Ältere Frau greift nach Frischkäsepackung in einem Kühlregal
Aldi und Lidl bekommen bald eine neue Discounter-Konkurrenz. Bildrechte: IMAGO

Konkurrenz für Aldi und Lidl? Russischer Discounter will in Deutschland starten

Aldi und Lidl könnten Gegenwind aus Russland bekommen. Zahlreiche Medien meldeten den Einstieg des russischen Discounters "Torgservis" in den deutschen Markt, besonders in Ostdeutschland sind Filialen geplant. Doch ist "Torgservis" wirklich ein so großer Konkurrent für die deutschen Discount-Ketten?

von Jessica Brautzsch, MDR AKTUELL

Ältere Frau greift nach Frischkäsepackung in einem Kühlregal
Aldi und Lidl bekommen bald eine neue Discounter-Konkurrenz. Bildrechte: IMAGO

Viel ist nicht bekannt über Torgservis. Die meisten Medienberichte stützen sich auf einen Artikel der "Lebensmittelzeitung". Demnach kommt die Kette aus Sibirien und soll besonders in Ostdeutschland um die 100 Geschäfte planen. Das Sortiment umfasst zu 90 bis 95 Prozent Eigenmarken und soll in Kartons und Paletten angeboten werden – wie in den Anfangsjahren des Discounters Aldi also.

Und natürlich sollen die Preise unschlagbar günstig sein. Seitdem Aldi, Lidl und Co. ihre Geschäfte attraktiver gestalten, hat sich in Deutschland eine Discounter-Lücke aufgetan, die die russische Kette jetzt besetzt.

Einkaufsmacht etablierter Discounter

Lidl - Logo
Lidl und Aldi erreichen ihre billigen Preise durch große Einkaufsvolumina. Bildrechte: IMAGO

Das glaubt Thomas Roeb, Professor für Handelsbetriebslehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg nicht. Das Problem sei, dass die Discounter immer noch die niedrigsten Preise setzen.

Und zwar nicht, weil sie so billige Filialen hätten. "Sondern weil die einfach enorme Volumina einkaufen. Und in diesen Volumina Beschaffungskonditionen haben, die niemand unterbieten kann."

Spezialist für russische Produkte

Nach Einschätzung von Roeb kann sich das Geschäft für Torgservis dennoch lohnen. Und zwar dann, wenn das Unternehmen vor allem billige russische Produkte anbietet.

Es gibt in Deutschland natürlich Läden, die sich auf russische Produkte spezialisiert haben für russischstämmige Bewohner. Und dass man in dieses Segement mit einem preisaggressiven, zentralgesteuerten Konzept vorstoßen kann, das kann ich mir gut vorstellen.

Thomas Roeb, Professor für Handelsbetriebslehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Einkaufswagen stehen vor einer Aldi-Filiale
Die Discounter haben in Deutschland große Marktanteile. Bildrechte: dpa

Die russische Kette würde damit also nicht in eine Discounter-Lücke springen, sondern in eine klassische Marktlücke. Dazu passt auch, dass Torgservis als Franchise-Modell funktionieren soll, bei dem jeder Standort eine eigene Rechtspersönlichkeit darstellt, sagt Roeb.

"Weil die offensichtlich wissen, dass die nur einen begrenzten Markt haben, haben die wohl vor, dieses Marktsegment des russischen Bedarfs zu professionalisieren, indem sie da eine zentrale Organisation dahinter stellen und den Leuten, die bislang vor sich hingewurschtelt haben, ein professionelles Einkaufsmanagement zur Seite stellen."

Filialen in ländlichen Gegenden

Was ihn aber wundert, sind die Standorte, an denen die russische Kette Läden eröffnen will. Dazu gehören Teile von Norddeutschland, aber vor allem Ostdeutschland mit Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg. Diese Gegenden sind sehr ländlich und nicht zwangsläufig Ballungsräume für russischstämmige Bürger.

Doch was sich hinter Torgservis tatsächlich verbirgt, wird sich erst zeigen, wenn die Filialen eröffnen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Oktober 2018 | 05:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2018, 10:58 Uhr

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20 Kommentare

17.10.2018 04:44 CDU Wählerin 20

es tut sich was - wenn auch langsam und hoffentlich zu bezahlbaren Preisen und nicht nur für Besserverdienende - sehr interessant las ich vom Schweizer Model seit 2017 knusprige Grillen, Heuschrecken und Mehlwürmer. Kosten würde ich schon, weil Sprichwort: was Bauer nicht kennt ..isst er nicht uns seit 1991 sehr viel unbekannt exotisches, gesund leckeres bescherte

16.10.2018 13:55 FA 19

Ich freu mich drauf. Wir holen uns jetzt schon etliches auf dem Markt von polnischen Händlern, lecker. Da bereichert uns ein russisches Geschäft sicherlich auch, zumal wir ja auch die ehemaligen "Russen-Magazine" noch kennen. Und @1: echt rassistisch, es gab da mal was in den 30ern wie "Kauft nicht beim ...", Sie wissen schon!

16.10.2018 09:44 marcill 18

...also Baltika Bier, Eis und dieser gebackene Joghurt sowie Süßigkeiten und Konserven, Senf und Soßen wären schon eine denkbare kaufbare Menge. Vieles kennt man auch schon über bestehende russische Läden, sollte man die nicht wegkonkurrieren wäre das eine echte Bereicherung.

16.10.2018 07:46 Sr.Raul 17

Also zu den Autos, @8[CDU Wählerin] kann ich sagen: Seit der Kehre 2 x LADA "Samara" (Optima, Polar) als Neuwagen je 8 Jahre gefahren. Tippi-toppi, nie Probleme mit gehabt und beim Autohändler des Vertrauens jeweils im guten 4 stelligen Bereich in Anzahlung bei Neukauf gegeben. Jep, auch beim Markenwechsel. Zu den Frauen schweigt der Genteleman freilich.

15.10.2018 22:30 Reiner Wahnsinn 16

15.10.2018 11:01 Kritiker @1 Zitat:
"Ich kaufe aus Prinzip NICHTS von Russen!"
Na dann aber mal schnell den Sprit aus dem Tank saugen "lassen", und/oder die Heizung sofort auf null stellen!
Nur weil unsere Bundesmutti keine Hunde mag, muß man doch nicht soo grantig sein.

15.10.2018 21:06 Merlina 15

Das klingt interessant für mich :-) Russisches Konfekt haben wir für uns im Büro mal über Amazon bestellt - sehr lecker ... Und was den ländlichen Raum angeht, finde ich den Gedanken gar nicht so abwegig. Dort wohnen viele Ältere, die einfach weniger mobil sind. Zudem gibt es vielfach nicht mal mehr einen "Tante-Emma-Laden" dort. Da könnten russische Shops durchaus auf fruchtbaren Boden fallen. Ich bin gespannt!

15.10.2018 20:54 Montana 14

Probieren geht über studieren.

15.10.2018 19:09 Gerald 13

Jetzt werden die alten DDR-Genossen bestimmt feiern!?

15.10.2018 18:41 Difu 89 12

Hab jetzt auch den Namen gefunden
"MIX Markt"

15.10.2018 18:31 Difu 89 11

War mal in einem in Berlin - Marzahn und muss zugeben das ich dort ein tolles , buntes und witziges Angebot vorfand.
Wodka in einer gläsernen Kalaschnikow , Apfelsinengroße Mandarinen (hab alleine 8 Stück verschlungen - echt lecker) und min. 100 verschiedene Bonbonarten - alles lose und herrlich kunterbunt und und und ...
Erinnerte mich an einen Intershop von früher , auch vom herrlichen Geruch her.
Kann ich nur jedem weiter empfehlen!!!!