Verwischtes Bild von einem Postmitarbeiter mit einem Paket.
Der Onlinehandel ist längst ein Milliardengeschäft. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Online-Handel Wie viele zurückgeschickte Waren landen im Müll?

Mit dem wachsenden Online-Handel steigt auch die Zahl der Waren, die zurück an die Versandhäuser geschickt werden. Die Grünen haben nun gefordert, dass Online-Händler Retouren nicht mehr vernichten dürfen. Aber Verbände und Wissenschaftler meinen: So viel wird gar nicht weggeworfen.

von Lydia Jakobi, MDR AKTUELL

Verwischtes Bild von einem Postmitarbeiter mit einem Paket.
Der Onlinehandel ist längst ein Milliardengeschäft. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Gero Furchheim klingt etwas verschnupft. Dem Online-Handel zu unterstellen, er würde retournierte Waren leichtfertig wegwerfen, verkenne die Realität, erklärt der Präsident des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel, kurz BEVH.

Denn kein Händler habe ein Interesse daran, seine Produkte zu vernichten. Wie viel der Retouren wieder ins Hauptlager kämen, sei sehr unterschiedlich. Es sei aber realistisch, anzunehmen, dass 80 Prozent der Waren aufgearbeitet würden.

Ich weiß, dass viele Unternehmen dort massiv investieren, dass gereinigt, repariert wird, neue Kartonagen besorgt werden. Niemand will Ware wegwerfen, aus ökologischen, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen.

Gero Furchheim, Präsident des BEVH

Studie bestätigt hohe Zahl an Weiterverkäufen

Die Schätzung von Furchheim deckt sich in etwa mit den Zahlen, die die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Uni Bamberg ermittelt hat. Die Wissenschaftler haben dafür knapp 70 Online-Händler in Deutschland befragt.

Das Ergebnis: 92 Prozent der zurückgeschickten Produkte werden für denselben Preis oder vergünstigt weiterverkauft. Gut 2 Prozent werden an industrielle Verwerter gegeben, ein Prozent an gemeinnützige Organisationen gespendet. Entsorgt oder verschrottet werden der Studie zufolge 3,9 Prozent aller Artikel.

Menge der Vernichtungen hängt vom Sortiment ab

Auch das Handelsforschungsinstitut EHI hat untersucht, wie die Händler mit ihren Retouren umgehen. Dessen Sprecherin Ute Holtmann sagt auch, dass es in den unterschiedlichen Sortimenten sehr verschieden sei, wie viel weggeworfen würde.

"Bei Textilien, die ja zu den am häufigsten retournierten Artikeln gehören, liegt die Wiederverwendbarkeit als A-Ware sogar bei 82 Prozent. Dann gibt es natürlich Artikel, die zum Beispiel hygienischen Bestimmungen unterliegen." Als Beispiele nennt Holtmann Matratzen oder Kopfhörer. Diese Waren würde nicht ohne Weiteres wieder in den Verkauf gelangen.

Entsorgung der Retouren hat verschiedene Gründe

Manchmal seien Online-Händler aber auch aus anderen Gründen verpflichtet, Produkte zu entsorgen, ergänzt Gero Furchheim vom BEVH. Zum Beispiel verbieten Verträge mit Markenherstellern oft eine alternative Verwertung zum Verkauf.

Und im Möbelhandel werden Waren häufig als Sets geliefert, die der Kunde zusammenbaut. Forchheim erklärt dazu: "Es ist wirtschaftlich unsinnig, die Möbel auseinanderzubauen, in neue Verpackungen zu stecken und wieder hin und her zu transportieren. Da kann es dann auch mal die Entscheidung geben, hier müssen wir jetzt wegwerfen."

Zusammenfassend heißt das: Im Verhältnis zu allen retournierten Artikeln ist der Anteil derer, die entsorgt werden, recht gering. Und – so ergänzt Furchheim – wer sich eine nachhaltige Warenkette wünsche, dürfe nicht nur auf den Online-Handel schauen. Denn auch im Einzelhandel und in der Produktion werden Waren weggeworfen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Juni 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2019, 05:00 Uhr

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10 Kommentare

12.06.2019 20:35 Mikro 10

@8 Ich habe mit keiner Silbe behauptet,das wir aus dem Lager hätten was mitnehmen können.Warum auch.Wenn Sie den Beitrag verstanden hätten,wäre Ihnen aufgefallen,das ich nur den Umgang und die Abläufe beschrieben habe.Natürlich lehne ich diesen Handel nicht ab.Wenn Sie so wollen ist es eben eine Fürsprache.

12.06.2019 17:38 Sabine Sonntag 9

Die Grünen sind Populisten, und die medien sind ihre Helfer.

12.06.2019 15:30 Fragender Rentner 8

@Mikro zu 6

Was du hier schreibst, ist ja leider ein Fürsprache für diesen Handel !!! :-(((

Du willst doch nicht behaupten, dass ihr hättet von den Versandthandellagern etwas mitnehmen dürfen?

12.06.2019 15:21 Fragender Rentner 7

@DerIch zu 5

Der Schwachsinn an der ganzen Sache ist, dass die Konzerne uns einreden wir wollen es so !!!

Die verdienen sich an der Sache dumm und dämlich und noch schlimmer die Zahlen kaum oder gar keine Steuern !!!!!!!!!!!!!!!

Und was geschied, sehr viele sind zu faul in die Geschäfte zu gehen und sich dort die Sachen anzuschauen und auch anzuprobieren !!!

Was wird da für Sprit/Diesel verbraucht und wieviele Wälder müssen für die Pakete dran glauben oder wie werden die Paketboten ausgenutzt und bezahlt ???

Was diese ganze Sache der Umwelt schadet ist mehr als schlimm !!!!!!!!!!!!!

12.06.2019 13:32 Mikro 6

Ich hab mal bei einem Versandhandel gearbeitet.Bei Retouren wurde nur das vernichtet,was wirklich irreparabel defekt war Alles andere wurde je nach Zustand wieder A-Ware oder B-Ware.Natürlich könnte man die Ware die vernichtet wurde verschenken.Allerdings kann ich mir nicht vorstellen,das jemand auf zerrissene Klamotten,Schuhe mit abgelöster Sohle oder defekte Elektrogeräte steht.Und das wird sicher überall so sein,das Ware erst nach sorgfältiger Abwägung vernichtet wird.Dazu brauchen wir die Grünfinken nicht die sollen sich um wichtige Sachen kümmern von denen die Ahnung haben auch wenn es nicht viel ist.

12.06.2019 12:38 DerIch 5

@Fragender Rentner #3: haben sie den Artikel gelesen?

4% sind in der Relation nicht viel, aber immer noch 4%.
Absolut steckt da sehr viel Ware dahinter.

Weggeworfen wird aber nicht aus Spass, sondern weil es sich nicht wieder verkaufen lässt. Und/oder weil gesetzliche Regelungen aus gutem Grund es verlangen.

Und gerade bei Handel und Industrie greift das Kreislaufwirtschaftsgesetzt (Recycling)!

Auch der stationäre Handel, sowie die Industrie, entsorgt Ware/Zwischenprodukte, die keiner kauft/will - auch Hilfsorganisationen nehmen nicht alles, weil auch die Bedürftigen - zu recht - nicht alles nehmen.

Wieder einmal eine Grüne populistische Forderung (= einfache Antwort) für ein komplexes Thema - und weil es so schön klingt, denken viele Menschen nicht darüber nach, sondern schreien laut mit.

12.06.2019 11:46 REXt 4

Da sieht man mal wieder, aus einer Mücke einen Elefanten machen, wer war,s ,die Grünen!

12.06.2019 10:21 Fragender Rentner 3

Na da geht es doch, wenn nur ca. 4% im Müll landen !!! :-(((

Wenn man 100 Artikel zu Grunde legt sind es doch nur 4 Artikel die im Müll landen oder vernichtet werden.

Bei 1 Mio. sind es aber schon 40.000 Artikel !!!

Traue mich garnicht das auf die gesamten angeblich verschickten Waren hoch zu rechnen !!!

Da reden sie uns wieder ein es wären wenige !!! :-(((

Wenn man dann noch die gesamt entstehenden Kosten hinzu rechnet, dann ist es eine riesige Summe und das Klima sowie die vergeudete Arbeitszeit nicht vergessen !

12.06.2019 09:02 Möwe 2

Wichtig ist , dass die grünen Umweltpopulisten erstmal laut herumtönen und eine scheinbar große Problematik aufgreifen. Bei genauem Hinsehen wird es zur Lappalie und die Unterschiede zum konventionellen Handel sind gar nicht so groß. Dabei sagt doch der gesunde Menschenverstand, dass es gar keine große Menge sein kann, schon aus wirtschaftlicher Sicht. Kritisch zu betrachten ist der Transport dieser einzelnen Bestellungen.

12.06.2019 08:48 Johny 1

Verzicht soll es sein, und die Deutschen müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Nicht gerade die Funktionäre der Grünen Jugend oder die Freitagsaktivisten, die Deutschen im Allgemeinen sollen dies tun. Kein Fleisch, kein Flug, nur Flaschenpfand. Während Jan-Malte und Frederike-Luise zum bestandenen Abi einen Kurztrip nach Paris, Rom oder London erhalten, fliegt Chinas Jugend heute viele tausend Kilometer ins schrullige Europa, um verbeulte Ritterrüstungen und habsburgische Folterkammern zu besichtigen. Und sie werden damit nicht aufhören, ganz gleich, was Doktor Greta oder Kerosin-Kathi predigen.