Ryanair-Flugzeug vor einem Hangar am Flughafen Stansted
Der Streit um einen Tarifvertrag bei Ryanair dauert schon Jahre. Bildrechte: IMAGO

Tarifkonflikt Ryanair-Piloten im Streik - Hunderte Flüge abgesagt

Bis zum frühen Samstagmorgen sind die festangestellten Ryanair-Piloten in mehreren europäischen Ländern im Streik. Die Airline hat deshalb allein 250 Flüge von und nach Deutschland gestrichen. Hintergrund des Streiks ist ein Streit über bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne.

Ryanair-Flugzeug vor einem Hangar am Flughafen Stansted
Der Streit um einen Tarifvertrag bei Ryanair dauert schon Jahre. Bildrechte: IMAGO

Um 3.01 Uhr am Freitagmorgen sind die Ryanair-Piloten in Deutschland, Belgien, Schweden, Irland und den Niederlanden in den Streik getreten. Dem Aufruf der Pilotengewerkschaften zufolge soll der Arbeitskampf 24 Stunden – also bis etwa 3 Uhr am Samstagmorgen – dauern. In Deutschland beteiligt sich die Vereinigung Cockpit. In den Niederlanden scheiterte Ryanair vor Gericht mit dem Versuch, den Streik noch zu verhindern.

Europaflüge abgesagt – Zehntausende Fluggäste betroffen

Ryanair hat wegen des Streiks 400 Europaflüge abgesagt, 250 allein von und nach Deutschland. An der größten deutschen Ryanair-Basis in Frankfurt wurde das komplette Frühprogramm für den Freitag gestrichen. An den Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel fallen 36 der 58 planmäßigen Ryanair-Flüge aus. Nicht betroffen sind Flüge mit Maschinen, die im Laufe des Tages aus nicht-bestreikten Ländern landen und auch wieder starten.

Ryanair: Betroffene Fluggäste wurden informiert

Der Airline zufolge wurden von den Flugabsagen betroffene Kunden vorab informiert. Allein in Deutschland sind 42.000 Passagiere betroffen. Ihnen sei die Möglichkeit gegeben worden, die Flüge umzubuchen oder das Geld zurückzuerhalten, erklärte Ryanair. Darüber hinausgehende Entschädigungen würden nicht gezahlt.

Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen

Es ist der bislang größte Pilotenstreik in der Geschichte der größten Billig-Airline Europas. Ryanair erkennt erst seit Ende 2017 Gewerkschaften an. Diese koordinieren sich europaweit untereinander, um ihre Forderungen durchzusetzen. Im Fokus stehen höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Ryanair verweist dagegen auf vergleichsweise hohe Endgehälter ihrer Kapitäne und Copiloten.

Die Vereinigung Cockpit schloss weitere Streiks nicht aus. Die Gewerkschaft will sie aber weiterhin mit einem Vorlauf von mindestens 24 Stunden ankündigen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. August 2018 | 03:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2018, 23:18 Uhr

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6 Kommentare

10.08.2018 19:14 NRW-18 6

@ 5 Fragender Rentner
Bei 190.000€ handelt es sich um einen Flugkapitän, der es bei Lufthansa auf gut 250.000€ bringt. Lang- und Mittelstrecke macht auch noch einen Unterschied.
Hier der Radiotext, den ich am Morgen gehört habe: (Kopie aus SWR3.de)
"Laut Vereinigung Cockpit sind die Unterschiede zu dem, was Piloten bei anderen Airlines verdienen, gravierend. So verdient eine Ryanair-Copilotin etwa 40.000 Euro im Jahr, bei Lufthansa ist es fast doppelt so viel, sagt SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele und beruft sich auf Zahlen der Vereinigung Cockpit."

10.08.2018 16:47 Fragender Rentner 5

Hatte der Chef nicht in einem Interwiev gesagt, dass das Gehalt bei ca. 190.000,- € liegen soll?

Oder habe ich mich da verhört und er meinte vielleicht nur 90.000,- €?

10.08.2018 14:21 Blumenfreund 4

Im Fokus stehen höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen? Und das auf dem Rücken der Urlauber. Wenn diesen Angestellten ihre Arbeitsbedingungen nicht passen, können sie doch zur Konkurrenz wechseln. Außerdem ist doch wohl schon beim Vertragsabschluss klar, auf was man sich da einlässt. Ich kann auch keinen Arbeitsvertrag unterschreiben und anschließend jammern dass ich zu wenig Geld verdiene.

10.08.2018 11:13 MD 3

Das ist richtig, das dem Chef von Ryanair Michael O’Leary, mal Grenzen aufgezeigt werden. Michael O’Leary Präsentiert sich oft in den Medien als Clown, aber in Wirklichkeit ist es ein Eiskalter Ausbeuter.

10.08.2018 10:28 Norbert 2

@1 Stimmt absolut, bei Ostwind sind wir in MG am Rande der Einflugschneise für Düsseldorf, daran kann man dann sehen was da oben los ist. Wenn aber die Preise eines Fluges billiger sind wie der Kaffee und das Brötchen an Bord, stimmt was grundlegend nicht. Ich für meinen Teil darf aufgrund einer Behinderung eh nicht fliegen somit erschließt sich das für mich nicht. Wenn ich aber höre wie der Ryanairchef seine Leute behandelt und bezahlt, hätten die Angestellten schon längst mal auf den roten Knopf drücken müssen. Nur viele Urlauber juckt das alles nicht und Solidarität mit denen die streiken ist da nicht selbstverständlich in einer Gesellschaft von Egoisten.

10.08.2018 07:05 NRW-18 1

Laut einem Radiobericht in SWR3 bekommt ein Copilot bei RyanAir etwa die Hälfte der Einkünfte eines Lufthansa-Copilten für gleichwertige Arbeit. Somit finde ich die Streiks gerechtfertigt. Wenn ich an den Himmel oder auf Flightradar24.com schaue, ist das Fliegen aber insgesamt viel zu billig.
Eine erhebliche Mitschuld haben allerdings die Leute, die nur auf den Preis schauen, was leider für viele Branchen gilt und letztendlich Schaden anrichtet.