Zwei Männer arbeiten an einer Dampfturbine
Die Siemens-Werke im Osten stellen unter anderem Turbinen für Kraftwerke her. Bildrechte: Siemens AG

Kraftwerkssparte Siemens lässt Ost-Werke im Unklaren

Die Siemens-Beschäftigten im Osten Deutschlands wissen weiter nicht, ob ihre Arbeitsplätze Bestand haben. Konzernchef Kaeser ließ die Zukunft der Kraftwerkssparte offen, kündigte aber harte Einschnitte ein.

Zwei Männer arbeiten an einer Dampfturbine
Die Siemens-Werke im Osten stellen unter anderem Turbinen für Kraftwerke her. Bildrechte: Siemens AG

Siemens lässt seine von der Schließung bedrohten Standorten in Mitteldeutschland weiter im Unklaren. Konzernchef Joe Kaeser äußerte sich bei der Vorstellung der Bilanzen am Donnerstag in München nicht zur Zukunft einzelner Standorte. Gleichwohl sprach er von schmerzhaften Einschnitten, die im Kraftwerksgeschäft notwendig seien. Wenn die Sparte eine Zukunft haben solle, müsse Siemens seine Kapazitäten anpassen. Zahlen nannte Kaeser nicht.

Görlitz, Erfurt und Leipzig müssen zittern

In der Kraftwerkssparte wird der Abbau von mehreren tausend Stellen befürchtet. Medienberichten zufolge plant der Münchner Konzern die Schließung von elf seiner weltweit 23 Standorte. In Mitteldeutschland stehen demnach das Turbinenwerk in Görlitz, das Generatorenwerk in Erfurt und das Turbomaschinenwerk in Leipzig auf der Kippe. In Görlitz beschäftigt das Unternehmen 800 Mitarbeiter, in Erfurt sind es mehr als 500 und in Leipzig etwa 220. Siemens hat sich dazu bisher nicht geäußert. Entscheidungen könnten nun am 16. November veröffentlicht werden.

Kaeser sagte in München, er sei davon überzeugt, dass es für große Gasturbinen weiter einen Weltmarkt geben werde. Dieser werde aber deutlich kleiner sein, und die Nachfrage werde sich in Richtung Asien, Lateinamerika und Afrika verschieben. Daher müsse Siemens jetzt handeln und zugleich in innovative Zukunftstechnologie investieren.

Geschäft mit Turbinen bricht ein

Die Produktion von Turbinen und Generatoren für Kraftwerke hatte Siemens zuletzt Schwierigkeiten bereitet. Im vierten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres brach das Ergebnis um 40 Prozent ein.

Aber auch das Geschäft mit erneuerbaren Energien läuft nicht. Das Gemeinschaftsunternehmen mit dem spanischen Konzern Gamesa schrieb sogar Verluste. Gamesa hatte vor wenigen Tagen bereits die Streichung von 6.000 Stellen angekündigt.

Und dennoch "hervorragende Ergebnisse"

Für das gesamte abgelaufene Geschäftsjahr meldete Siemens dennoch "hervorragende Ergebnisse". Nach der ersten Bilanz verdiente der Konzern fast 6,2 Milliarden Euro. Das liegt sogar noch über der Rekordbilanz des Vorjahrs von 5,6 Milliarden Euro.

Für das neue Geschäftsjahr kündigte Kaeser ein weiteres Umsatzplus und einen noch etwas höheren Gewinn an. Zugleich wies er daraufhin, dass in dieser Prognose die Kosten eines möglichen Stellenabbaus noch nicht berücksichtigt seien.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 09.11.2017 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2017, 12:19 Uhr

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7 Kommentare

09.11.2017 20:36 Deshalb: 7

@09.11.2017 12:38 Rosal Uxemburg (3 @Offenbar weiss das auch...: vollkommen richtig, was Sie da so von sich geben, nur: warum muss (wieder) der OSTEN D darunter leiden?)

Weil "unsere Politiker" die Nachwende-Wirtschaftspolitik im "Osten" auf Billiglohn, verlängerte Werkbank und genau Null R+D ausgerichtet haben. Ganz, wie es dem Verwertungsinteresse gefiel. Nun steht hier Produktionskapazität und sonst nichts.
Ist die nicht mehr ausgelastet...

Ja, Schland ist ein Irrenhaus - allerdings eines mit Ansage und Prognostizierbarkeit, da inzwischen bekannt sein dürfte, wer hier für wen Politik betreibt. Der Bürger sollte sich vielleicht so langsam fragen, wie das alles mit seinem Wahlverhalten und seinem Lebensstil zusammenhängen könnte. Und er Fähigkeit, langfristig zu denken - die "alten Rezepte" sind nämlich die Ursache und nicht die Lösung der Lage.

09.11.2017 19:41 Quantix 6

@Markus: Autsch. Klar, wenn nichts mehr hilft: Der böse Ami ist schuld! Es KANN ja gar nicht an den deutschen Unternehmen selbst liegen.

09.11.2017 17:47 Kurt 5

Sehr geehrte MDR-Journalistinnen, Politikerinnen,
darf man fragen, wie wir davon ausgehen dürfen, das ein ü100-jähriges Traditions-Unternehmen im Lande bleiben soll, wenn die Wiederveinigung 1989/90 so schlecht verhandelt worden ist???
(gerade heute zu DEM Jahrestag)

SN schafft es nicht einmal einen neuen Gerichtshof nach Leipzig zu bekommen...
Eine komplett neu geschaffene Behörde [hier: ZITiS, 2017] wurde im "Armutsviertel München" (BY) angesiedelt. Nicht in Regionen der exDDR...
Trotz eineindeutiger Bundesvorgaben [aus 1992]...

Wenn also nicht einmal der Staat, der sich ("gelegentlich") mehr an Gesetze hält, all dieses schafft- WARUM dann die berüchtigte Privatwirtschaft???????????

Wird das in Öffentlichkeit jemals hinterfragt werden???

Hochachtungsvoll

09.11.2017 13:27 Kurt 4

Hr. Otto, sicher organisieren Sie sich wieder die Unterstützung der AfD. So wie bereits bei Bombardier, Görlitz. Es kann also nichts mehr schief gehen...

Naja, nur weiß ich aktuell nicht, welche Ernsthaftigkeit dahinter steht. Hr. Dulig sagt: "...wir lassen uns das nicht gefallen..." [MDR]. Hmmm, nur was will er dagegen anstellen? JedeR gebildete Mensch kennt die Vorgehensweisen der Wirtschaft. Welche PolitikerIN hat jemals gegen deren Willen ankommen können??? Alles Populismus.

Selbst in meinem Fall gegen Weltkonzern, warte ich noch heute auf Antwort eines Hrn. O. Hoebel (IGM), oder aus FF./M. (DGB-Zentrale). Nichts!
Nur aus Berlin: "...melden Sie sich deswegen nicht mehr bei uns...". AHA.
Keine Motivation durch eigentliche Vertreterinnen!
Mittlerweile bereue ich den Schritt vor Gericht/ Gesicht zu zeigen + "zu entstellen"...
Warum? Sind Sie also wirklich interessiert an Einhaltung des ArbRechts??

09.11.2017 12:38 Rosal Uxemburg 3

@Offenbar weiss das auch...: vollkommen richtig, was Sie da so von sich geben, nur: warum muss (wieder) der OSTEN D darunter leiden? Und dann kommen die "Etablierten" wieder und fragen sich, warum der OSTEN D nur so anders wählt und tickt. Gleicht das nicht alles einem Irrenhaus?

09.11.2017 10:08 Offenbar weiss das auch... 2

(Die Siemens-Beschäftigten im Osten Deutschlands wissen weiter nicht, ob ihre Arbeitsplätze Bestand haben.)

...Siemens noch nicht. Was also soll Siemens den Belegschaften sagen? Sicher ist nur eines: Der Dank für die Lage darf direkt nach Berlin adressiert werden: Lobbyisten und Profiteure veraltender Techniken im Energiebereitstellungssektor sabotieren den Um- und Einstieg in technisch und energetisch fortschrittliche Technologien, um weiter Profite einfahren zu können oder die Belegschaften vor Veränderung zu schützen (DGB). Ausbaden müssen das Umwelt, alle Bürger und alles, was als Leiharbeiter oder sonst prekär Beschäftigter ausgebeutet wird. Denn letztere sind die Kostenvariable, um dem BfA-Rest den Job zu erhalten. Die ganze Entwicklung ist eine weitere Folge der Merkelschen Politik des totalen konzeptionslosen Stillstands bei stetig anschwellendem Dauergeschwätz. "Flüchtlingspolitik" und der LKW-FS ab 17 sind weitere Beispiele für dieses armselige Löcherstopfen i. A..

09.11.2017 10:06 Markus 1

Amerikanische Sanktionen gegen Russland bringen deutsche Wirtschaft um.