Einzig das Mittlere Einkommen, der sogenannte Median ist gesunken. Das wird dem geneigten Leser aber leider nicht mitgeteilt. Selbst die Linke erläutert ihre eigene Anfrage sachlicher als der MDR und verlinkt wenigstens auf die Antwort der Bundesregierung. Die Zustände in der Paketbranche sind ohne Frage schlimm, doch hier werden sie falsch dargestellt. Absicht oder Unwissenheit?

[Vielen Dank für den Hinweis. Die zuständigen Kollegen sind informiert. Herzliche Grüße aus der MDR.de Redaktion]

08.04.2019 17:32 MuellerF 11

@10: >> Der Rest bestellt weiter fleißig im Internet und freut sich über die günstigen Preise.<<

Die Kunden haben keinen großen Einfluss auf die Produktpreise, noch viel weniger aber auf die Versandkosten. Im Gegensatz zum Briefversand BOOMT der Paketversand seit Jahren, Tendenz steigend. Da könnte die Branche ja auch ordentlich zahlen. Aber es stimmt, die Gesetzeslücken für Lohndumping gehören geschlossen & dann kontrolliert. Wobei der Zoll da ja in letzter Zeit Medienberichten zufolge sehr aktiv ist.

08.04.2019 16:24 Carolus Nappus 10

Unsere Volksvertreter schauen weg, weil damit keine Wahlen zu gewinnen sind. Interessiert schlicht niemanden. Außer den Zustellern natürlich. Der Rest bestellt weiter fleißig im Internet und freut sich über die günstigen Preise.
Die Regierung müsste hier freilich für faire Wettbewerbsbedingungen sorgen. Alle Paketzusteller wieder zu verbeamten hätte dabei natürlich nichts mit Wettbewerb zu tun. In einer sozialen Marktwirtschaft würde es völlig reichen, wenn der Staat da kontrolliert, was Arbeitszeiten und Entlohnung angeht. Aber bei Kontrolle und Durchsetzung geltenden Rechts haben wir ja seit Jahren ein erhebliches, ja wie sagt man es möglichst blumig, Optimierungspotenzial.
Und wenn dann fairer Wettbewerb bedeutet, dass der Versand teurer wird, fahren vielleicht auch mal wieder weniger LKW über die Autobahn und Zustellfahrzeuge durch die Stadt. Weniger Verkehr, weniger Lärm, weniger Abgase, Feinstaub ganz ohne irgendwelche Verbote. Kann eigentlich kaum wer etwas dagegen haben.

08.04.2019 15:28 Kopfschütteln 9

Wenn alle darum wissen, kann ich nicht verstehen, dass unsere "Volksvertreter" wegschauen und sich abducken. Was ein Paketzusteller im Jahr verdient, bekommt ein gewählter Volksvertreter locker im Monat, zuzüglich Aufwandsentschädigungen etc.
Schämen die sich eigentlich nicht?
Womöglich bestellen sie selbst sogar noch das Klopapier via Internet und lassen es von Paketboten zustellen.

08.04.2019 14:57 Ekkehard Kohfeld 8

@ Frank 4 Immer wird gemeckert, wer zwingt die Zusteller ausgerechnet diesen Job zu machen???
##
Das erzählen sie bei Arbeitssuche mal den Jobcenter da sind sie dann gleich ihr H4 los.
##
Sie machen es freiwillig und weil sie es freiwillig machen ist das auch OK so, wem es zu wenig Geld ist der sucht sich einen anderen Job.##Was verstehen sie unter Freiwillig,wenn das Jobcenter droht die Bezüge kürzen oder zu streichen?
Ja sicherlich so mal eben aus dem Handgelenk viele sich da über das Jobcenter hin gekommen weil keine Facharbeiter und weil die nicht dazu in der Lage waren (Geistig) etwas besseres zu lernen werden sie also noch bestraft,ist das in unserm ach so reiche Deutschland wirklich der richtige Weg?
Und auch solche Arbeitnehmer werden benötigt aber muß man sie deshalb noch bestrafen,wer solche Aussagen trifft den kann ich nur zu tiefst verachten,pfui.

08.04.2019 14:46 MuellerF 7

Wieder mal zeigt sich der Widersinn des Subunternehmer-Unwesens: Natürlich ist deren Einsatz aus Gründen der Flexibilität für die Auftraggeber-Firmen sinnvoll. Aber die erbrachten Arbeitsleistungen müssten als Preis für diese Flexibilität eigentlich genausoviel kosten wie die von festangestellten Arbeitskräften, bzw. sogar MEHR! Nur so kann das Schindluder des Outsourcings beendet werden!

08.04.2019 14:37 Ichich 6

In den Kommentaren scheint einiges falsch verstanden worden zu sein. Als "Paketzusteller" arbeitet man nicht, wenn man eigentlich einen Job als Chemiker oder Industriemechaniker ausführen könnte (Fachkräftemangel). Man hatte mit a) der Zuwanderung von Niedrigqualifizierten und b) der Weigerung der staatl. Verwaltungen und Behörden sich an der Beschäftigung dieser Leute zu beteiligen, einen "Überhang" geschaffen, der nur zu Lasten der Jobs für Geringqualifiizierte in den Arbeitsmarkt "integriert" werden konnte. Was soll das mit "Kapitalismus" zu tun haben ? Die sozialist. DDR hat ihre Vertragsarbeiter nach Ablauf der Verträge nicht weiterbeschäftigt ... ergo kein Druck auf dem Arbeitsmarkt. Zuwanderer sind NICHT schuld; die Hartz-Gesetze waren die Konsequenz ihrer Zuwanderung und des Wunsches des juste milieu, sie den sozial Schwachen und Geringqualifizierten als Konkurrenz aufzuhalsen.