Vorstoß Handel will viermal im Jahr sonntags öffnen dürfen

Der Sonntag ist arbeitsfrei und soll körperlicher Erholung und seelischer Erhebung dienen. So ist es im Grundgesetz verankert. Der Handel nimmt nun einen neuen Anlauf, diese Regelung zu lockern.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Sonntag geöffnet - Schild in einem Schaufenster.
Häufig werden genehmigte verkaufsoffene Sonntage doch wieder abgesagt. Bildrechte: imago/Ina Peek

Manche Leute finden seelische Erhebung ja auch im Konsumtempel. Und so war es immer voll, wenn Thomas Stoyke an vier Sonntagen im Jahr das Chemnitz Center öffnete. Sachsen erlaubt vier Ausnahmen vom Sonntagsöffnungsverbot. Und der Center-Manager wollte sie auch weiterhin nutzen. Doch vergangenes Jahr klagte die Gewerkschaft Verdi gegen die Sonntagsöffnung des Chemnitz Centers – und gewann. Stoyke musste alle verkaufsoffenen Sonntage absagen.

"Man muss sich vorstellen, dass man bereits ein halbes Jahr vorher die Marketing- und die Eventkonzeption plant und finanziell budgetiert", erzählt Stoyke. "Und kurzfristig müssen diese Werbekampagnen storniert oder umgebucht werden." Es sei immer sehr undankbar, wenn schon Plakate hängen, Kunden kommen und die Geschäfte dann nicht geöffnet haben.

Viele Klagen gegen Sonntagsöffnungen

Weihnachtsdekoration im Einkaufscenter
Auch zu Weihnachten gibt es den ein oder anderen verkaufsoffenen Sonntag. Bildrechte: colourbox

Dass es überhaupt zur Klage kam, liegt an der komplexen Rechtslage. Die Ladenöffnung am Sonntag ist an Bedingungen geknüpft. Es muss ein ganz besonderer Anlass in der Umgebung vorliegen, ein Stadtfest zum Beispiel.

Ob dieser Anlass für eine Sonntagsöffnung ausreicht, beschäftigt immer wieder Gerichte. René Glaser, Geschäftsführer des Handelsverbands Sachsen, fordert deshalb eine Gesetzesänderung. Denn man sei leider in den letzten Jahren zunehmend in der Situation gewesen, dass die vom Gesetzgeber ermöglichten Sonntagsöffnungen gar nicht mehr stattgefunden hätten.

Das liegt schlicht daran, dass die Gewerkschaft Verdi nahezu jede Sonntagsöffnung beklagt.

René Glaser, Geschäftsführer Handelsverband Sachsen

Und das führe im Ergebnis dazu, dass man die Sonntagsöffnungen, die man eigentlich schon durch die Städte genehmigt bekommen habe, dann wieder untersagt bekomme.

Sonntagsruhe für Online-Händler ein Vorteil

René Glaser fordert: Der Handel solle generell an bis zu vier Sonntagen im Jahr öffnen dürfen, ohne Bedingungen. Der Verbandsvertreter argumentiert, man müsse sich auch gegen die wachsende Konkurrenz von Online-Händlern behaupten. Denn das Internet habe sieben Tage die Woche 24 Stunden geöffnet: "Und uns ist bekannt, dass die höchsten Klickraten am Sonntag stattfinden. Und darin sehen wir natürlich eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung zulasten des stationären Einzelhandels."

Doch für die Gewerkschaft Verdi ist das kein Argument. Landesfachbereichsleiter Jörg Lauenroth-Mago sagt, der freie Sonntag diene den Verkäufern zur Erholung, er sei Familientag, etwas Besonderes. Zwar könne man bei Online-Händlern tatsächlich immer bestellen, sonntags arbeite dort aber nur der Computer.

Am Sonntag werden keine Pakete gepackt.

Jörg Lauenroth-Mago, Landesfachbereichsleiter Verdi

Und so, wie man darauf achte, dass die Sonntagsruhe eingehalten werde, achte man auch darauf, dass Online-Händler wie Amazon sonntags nicht arbeiten. "Es gab schon mal Versuche", erzählt Lauenroth-Mago. "Das haben wir gerichtlich korrigieren können." Also auch bei Amazon werde sonntags nicht gepackt.

Verkaufsoffene Sonntage nur zu passendem Anlass erlaubt

Lauenroth-Mago hält die jetzige Regelung für ausreichend. In den Städten dürfen Läden nur ausnahmsweise auch mal sonntags öffnen. Und der Gewerkschafter zitiert die Rechtsprechung: Der Anlass müsse so herausragend sein, dass er mehr Besucher anlocken würde als die geöffneten Läden für sich allein.

Es gehe dabei nicht darum, dass die Geschäfte an diesem Tag möglichst viel Umsatz machen, sondern dass sie das Fest abrunden und begleiten, sagt Lauenroth-Mago. Unterm Strich sieht es der Gewerkschafter wie die Kirchen: Der Sonntag ist heilig. Ein Kulturgut, zu dessen Schutz er auch mal vor Gericht zieht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Februar 2020 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2020, 08:30 Uhr

10 Kommentare

Chemnitzer vor 6 Wochen

Natürlich wollen die Geschäfte in den Citys verdienen. Die Katze beisst sich eben selbst in den Schwanz, oder der Paketdienst bekommt 2 Tage in der Woche frei. So könnte alles beim Alten bleiben. Aber immer mehr, immer...

GEWY vor 6 Wochen

Verdi? Verstehe die wer will. Ich finde es überhaupt nicht gut wenn Läden sonntags öffnen. Die Angestellten sollten aber nicht nur etwas vom Sonntag sondern auch vom Wochenende haben. Kein Mensch versteht diese geballte Faust von Verdi, wenn auf der anderen Seite vor allem im Sommerhalbjahr Geschäfte samstags bis 20 Uhr ja sogar bis 22 Uhr öffnen dürfen. Bei feinsten Sommerwetter und 30 Grad stehen dann die Verkäufer in leeren Laden und gucken Löcher in die Luft. Da interessiert Verdi die Familie nicht. Auf der anderen Seite dürfen in "touristisch belebten" Orten Geschäfte über 40x im Sommer öffnen, aber im Weihnachtsland Erzgebirge von Chemnitz über Zwickau bis Plauen , Aue, Annaberg darf nur 2x im Advent geöffnet werden, obwohl das dort seit 100 Jahren Tradition war und in keiner anderen Zeit dort so viel Touristen kommen. Macht die Läden vom 1. Mai bis 30 September samstags spätestens 18 Uhr zu. Lebensmittel von mir aus 20 Uhr. Lasst uns aber im Advent die Einkaufsonntage.

zenkimaus vor 6 Wochen

So mal Butter bei die Fische. Die letzten Sonntage waren unterirdisch. Personal wurde eher nach Hause geschickt. Seit Jahren ist der Umsatz an den Sonntagen Auf Talfahrt. Gucker sind unterwegs. Die Kaufen nix. Egal ob Sonntag auf ist oder nicht, die Klickzahlen werden hoch bleiben. Wenn ich unter der Woche keine Zeit habe, gehe ich bestimmt nicht am Sonntag rumrammeln , da kauf ich doch lieber im Netz und bequemer ist es auch. Daß kann kein Händler bieten. Da müssen sich die Händler mal einfach was ausdenken