Anzeige der Schuldenuhr Deutschland vom Bund der Steuerzahler in Berlin
Bildrechte: imago/STPP

1.929,8 Milliarden Euro Deutschland verringert Schuldenlast

Bund, Länder und Kommunen haben in diesem Jahr 45 Milliarden Euro von ihrem Schuldenberg abgetragen. Die Staatsverschuldung sinkt damit wieder unter die EU-Vorgabe von 60 Prozent der Wirtschaftsleistung. Jedoch gibt es im Bundesvergleich zwischen Ländern und Kommunen erhebliche Unterschiede - Vorreiter beim Schuldenabbau sind Sachsen und ostdeutsche Städte.

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Der deutsche Staat hat seinen Schuldenberg durch die gute Wirtschaftslage weiter verringert. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung einschließlich aller Extrahaushalte standen Ende September mit 1929,8 Milliarden Euro im Minus.

Das waren 2,3 Prozent oder 45 Milliarden Euro weniger als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Der Staat profitierte vor allem von steigender Beschäftigung, höheren Steuer- und Beitragsaufkommen sowie von niedrigen Zinsen.

Staatsverschuldung sinkt unter Grenzwert

Die Bundesbank rechnet damit, dass die Staatsverschuldung in diesem Jahr erstmals seit 2002 unter die Marke von 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes sinken kann. Diese Obergrenze ist in den EU-Verträgen vorgegeben, doch verstoßen viele Staaten dagegen. Die nach Deutschland zweitgrößte EU-Volkswirtschaft Frankreich kommt auf rund 100 Prozent, die Nummer drei Italien sogar auf rund 130 Prozent.

Sachsen Vorreiter beim Schuldenabbau

Der Bund reduzierte seine Außenstände um 1,4 Prozent auf 1,226 Billionen Euro, die Länder sogar um 3,4 Prozent auf 572 Milliarden Euro. Den höchsten Rückgang im Ländervergleich meldete Sachsen mit 13,9 Prozent, gefolgt von Baden-Württemberg (-12,5) und Bayern (-11,4).

Laut Statistischem Bundesamt verringerten bis auf Hamburg und Schleswig-Holstein alle Bundesländer ihre Verbindlichkeiten. Beide Länder litten unter der Pleite der HSH Nordbank.

Der Schuldenstand der Gemeinden sank um 5,5 Prozent auf 131,1 Milliarden Euro. Besonders starke Rückgänge gab es in Mecklenburg-Vorpommern (-9,4 Prozent) und auch wieder in Sachsen (-8,9).

Ostdeutsche Kommunen sparsamer

Die Gesamtschulden der 76 deutschen Großstädte sank 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent. Vor allem in Ostdeutschland und Bayern besserte sich die Lage, wie eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst&Young zeigt. Jedoch wies jede zweite Großstadt der westdeutschen Bundesländer im Vergleich zum Vorjahr eine höhere Gesamtverschuldung auf.

Marktplatz Jena mit Riesenrad
Jena hat von den Ost-Städten die geringste Pro-Kopf-Verschuldung. Bildrechte: MDR Thüringen/Ria Weber

Die Gesamtverschuldung von Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern stieg demnach in Niedersachsen um 8,2 Prozent. Von den acht bayerischen Großstädten konnten sieben ihre Schulden reduzieren, von den zehn ostdeutschen Großstädten schafften das acht.

Die durchschnittliche Pro-Kopf-Verschuldung der Großstädte sank auf den niedrigsten Wert seit 2012. Während Ost-Großstädte ihre Pro-Kopf-Verschuldung seit 2012 um fast zwölf Prozent senken konnten, sank sie in den westdeutschen Städten nur um rund ein Prozent. Die niedrigste Verschuldung je Einwohner hatten Braunschweig mit 347 Euro, Jena mit 834 Euro und Dresden mit 892 Euro. Schulden-Spitzenreiter waren Ende 2017 die nordrhein-westfälischen Städte Mülheim an der Ruhr und Oberhausen. Dort stand jeder Bürger mit knapp 10.000 Euro in der Kreide.

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Dezember 2018 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Dezember 2018, 11:00 Uhr

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34 Kommentare

22.12.2018 11:54 Klaus 34

@ { 22.12.2018 11:17 Wo geht es hin? }
Das ist doch prima, wenn die ihre Schulden nicht zurückzahlen, dann gehört uns bald ein Teil von Gr, It und Frankreich. Die haben sowieso bessere Urlaubsgebiete am Mittelmeer. Die würde ich als erstes Pfänden. Die Strände würde ich dann vermieten, da kommt dann auch zusätzliches Geld rein.

22.12.2018 11:17 Wo geht es hin? 33

@Klaus: Noch mal ein paar Zahlen, die NICHT auf der Schuldenuhr stehen: Im Teilprogramm PSPP hat die EZB seit März 2015 Wertpapiere (andere sagen Schrott) der öffentlichen Hand verschiedener EU - Staaten in Höhe von über 2.500 Milliarden gekauft. Inzwischen steht die Bilanzsumme der EZB bei 4,66 Billionen. Das sind 41,6 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der kompletten Euro-Zone. Wahnsinn - oder? Die EZB und damit auch indirekt die Bundesbank - welche zu 18,37 Prozent an der EZB beteiligt ist – sind dank des EZB-Kaufprogramm mittlerweile zum größten Gläubiger der Euro-Staaten aufgestiegen. Was glauben Sie, wie viel die Bundesbank von der enormen Summe jemals wiedersieht? Glauben Sie ernsthaft, dass GR, IT oder FR je etwas davon zurückzahlen? Das Geld ist nicht weg - es hat nur jemand anderes - und das auch noch teilweise zweckentfremdet, um private Banken zu "retten". Ich sag`s ja - ein gigantischer Umverteilungsprozess.

22.12.2018 08:39 Klaus 32

Zitat: "Die Bundesbank rechnet damit, dass die Staatsverschuldung in diesem Jahr erstmals seit 2002 unter die Marke von 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes sinken kann."
Was gibt es daran zu meckern, vor wenigen Jahren waren wir noch bei 80 %. Das soll uns, bzw. unserer Regierung erst mal einer nachmachen. Das ist ein absoluter Erfolg. Und, was auch ganz wichtig ist, es geht so weiter, der Haushalt 2019 ist auch ohne Neuverschuldung geplant.

22.12.2018 08:36 Wo geht es hin? 31

@Klaus: Setzen Sie doch mal die rosarote Brille ab. Wenn man den Schuldenabbau aber auf Kosten der Infrastruktur , der Bildung, der Pflege, der Sicherheit usw. macht - als was würden Sie das dann bezeichnen? Ich würde von Mogelpackung sprechen, weil die dringend notwendigen Investitionen eben in die Zukunft verschoben wurden. DAS hat mit Nachhaltigkeit, Innovation oder weiser Voraussicht absolut nichts zu tun. DAS ist Raubbau an der Substanz, die vor vielen Jahren durch fleissige Menschen gelegt wurde. Wenn die Substanz aber aufgebraucht ist, ja dann ist es zu spät und dann hilft auch kein Schuldenabbau im marginalen Bereich heutzutage mehr. DANN kommen die Heuschrecken. Und so manche sind schon da.

21.12.2018 22:31 Klaus 30

@ { 21.12.2018 19:38 Wo geht es hin? }
Wenn der Staat überschuldet ist, dann würde das zutreffen. Deutschland ist aber nicht überschuldet. Deutschland zahlt nicht nur Zinsen, sondern verringert seine Schulden sogar.
Und bei uns ist die Infrastruktur (Straßen, Schulen, Kindergärten usw.) in Ordnung und wird laufend auf einen guten Stand gebracht.
Unsere Besorgten wollen alles schlecht reden und argumentieren vollkommen außerhalb der Realität.
Aber das ist wohl eher ein psychologisches Problem. Manche Leute sehen alles negativ. Wenn die im Lotto gewinnen jammern die über die dann fällige Steuerzahlung. Das hat mit Vernunft nichts zu tun. :-)

21.12.2018 20:18 Klaus 29

@ { 21.12.2018 10:32 Wo geht es hin? }
Wichtig bei der Verschuldung ist doch, das man die Darlehen bedienen kann, d. h. zumindest die Zinsen sicher zahlen kann und genug Vertrauern erzeugt, dass man Kreditgeber für die Anschlussfinanzierung erhält. Und wenn man dann noch Schulden durch Tilgung reduziert, dann ist alles wunderbar. Und genau an diesem Punkt sind wir jetzt schon länger und nachhaltig.
Mit meinen Häusern mache ich das ebenso, die finanzieren sich von selbst und am Monatsende bleibt sogar noch etwas übrig. Trotz der fast 2 Millionen Schulden würde ich jetzt nicht sagen, dass ich arm bin, zumal ich noch mein Gehalt habe und mietfrei wohne.
Von daher macht unsere Regierung das vollkommen richtig und erfüllt damit die EU-Vorgabe von 60 Prozent der Wirtschaftsleistung was die Verschuldung angeht.

21.12.2018 19:38 Wo geht es hin? 28

@Gaihadres - Zitat von Ihnen: "Dazu zählen beispielsweise Straßen oder andere Infrastrukturen." Zitat Ende. Die in einem desolatem Gesamtzustand sind. Wie kann so etwas geschehen? Wie können nach Ihrer Interpretation dann z. Bsp. Investitionsstaus in zigfacher Milliardenhöhe (oder wollen Sie das bestreiten?) in fast allen Ressorts des Bundeshaushaltes erst entstehen? Es geschieht ein gigantischer Umverteilungsprozess von unten nach oben. Wenn der Staat überschuldet ist, übernehmen private "Investoren" die eigentlichen Primäraufgaben des Staates (z.Bsp. Wasser, Strom, Häfen usw. siehe GR). Und DAS ist das Tafelsilber, was das jeweilige Volk mit seiner Hände Arbeit (Steuern) ERSCHAFFEN hat. Die Folgen der Übernahme sind höhere Preise, Sozialabbau usw.. Denn der "Investor" schuldet seinen Anteilseignern Gewinn - nicht dem Volk. So einfach ist das.

21.12.2018 13:20 Klaus 27

@ { 20.12.2018 22:07 Dorfbewohner }
Beim Staat ist das auch so, dann muss das Tafelsilber (Staatsbetriebe) verkauft werden oder die Einnahmen werden kassiert.
Aber soweit kommt es ja gar nicht. Wie im Bericht oben zu lesen ist, werden die Schulden sogar reduziert. Von daher ist die Jammerei unserer Besorgten überhaupt nicht zu verstehen.

21.12.2018 13:09 Klaus 26

@ { 21.12.2018 10:32 Wo geht es hin? }
Offensichtlich haben Sie vergessen Ihre Argumente aufzuführen. Aber macht nichts, die Argumente sind wohl ausgegangen.
Die Schuldenreduzierung ist nach wie vor richtig und Deutschland ist nach wie vor kein armes Land.
Daran, dass unsere Besorgten das abstreiten, kann man doch erkennen wie weit unsere Besorgten von der Realität weg sind.

21.12.2018 13:00 Gaihadres 25

@Nr.22: Staatsbetriebe (Tafelsilber) zu besitzen heißt nicht, dass diese auch (Mehr-)wert bieten. Ein überschuldeter Staat ist gar nicht und kaum in der Lage Staatsbetriebe Innovativ zu geschalten und einem Investitionsstau aufzulösen. Irgendwann wird der Betrieb zu einem Zuschussgeschäft - Sie müssen also noch Geld zuschießen und können trotzdem die vorgenannten Punkte nicht erfüllen. So wird die Staatsverschuldung größer und es hat keinen Effekt einen solchen Betrieb zu besitzen. Das Tafelsilber ist zwar nicht Wertlos, aber auch nicht Wertvoll. Solche Teile abzustoßen ist also für die Entschuldung wichtig. Steht der Staat irgendwann wieder auf eigenen Beinen, kann er neue Betriebe gründen oder die alten ganz/teilweise zurückkaufen. Klingt erst mal Paradox ist aber bei jedem Bürger das gleiche. Warum ein Pferd halten, wenn man es nicht bezahlen kann. Erst entschulden / neues Einkommen generieren und dann kann ich das Pferd auch wieder bezahlen. So einfach ist das.