Verdi Tarifverhandlungen bei der Post von Warnstreiks begleitet

Briefe und Pakete dürften in den nächsten Tagen mit Verspätung ankommen. Denn die Beschäftigten bei der Post haben bundesweit neue Warnstreiks angekündigt. Auch am Wochenende legten sie in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Arbeit nieder. Nun beginnen die Tarifverhandlungen.

Mehrere Angestellte der Post stehen vor einem Streiklokal.
Am Wochenende haben Post-Mitarbeiter in Erfurt die Arbeit niedergelegt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Warnstreik in Erfurt: Die Post-Beschäftigten haben hier für einige Stunden die Arbeit niedergelegt. Viele Briefe und Pakete wurden nicht zugestellt. Normen Schulze, der bei der Gewerkschaft Verdi für den Landesbezirk Mitteldeutschland zuständig ist, zeigte sich zufrieden. "Wir hatten das Ziel, in Erfurt 300 streikende Kolleginnen und Kollegen in das Streiklokal zu bekommen." Am Ende seien es 419 Streikende gewesen.

Das hat deutlich gezeigt, dass die Kollegen bereit sind, für ihre Ziele zu kämpfen.

Verdi-Gewerkschaftssekretär Normen Schulze

Alle Bundesländer seien von den Arbeitsniederlegungen betroffen, teilte Verdi mit. Auch in Gräfenhainichen, Sangerhausen und Wittenberg gingen am Wochenende mehrere hundert Post-Zusteller, Kfz-Fahrer und Techniker in den Warnstreik. In Sachsen haben am Freitag rund 300 Mitarbeiter der Post die Arbeit niedergelegt.

Wegen der Corona-Maßnahmen sei das nicht immer einfach gewesen, sagt Schulze: "Wir versuchen dort, wo wir Platz haben, Streiklokale anzubieten, wo man sich den ganzen Tag aufhalten, Streikreden halten und Gäste einladen kann. Das ist zu Corona-Zeiten schwierig, klappt aber in Großstädten wie Magdeburg, Erfurt, Leipzig und Dresden."

Verdi will mehr Gehalt für Angestellte und Azubis

Die Gewerkschaft Verdi fordert 5,5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem sollen Auszubildende mehr Geld kriegen. Die Arbeitgeberseite habe bislang lediglich durchblicken lassen, dass sie zu 1,5 Prozent mehr Gehalt bereit sei, sagt Normen Schulze. Ein klares Angebot sei das aber nicht gewesen.

Klarer wird die Deutsche Post AG auf Anfrage von MDR AKTUELL nicht. Sie nennt keine Zahlen. Das Unternehmen teilte schriftlich mit, man befinde sich momentan in einer sehr unsicheren wirtschaftlichen Lage. Das müsse in den Verhandlungen berücksichtigt werden. "Dabei wäre für uns auch eine überproportionale Steigerung der unteren Lohngruppen sowie die Ausweitung der Entlastungszeit für die Beschäftigten vorstellbar. Wir setzen deshalb auf konstruktive und lösungsorientierte Gespräche."

Unbefristete Streiks möglich

Bei der Post arbeiten bundesweit rund 140.000 Tarifbeschäftigte. Norman Schulze von Verdi sieht Chancen für einen positiven Ausgang der Tarifverhandlungen: "Es ist die Hoffnung da, dass die Arbeitgeberseite ein Angebot vorlegt, was verhandlungsfähig ist." Doch sollte die Post bei den Tarifverhandlungen mauern, würden die Streiks ausweitet.

Wenn es kein Angebot geben wird oder ein Angebot, was nicht verhandlungsfähig ist, dann machen wir uns Gedanken über das Thema Urabstimmung und dann geht es durchaus in einen unbefristeten Arbeitskampf.

Verdi-Gewerkschaftssekretär Normen Schulze

Gerade in der Corona-Krise könne sich die Deutsche Post Lohnerhöhungen nicht verweigern, betont Norman Schulze. Das Unternehmen habe zuletzt gute Geschäftszahlen gemeldet. Es sei eine ganz klare Krisen-Gewinnerin.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. September 2020 | 08:05 Uhr