Einzelhandel Galeria Karstadt Kaufhof schließt Häuser in Chemnitz und Dessau

Deutschlands letzte große Warenhauskette Galeria Kaufhof Karstadt hat angekündigt, 62 Filialen in 47 Städten dicht zu machen. Mehr als 5.300 Mitarbeiter verlieren laut Gesamtbetriebsrat damit ihre Stelle. Nach Angaben der Gewerkschaft stehen auch die Häuser in Chemnitz und Dessau-Roßlau vor dem Aus. Für die Kommunen ist das ein tiefer Einschnitt. Der Städte- und Gemeindebund Sachsen-Anhalts spricht sogar von einer Katastrophe.

Blick auf die Filiale von Galeria Karstadt Kaufhof in Chemnitz
Ende Oktober sollen die Türen auch in der Filiale in Chemnitz (Bild) für immer schließen. Bildrechte: dpa

Die Galeria Karstadt Kaufhof-Warenhäuser in Chemnitz und Dessau-Roßlau sollen schließen. Das teilte die Gewerkschaft Verdi vor der offiziellen Bekanntgabe der Schließungspläne der Unternehmensgruppe am Freitagnachmittag mit. Insgesamt seien 200 Arbeitsplätze in Gefahr.

Bis Ende Oktober sollen die Häuser noch betrieben werden. Danach sollen die von Schließungen betroffenen Beschäftigten für mindestens sechs Monate in eine Transfergesellschaft überführt werden.

Verdi: Beide Häuser mit Umsatzplus

Verdi-Vertreter äußerten Unverständnis über die Pläne und kündigten Protest an. "Welche Kriterien die Konzernspitze bei der Auswahl der zu schließenden Häuser angelegt hat, können wir nicht nachvollziehen", so ein Verdi-Sprecher. In beiden Häusern sei in der Vergangenheit der Umsatz gestiegen. Die Gewerkschaft wolle alles versuchen, um die Vorhaben des Konzerns zu stoppen.

Offenbar kein Stellenabbau in übrigen Filialen

Nach Einschätzung von Verdi-Landesfachbereichsleiter Handel, Jörg Lauenroth-Mago, werden die Filialen in Dresden und Leipzig sowie in Erfurt, Magdeburg und Halle weitergeführt. Für deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gebe es eine Beschäftigungssicherung. Zunächst habe im Raum gestanden, dort zehn Prozent Personal abzubauen.

Deutschlandweit mehr als 5.300 Beschäftigte betroffen

Deutschlandweit hat der Konzern das Aus für zunächst 62 der insgesamt 172 Warenhäuser besiegelt. Insgesamt 5.317 Mitarbeiter der rund 28.000 Beschäftigten werden dadurch nach Angaben des Gesamtbetriebsrates ihre Arbeit verlieren. Ein Konzernsprecher sagte, der Schritt sei ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährdeten. Letztlich gehe es darum, Galeria Karstadt Kaufhof und damit viele Tausend Arbeitsplätze zu sichern.

Galeria Karstadt Kaufhof war durch die pandemiebedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Der Konzern rechnet bis Ende 2022 mit Umsatzeinbußen von bis zu 1,4 Milliarden Euro.

Auch Innenstädte verlieren massiv

Die Schließung der Häuser ist für viele betroffenen Städte ein herber Rückschlag, denn sie verlieren eine wichtige Erlebnis- und Begegnungsstätte.

So kommt die Entscheidung zur Schließung für den Oberbürgermeister von Dessau-Roßlau, Peter Kuras (FDP), zur "Unzeit". Kuras sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Bemühungen, die Innenstadt attraktiver zu machen, hätten gerade erste Früchte getragen. Gerade bei Karstadt hätten viele auswärtige Kunden regelmäßig eingekauft, die künftig wahrscheinlich fernblieben.

Der Manager des ECE-Rathaus-Centers, in dem Galeria Karstadt Kaufhof Mieter ist, Hans-Jörg Bliesener, nannte die Entscheidung gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT ein einschneidendes Ereignis für den Handel, für Dessau und für das Rathaus-Center. In Dessau falle ein Magnet weg.

Der Vorsitzende des Städte- und Gemeindebundes in Sachsen-Anhalt, Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) sprach bei MDR SACHSEN-ANHALT von einer Katastrophe, wenn eine Innenstadtlage wegfalle.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Juni 2020 | 15:30 Uhr