Durch Verkauf Massiver Stellenabbau bei Supermarktkette Real befürchtet

Ende Januar soll die Supermarktkette Real verkauft werden. Gut 10.000 Mitarbeitern droht dann der Verlust ihres Arbeitsplatzes – durch Marktschließungen und Sortimentsverkleinerungen.

Ein Mann schiebt seinen Einkaufswagen vor einem Real Supermarkt.
"Es wird ein Drama" - befürchtet Real-Gesamtpersonalratschef Klockhaus - 10.000 Jobs stehen auf dem Spiel. Bildrechte: dpa

Der von der Metro geplante Verkauf der Supermarktkette Real könnte bis zu 10.000 Jobs kosten. Davor warnte der Gesamtbetriebsratschef Klockhaus in der "Süddeutschen Zeitung". Derzeit beschäftigt Real etwa 34.000 Mitarbeiter – betroffen wäre also fast jeder dritte derzeitige Mitarbeiter.

Schließungen und Sortimentsverkleinerungen

Die Metro AG plant, alle 277 Real-Märkte in Deutschland Ende Januar an das deutsch-russisches Konsortium "X-Bricks" zu verkaufen. Obwohl Metro-Chef Olaf Koch angekündigt hatte, die Arbeitsplätze bei Real erhalten zu wollen, macht sich Klockhaus wenig Hoffnung. Die Probleme würden beginnen, wenn "X-Bricks" die Märkte an andere Handelsunternehmen weiterverkaufe oder schließe.

Es wird ein Drama für sehr viele Kolleginnen und Kollegen. […] Nach dem Verkauf wird nichts mehr so sein, wie es war.

Werner Klockhaus, Gesamtbetriebsratschef Real "Süddeutsche Zeitung"
Eine Auszubildende zur Einzelhandelskauffrau vor einem Supermarktregal
Bis zu 10.000 Real-Mitarbeiter könnten ihren Job verlieren. Bildrechte: dpa

Klockhaus sagte im Interview mit der Zeitung, bisher gebe es zwar keine offiziellen Zahlen, der Betriebsrat gehe aber von rund 50 Marktschließungen aus. Bei durchschnittlich 120 Mitarbeitern pro Markt seien hier bereits die Arbeitsplätze von 6.000 Mitarbeitern bedroht.

Das zweite Problem sei der Weiterverkauf. Den Großteil der 277 Märkte wolle X-Bricks an Wettbewerber weiterverkaufen, befürchtet Klockhaus. Er befürchtet viele betriebsbedingte Kündigungen, da die meisten Wettbewerber kleinere Produktpaletten hätten. Mitarbeiter aus Elektro-, Sport-, und Haushaltsabteilungen würden dann nicht mehr benötigt. Das könnte laut Klockhaus bis zu 4.000 Beschäftigte betreffen.

Weitere Stellen könnten in anderen Bereichen des Metroverbunds betroffen sein, etwa in der Logistik, Werbung und der IT, die die neuen Betreiber der Märkte dann selbst regeln würden. Zahlen nannte der Gesamtbetriebsratschef hier nicht.

Metro: "Mitarbeiterinteressen zentrales Thema"

Eine Metro-Sprecherin teilte auf Anfrage von MDR AKTUELL mit, die Wahrung der Mitarbeiterinteressen sei für den Metro-Vorstand ein zentrales Thema in den Verkaufsgesprächen. "Wir setzen uns dafür ein, dass mit den Märkten auch die Mitarbeiter von den übernehmenden LEH-Unternehmen weiterbeschäftigt werden", hieß es weiter.

Keine automatische Abfindung bei betriebsbedingten Kündigungen

Der Betriebrat habe, so Klockhaus, ein "Minimum an Regelungen" in einer freiwilligen Gesamtbetriebsvereinbarung abgeschlossen. Damit solle verhindert werden, "dass die Beschäftigten ins Bodenlose fallen". Die Vereinbarung sehe Abfindungen von maximal zwölf bis 14 Brutto-Monatsgehältern vor, jedoch führe nicht jede betriebsbedingte Kündigung zu einem Abfindungsanspruch.

Hierzu teilte Metro mit: Die Gesamtbetriebsvereinbarung sehe vorsorglich für alle Real-Mitarbeiter eine soziale Absicherung vor, "die trotz aller Bemühungen durch betriebsbedingte Kündigung ihren Arbeitsplatz bei einem übernehmenden LEH verlieren." Durch diese freiwillige Vereinbarung werde die Metro ihrer sozialen Verantwortung gerecht.

Beschäftigte von Politik enttäuscht

Klockhaus bemängelte zu wenig Engagement aus der Politik. Es habe viele Gespräche mit Politiker gegeben – sogar mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), die aber nicht weitergeholfen hätten.

Ich glaube, dass die Politik die Situation des Verkaufs von Real komplett unterschätzt hat.

Werner Klockhaus, Gesamtbetriebsratschef Real "Süddeutsche Zeitung"

Zudem kritisierte er, dass sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bisher  nicht zum Verkauf von Real geäußert habe, "obwohl der Verkauf von Real an Mitbewerber erhebliche Auswirkungen auf die zukünftige Marktkonzentration haben wird". Auch die Beschäftigten seien von der Politik enttäuscht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Januar 2020 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2020, 12:39 Uhr

14 Kommentare

frank d vor 1 Wochen

@Ulrich:
Sicher ist es normal das bei immer weiter steigenden Anforderungen an die Unternehmen, immer irreren Vorgaben dann immer mehr Unternehmen aussteigen. Entlassungen in verschiedensten Branchen. Sicher haben die alle Ihren Job nicht gemacht. Gleichzeitig Staatliche Rekordsteuereinnahmen und Alle möglichen staatlichen Rettungsprojekte von Euro über Griechenland Migration Klima Deutschland ist wieder mal in Hybris.
Nun wo die gute alte Tante Realität mal Zeigt wo der Frosch die Locken hat, Da ists auf einmal nicht Recht? Ich denke Konsum ist eh mist?
Das was jetzt kommt nennt sich Rezession und da laufen all die NGO Kinder sowieso weg und die Schönwetterpolitiker werden ins schwitzen kommen mit all ihren Rekordausgaben. Im übrigen bleibe ich wegen Kinderstube beim Sie, Als Landei ist der Onlinehandel alternativlos sie wissen doch in die Städte sollen wir nicht reinfahren damit die Großstädter bessere Luft haben :-)
Sapere Aude

Ullrich vor 1 Wochen

Was für ein d..... Kommentar.
Real hat sein Geschäftsmodell nicht den Gegebenheiten des wachsenden online Handel angepasst. Wer genau liest, findest sogar, welche Abteilungen betroffen sind. Ausnahmslos Abteilungen, in denen in der Regel online bestellt wird.
Und bevor du weiter meckerst - beantworte dir einfach eine Frage:
Welche Sachen kaufst du online?

Stefan Der vor 1 Wochen

Man Leute, liebe Kommenatoren: Wir leben in einer Marktwirtschaft. Das haben wir alle gewollt und das ist auch gut so. Das bedeutet aber auch, dass Unternehmen, welche den Anschluss an die Zeit verpasst haben, keinen Platz mehr am Markt haben. Ob dies Opel, Autozulieferer für Verbrennungsmotoren, Kohleverstromung oder Real ist, der Kapitalismus ist immer noch gnadenlos. Was das mit Politikern zu tun hat, erschliesst sich mir nicht. Diese sind in dieser Gesellschaftordung dafür da, die Rahmenbedingungen festzulegen, in welchen der Markt funktioniert. Die einen sehen Sozialismus, die anderen den Raubtierkapitalismus. Zum Glück haben wir etwas in der Mitte. Und das ist gut so, auch wenn es der Realverkäuferin jetzt erstmal nicht hilft.