Schienenverkehr 106 Kilometer Bahnstrecke reaktiviert - Vorteile für kleine Gemeinden

Die Gleise lagen da, nur fuhren keine Züge mehr. 106 Kilometer alter Bahnstrecken sind im vergangenen Jahr wieder ans Schienennetz angeschlossen worden. Vor allem kleine Orte und Gemeinden profitieren davon. Interessensverbände haben weitere Strecken von insgesamt mehr als 4.000 Kilometern Länge ausgemacht, die wieder ans Schienennetz angeschlossen werden könnten.

Ein roter Triebwagen Baureihe VT 641, wegen seiner breit geformten Spitze "Wal" genannt, fährt durch die Landschaft.
Besonders kleinere Orte und Regionen profitieren von reaktivierten Bahnstrecken. Bildrechte: Deutsche Bahn AG/Kai Michael Neuhold

Im vergangenen Jahr sind rund 106 Kilometer alter Bahnstrecken reaktiviert worden. Das teilten der Interessenverband "Allianz pro Schiene" sowie der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) mit. Damit seien vor allem kleinere Städte und Regionen wieder an das Schienennetz angeschlossen worden, hieß es.

Reaktivierung alter Strecken oft günstiger

Die "Allianz pro Schiene" argumentiert, dass die Reaktivierung alter Bahnstrecken oft mit geringerem Aufwand verbunden sei als der komplette Neubau. Auf manchen Strecken sei lediglich der Personenverkehr eingestellt worden, nicht aber der Güterverkehr. In diesen Fällen könne der Personenverkehr meist ohne großen Aufwand wieder aufgenommen werden.

Auf anderen Strecken sei ein Teil der Gleise abgebaut worden. Diese wieder anzuschließen, sei oft dennoch günstiger, da Trassen und Bahndämme oft noch vorhanden seien. Seien die Gleise in einem zeitgemäßen Zustand, seien keine besonderen Maßnahmen nötig, um die Züge wieder fahren zu lassen. Oft müssten Bahnsteige und Gleise aber modernisiert werden, damit die Züge die heutigen Reisegeschwindigkeiten erreichen könnten. Der Interessensverband erklärte, dass oft Leit- und Sicherungstechnik erneuert werden müsse und argumentiert, dass das Gelegenheit biete, die Strecken gegebenenfalls gleich zu elektrifizieren.

Verband: 4.019 Kilometer Strecke könnten wieder ans Netz angeschlossen werden

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und die Allianz pro Schiene haben ihre Vorschläge für die Reaktivierung von stillgelegten Eisenbahnstrecken in Deutschland aktualisiert und erweitert. Die neue Liste schlägt 238 Strecken mit insgesamt 4.016 Kilometern Länge vor. Nach VDV-Angaben könnten damit 291 Städte und Gemeinden und mehr als drei Millionen Menschen an das Schienennetz in Deutschland angebunden werden.

Mit den neuen Vorschlägen sind 55 weitere Strecken auf der Liste (siehe S.20) hinzugekommen, die wieder ans Netz angeschlossen werden könnten. Unter dem Vorschlägen sind unter anderem eine sechs Kilometer lange Lücke zwischen Blankenstein in Thüringen und dem bayerischen Marxgrün, die Strecke zwischen Döbeln und Meißen über Nossen in Sachsen sowie ein Abschnitt zwischen Klostermannsfeld und Wippra in Sachsen-Anhalt.

Nach Angaben der Verbände ist die Nachfrage nach angebotenen Zugverbindungen auf reaktivierten Bahnstrecken groß. Zudem argumentiert die Allianz pro Schiene, dass ein angeschlossener Bahnhof die Attraktivität kleiner Orte für Menschen und Wirtschaft erhöhten. Neben dem Personenverkehr könnten durch reaktivierte Strecken zudem weitere Gewerbegebiete an das Schienennetz angeschlossen werden. Das gäbe Unternehmen die Möglichkeit, ohne großen Aufwand auf die Schiene statt auf Lkw zu setzen. Die Verbände nannten als Gründe für den Ausbau des Schienennetzes den Klimaschutz sowie die Gleichwertigkeit von Lebensverhältnissen.

Deutsche Bahn will keine Strecken mehr stilllegen

Seit der Bahnreform 1994 wurden bundesweit deutlich mehr Bahnstrecken, sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr, stillgelegt als reaktiviert, erklärten die Verbände . Ende vergangenen Jahres teilte die Deutsche Bahn jedoch mit, keine Strecken mehr stilllegen zu wollen.

Das jahrzehntelange Schrumpfen des Schienennetzes ist so gut wie gestoppt. Daran haben auch die Reaktivierungen stillgelegter Strecken einen wichtigen Anteil.

Dirk Flege, "Allianz pro Schiene" Geschäftsführer

Um das Ziel der Bundesregierung zu erreichen, bis 2030 25 Prozent des Güterverkehrs auf die Schiene zu bringen (derzeit sind es 19 Prozent) sowie die Fahrgastzahlen zu verdoppeln, ist neben dem Ausbau des Netzes die Reaktivierung alter Strecken nach Ansicht der Interessenverbände essentiell.

Dieses Thema im Programm: MDR Umschau | 31. März 2020 | 20:15 Uhr

5 Kommentare

Eulenspiegel vor 4 Wochen

Hallo August
Die Frage ist doch in was für einer Republik wollen wir in der Zukunft leben?
In einer die voller verstopfter Autobahnen? In Städten die 100% Autogerecht und 0 % Menschengerecht sind?
Ich denke wenn man das nicht will dann muss man was verändern. Und die Aufgabe von Politik Politik ist es die Zukunft positiv zu gestalten. Schließlich beschreiben sie ja nur den momentanen Istzustand.

August vor 4 Wochen

Zu spät das Auto hatt gewonnen und ein durchgreifendes Umdenken ist nicht zu erwarten die Roten Zahlen sind gewiss nur dem grünen Gewissen ist genügegetan.

Maria A. vor 4 Wochen

Tja, vor 20 Jahren hätte diese Information meine ungetrübte Begeisterung ausgelöst. Doch anhand der Entwicklung in den letzten Jahren schwächt sich dieser Enthusiasmus etwas ab, da man das frühere Sicherheitsgefühl beim frühen, wie späten, Zusteigen an einsamen Haltestellen von Bus und Bahn verloren hat. Sei es nun auch bloß, ein gefühltes. Im Endeffekt bleibt die Unsicherheit...