Siemens-Mitarbeiter stehen mit Protestplakaten am 13.11.2017 in Leipzig (Sachsen) vor dem Siemens-Turbomaschinen-Werk.
Protest von Mitarbeitern im Leipziger Siemens-Turbomaschinen-Werk am 13. November 2017. Bildrechte: dpa

Sparprogramm Aus für Siemens-Werke in Görlitz und Leipzig

Nach wochenlangen Spekulationen haben sich die Befürchtungen jetzt bestätigt: Siemens hat entschieden, seine Standorte in Leipzig und Görlitz zu schließen. Mehr als 1.000 Arbeitsplätze im Turbinengeschäft sollen wegfallen. Für das Generatorenwerk Erfurt werden verschiedene Optionen geprüft. Die IG Metall kündigte Widerstand gegen die Werksschließungen an.

Siemens-Mitarbeiter stehen mit Protestplakaten am 13.11.2017 in Leipzig (Sachsen) vor dem Siemens-Turbomaschinen-Werk.
Protest von Mitarbeitern im Leipziger Siemens-Turbomaschinen-Werk am 13. November 2017. Bildrechte: dpa

Der Elektrokonzern Siemens plant die Schließung seiner Werke im sächsischen Görlitz und in Leipzig. Wie das Unternehmen am Donnerstag in München mitteilte, betrifft das im Turbinenwerk Görlitz etwa 720 Mitarbeiter und im Turbomaschinenwerk Leipzig 200 Vollzeitstellen. Die Gewerkschaft IG Metall hingegen nennt höhere Zahlen. Demnach sind zusammen mit Teilzeitbeschäftigten insgesamt 1.200 Beschäftigte an den beiden Standorten betroffen.

Siemens will dabei nach eigenen Angaben möglichst auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Betroffenen Mitarbeitern sollen Qualifizierungen und Wechsel in andere Konzernbereiche angeboten werden. Einem Sprecher zufolge gibt es auch noch keine konkreten Termine für die Betriebsschließungen. Darüber müsse noch mit den Arbeitnehmervertretern geredet werden.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich nannte die Werksschließungen "unverantwortlich". Siemens lasse jegliche regionale Verantwortung eines großen deutschen Konzerns vermissen. Auch Wirtschaftsminister Martin Dulig zeigte sich "wütend und empört", wenn der Konzern trotz Rekordgewinnen eine Industrieregion aufs Spiel setze. Dulig rief Siemens auf, diese "Entscheidung gegen Sachsen" zu revidieren.

Werk in Erfurt soll verkauft werden

Für das Generatorenwerk Erfurt mit 500 Beschäftigten prüft Siemens nach eigenen Angaben verschiedene Optionen, unter anderen den Verkauf.

Arbeitnehmerverbände befürchten das massivste Sparprogramm des Konzerns seit Jahren. Elf der weltweit 23 Standorte droht demnach das Aus. Ingesamt 6.900 Arbeitsplätze sollen wefallen, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Am stärksten im Ausland sind die USA betroffen, wo 1.800 Jobs gestrichen werden.

Hintergrund der Kürzungspläne ist die gesunkene Nachfrage insbesondere bei großen Gasturbinen. Angesichts der Energiewende dürften die Aufträge auch in den kommenden Jahren weiter zurückgehen. Den Preisverfall und Überkapazitäten will Siemens durch Produktionskürzungen ausgleichen. Bereits vergangene Woche hatte Konzernchef Joe Kaeser bei der Bilanz-Pressekonferenz "schmerzhafte Einschnitte" angekündigt.

Schließung trotz Milliardengewinnen - Gewerkschaft will kämpfen

Insgesamt steht Siemens jedoch wirtschaftlich gut da. Für das vergangene Geschäftsjahr meldete der Konzern "hervorragende Ergebnisse". Mit fast 6,2 Milliarden Euro übertraf Siemens sogar noch die Rekordbilanz des Vorjahres. Damals erwirtschaftete das Unternehmen immerhin 5,6 Milliarden Euro. Eine weitere Gewinnsteigerung kündigte Konzernchef Kaeser für das neue Geschäftsjahr an.

Demo vor Siemenswerk in Görlitz
Unter anderem vor dem Siemenswerk in Görlitz demonstrierten zuletzt Mitarbeiter gegen die drohende Schließung. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Gegen die drohenden Kürzungen hatten zuletzt Beschäftigte an mehreren Standorten demonstriert. Die Gewerkschaft IG Metall kündigte an, betriebsbedingten Kündigungen und Standortschließungen auch mit "kreativen Wegen des Widerstands" zu begegnen. Das kündigte IG-Metall-Vorstand und Siemens-Aufsichtsrat Jürgen Kerner in der "Wirtschaftswoche" an. Mitarbeiter könnten etwa Mehrarbeit und Sonderschichten über einen längeren Zeitraum verweigern, sagte er.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 16.11.2017 | 09:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. November 2017, 18:54 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

38 Kommentare

18.11.2017 18:31 Klaus 38

{ Querdenker 37 }
Wieso Tiefpunkt? Ich habe unterschrieben, bekomme eine ordentliche Abfindung und darf mit 60 Jahren und 70% Netto in den Ruhestand. Vor 30 Jahren habe ich bei Siemens angefangen und diese Entscheidung keinen einzigen Tag bereut. Eher im Gegenteil, die Entscheidung war goldrichtig.

18.11.2017 13:46 Querdenker 37

Das Arbeitsamt hat bestimmt noch ein paar 1-Euro-Jobs frei. Vor allem für die älteren Fachkräfte. Und immer schön dran denken, bis 67 arbeiten. Die indirekte Rentenkürzung mit dem höheren Renteneintrittsalter funktioniert am besten, wenn ein paar Jahre vor Ende des Arbeitslebens noch mal so ein richtiger Tiefpunkt kommt.

17.11.2017 18:00 Kritischer Bürger 36

@Peter 25: GENAU solche 'Feststellungen liebe ich wenn entsprechende Kommentatoren gleich "voll anspringen." Nun aber nochmals zum Nachlesen UND ZUM VERGLEICHEN das hier die Verstaatlichung (auf die Sie wohl ansprechen) aus DDR Zeit absolut nicht greift! Ich schrieb im 5: +...Es sollte angesichts solcher Vorhaben darüber nachgedacht werden das Werke/Unternehmen die ihre Tore schließen entschädigungslos an den Bund übergehen müssen, samt Technik und Mitarbeiter....+ Ganz langsam nochmals verinnerlichen diese Worte und dann vergleichen. Ich helfe gern auch hier noch einmal. Sozialismus und Verstaatlichung damals machte VOR KEINEN LAUFENDEN BETRIEB halt. So und nun Kurzfassung der ogn. Worte: ...Werke/Unternehmen die ihre Tore schließen entschädigungslos ...! Also kein einziges Unternehmen was läuft soll in Bundeseigentum aufgehen, sondern Unternehmen DIE SCHLIESSEN! Die Meisten schließen doch nur wegen billigerer Produktionskosten an anderer Stelle selbst EU-Weit! Logisch höhere Gewinne!

17.11.2017 15:40 Ehemaliger Görlitzer 35

Warum lassen sich die Leute im Osten so verarschen und bleiben noch den Richtlinen treu und brav? Wann platzt Euch endlich mal der Arsch und wehrt Euch richtig! Geschlossen Anwalt suchen, Krank schreiben lassen, Siemensprodukte und diese wo Siemens drin ist verbannen! Oder reist das Werk an Euch mit Besetzung soll der Staat und Siemens doch schauen wie Sie das lösen! Weg aus der Region ziehen und da hin gehen wo es besser läuft?
@Polen & Tschechien: traurig Eure Beteiligung an der Petition zur Erhaltung, grad als Nachtbarn und Arbeitnehmer in GR, schwach...schwach...schwach

17.11.2017 15:02 Klaus 34

{ Jens der Lausitzer 33 }
Der Plan nicht, aber die Entscheidungen.
Wer damit Probleme hat, der soll sich an seinen AfD-Abgeordneten wenden, der hilft bestimmt. Zumindest ein Job als Montagsspaziergänger ist da leicht zu organisieren. :-)

17.11.2017 12:14 Jens der Lausitzer 33

@24 Klaus, naiver kann man kaum argumentieren. Glauben Sie allen Ernstes, dass der Plan erst in den letzten Wochen gereift ist. Wohl kaum. Aber Sie sind der AfD ja regelrecht verfallen, so dass diese auch hier mal wieder ihr ganz spezielles Spielfeld stürmt.

17.11.2017 11:59 Reinhard Weiße 32

als wir am 16.11.2017 erfuhren das 3Siemens Standorte(Görlitz, Leipzig und Erfurt) im Osten dicht gemacht werden, obwohl der Konzern Siemens Milliarden Gewinne zu verzeichnen hat. Alle wissen wie schwer es der Osten hat endlich wirtschaftlich was aufzubauen, gerade dort sieht es düster aus und dann diese unbegründete Gemeinheit, den Osten weiter ganz entscheidend zu schwächen. Ich hoffe das die Betroffenen Solidarität aus ganz Deutschland erfahren und diesen Vaterlandslosen Gesellen(Siemens Chefs) richtig entgegen treten. Wo ist da die Bundeskanzlerin Frau Merkel als Ostdeutsche, die müsste doch sofort Kante zeigen und den Menschen helfen?
Dazu kommt noch der Kohleausstieg, er wird Tausende Arbeitsplätze im Osten kosten, aber wen interessiert das schon, wir haben ja bereits 6,35 Millionen offizielle Hartz IV Empfänger und nochmal 4,2 Millionen Menschen denen Hartz IV zustehen würde, die es aber aus Stolz nicht beantragen. Die Firma Siemens will ihr Werk in Erfurt verkaufen, zusätzlich

17.11.2017 09:09 Wilhelm Klink 31

Nach der Bundestagswahl meinte der Herr Kaeser, dass das Erstarken der AfD eine "Niederlage der Eliten" ist. Nun hat Frau Merkel den "Grünen" angeboten, 7 GW Kohlekraftwerksleistung vom Netz zu nehmen, dafür ist auch Sachsen prädestinert. Beide wollen wohl auf Biegen und Brechen einen AfD-Ministerpräsidenten in Sachsen ermöglichen!

17.11.2017 06:40 Wo geht es hin? 30

Wenn es noch irgendeines Beweises bedurft hätte, dass die sog. "soziale Marktwirtschaft" schon lange beerdigt ist, kann hier besten Anschauungsunterricht nehmen. Und dafür, dass die "Politik" die Rahmenbedigungen zur Gewinnmaximierung der großen Konzerne konsequent verbessert...

16.11.2017 00:53 Der Sachse 29

Es wird immer auf die Dt. Regierung geschoben. Aber wohin gingen denn die meisten Turbinen ? Ins Ausland! Siemens hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Und jetzt müssen die Angestellten ihre Köpfe hin halten.
Es überleben nur die, die dich ANPASSEN. Das war so und wird immer so sein.