Tabletten und Beipackzettel
Pharma-Unternehmen fordern mehr Geld für die Antibiotika-Forschung. Bildrechte: IMAGO

Antibiotika Pharmabranche fordert Anreize für Forschung

Medienberichten zufolge ziehen sich die großen Pharmafirmen aus der Antibiotika-Forschung zurück. Dem könnte die Politik entgegenwirken, fordert jetzt der Verband forschender Pharmafirmen.

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Pharma-Unternehmen fordern mehr Geld für die Antibiotika-Forschung. Bildrechte: IMAGO

Pharmafirmen haben bei der Antibiotika-Forschung Unterstützung von der Politik gefordert. Ein Sprecher vom Verband forschender Pharmaunternehmen sagte MDR AKTUELL, die Erforschung eines neuen Antibiotikums rechne sich derzeit nicht. Florian Kloß vom Leibniz-Institut für Infektionsbiologie meint, das Thema sei nicht überraschend. Es habe sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet. Die Politik habe versucht, Anreize zu schaffen, habe damit aber bislang wenig Erfolg gehabt.

"Hauptproblem ist, dass selbst, wenn man den großen Unternehmen eine Milliarde in Aussicht stellt, bleibt für sie das finanzielle Risiko", erklärt Kloß, "es ist nicht kalkulierbar, wie viel man am Ende mit einem neuen Antibiotikum verdient. Wir haben es mit einem hoch regulierten Markt zu tun."

Für das meiste ist ein Mittel da

Mit den aktuell verfügbaren Mitteln könnten 90 Prozent der Patienten behandelt werden. Neue Antibiotika würden trotzdem immer benötigt, da sich immer wieder multiresistente Keime entwickeln, die auf die alten Antibiotika nicht ansprechen. Florian Kloß prognistiziert: "Der volkswirtschaftliche Schaden durch die Auswirkungen von multiresistenten Keimen wird in den nächsten Jahrzehnten größer ausfallen als die Kosten für die Forschung von Antibiotika."

Neue Antibiotika hätten aber dennoch nur wenige Anwendungen zu erwarten und damit kaum Möglichkeiten, die Entwicklungskosten zurück zu verdienen. Die Politik sollte hier Anreize setzen, zum Beispiel mit einer garantierten Abnahmemenge.

Florian Kloß schlägt außerdem vor, ein gestaffeltes Belohnungssystem einzuführen, sodass "der nächste Reifegrad einer Technologie bereits belohnt wird, um so die Durststrecke bis zur Zulassung eines Medikaments zu überwinden." Außerdem wäre eine Variante, die Einnahmen von Pharmaunternehmen zu besteuern und diese Gelder in einem Fond zu bündeln, mit dem die Forschung an Antibiotika finanziert werde. Eine andere Variante wäre nach Ansicht von Kloß die öffentlich-finanzierte Arzneimittelforschung.

Große Unternehmen ziehen sich aus Antibiotika-Forschung zurück

Viele Pharma-Unternehmen haben wegen zu hoher Kosten die Antibiotika-Forschung eingestellt. Darunter sind Branchenriesen wie Johnson & Johnson, Novartis und Sanofi wie der NDR berichtet hatte. Der Internationale Pharmaverband hatte erst 2016 eine Allianz zum Kampf gegen die Antibiotikaresistenzen gegründet. Etwa hundert Unternehmen hatten darin zugesagt, mehr in dem Bereich zu forschen. Allerdings ist laut NDR fast die Hälfte dieser Unternehmen nicht mehr in der Antibiotika-Forschung aktiv.

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Welche Pharmafirmen seit 2016 ihr Engagement zurückgefahren haben

MDR AKTUELL Fr 13.09.2019 08:48Uhr 00:42 min

https://www.mdr.de/nachrichten/audio/audio-1164838.html

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Pharma-Industrie-Verband fordert gezielte Anreize von der Politik

MDR AKTUELL Fr 13.09.2019 08:05Uhr 00:57 min

https://www.mdr.de/nachrichten/audio/audio-1164782.html

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. September 2019 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2019, 08:28 Uhr

11 Kommentare

bezzi67 vor 5 Tagen

Wie wäre es , wenn wir allen Börsennotierten Unternehmen ( weltweit) die alternative lassen .... entweder sie forschen mit 10% ihres gewinns oder sie zahlen 20% ihres gewinns in eine Forschungsgemeinschafft , die zentral ( wie das Cern) , an der Antibiotika Forschung arbeitet !! ... dann sind alle gleich betroffen, die Wettbewerbsgleiheit wäre gegeben .... die Politik muss nur die Vorgaben machen, jetzt !! (Natürlich muss der Einsatz bei Massentierhaltung und auch jede Verordnung beim Patienten strenger überwacht und präziser werden ! )

wo geht es hin vor 6 Tagen

Die Pharmaindustrie auch noch "belohen" oder "Anreize setzen"? Man sollte lieber die Universitäten mit dem Geld ausstatten, dass die vernünftig forschen können.

Gerd Mueller vor 6 Tagen

Vor allem sollte der massive Einsatz an Tieren verboten werden. Wir nehmen soviel Medikamente durch die Fleischproduzenten auf, das im Notfall keine Medizin mehr helfen kann.
Klar müssen staatliche Fördergelder sinnvoll eingesetzt werden - der Staat ist verpflichtet für das Wohl seiner Bürger zu sorgen.

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