RWE und E.ON David gegen Goliath: Stadtwerke im Kampf gegen Energieriesen

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Die großen Energiekonzerne RWE und E.ON machen seit zwei Jahren gemeinsame Sache. Sie haben ihre Geschäfte so untereinander aufgeteilt, dass sie sich gegenseitig keine Konkurrenz mehr machen. An RWE gingen Kraftwerke und Ökostromanlagen; E.ON kümmert sich nun um Stromnetze und Endkunden. Die Kartellbehörden haben das bewilligt. Doch mehrere ostdeutsche Stadtwerke befürchten, durch die Kooperation der Energieriesen erdrückt zu werden – und sie wehren sich.

Stadtwerke Leipzig
Die Stadtwerke Leipzig klagen zusammen mit den Stadtwerken aus Dresden, Chemnitz, Halle und Erfurt für mehr Auflagen für die Energieriesen E.ON und RWE. Bildrechte: Stadtwerke Leipzig

Es ist ein bisschen wie bei David gegen Goliath: Klein gegen Groß. Zehn Stadtwerke und ein Ökostromanbieter klagen beim Europäischen Gericht gegen die Zusammenarbeit der Energiegiganten RWE und E.ON. Wie die Sache ausgeht, ist offen. Doch Karsten Rogall weiß natürlich, bei wem die Sympathien in diesem Konflikt liegen. Der Manager der Stadtwerke Leipzig sagt, die Kleinen seien nah beim Kunden: "Bei uns kann der Kunde auch auf den Tisch hauen und sagen: Das ist nicht in Ordnung, was ihr hier macht."

Aber noch viel wichtiger sei, dass sich die Stadtwerke der Daseinsvorsorge hier auch verpflichtet fühlen würden. "Wir unterstützen Vereine, Kultur. All die Dinge, die diese Stadt auch lebenswert machen. Und wir sorgen dafür, dass auch der Zoo beleuchtet bleibt, die Krankenhäuser warm bleiben", erklärt Rogall.

RWE und E.ON teilen Strommarkt unter sich auf

Doch der Manager fürchtet, dass ihm die Marktriesen dafür den Spielraum nehmen. Denn RWE und E.ON sind noch mächtiger, seit sie ihre Geschäfte getauscht haben. RWE ist nur noch Stromerzeuger, der deutschlandweit größte. E.ON beherrscht einen Großteil der Netze und agiert nun als bedeutendster Händler. Dabei wirbt der Konzern nicht nur im eigenen Namen um Kunden, sondern auch mit Marken wie Eprimo oder "E – wie Einfach".

Die Kartellbehörden hatten keine Einwände. Rogall versteht das nicht: "Die Prüfprozesse, die stattgefunden haben, waren nicht tiefgreifend. Was wir vorwerfen ist: Es wurde schnell, schnell durchentschieden. Wir wurden angehört, aber unsere Argumente wurden überhaupt nicht wahrgenommen."

Die Auflagen, die erteilt wurden, mit Verlaub, die waren lächerlich.

Karsten Rogall, Manager Stadtwerke Leipzig

Stadtwerke gegen Energieriese – und die Bundesregierung

Nun läuft die Klage. Mit dabei sind auch die Stadtwerke Halle, der Energieverbund Dresden, die Chemnitzer EINS Energie und die Thüringer Energie AG (Teag). Deren Vorstand Stefan Reindl ärgert sich vor allem darüber, dass sich die Bundesregierung auf die Seite von RWE und E.ON geschlagen habe – als Streithelfer vor Gericht.

Das gehe gar nicht, kritisiert Reindl: "Wir brauchen in Deutschland in der Energieversorgung keinen nationalen Champion. Wir haben in Deutschland seit weit über 100 Jahren über 1.000 kommunale Unternehmen – Stadtwerke und kommunale Regionalversorger. Die über alle Weltkriege und alle schweren Zeiten hinweg einen hervorragenden Job machen in der Daseinsvorsorge."

Fragt man bei der Regierung nach, warum sie RWE und E.ON vor Gericht unterstützt, fällt die Antwort technisch aus. Das Wirtschaftsministerium schreibt, es gehe nur darum, dem Gericht Zuständigkeiten auf Behördenebene zu erläutern. Die Zusammenarbeit der Konzerne selbst bewerte man nicht.

Stadtwerke hoffen auf nachträgliche Auflagen

Die Stadtwerke bezweifeln das. In Zeitungsanzeigen fordern sie von der Regierung fairen Wettbewerb. Und sie hoffen, dass das Europäische Gericht die Kooperation von RWE und E.ON nachträglich mit Auflagen versieht.

Eine Auflage könnte nach den Worten von Reindl sein, dass ein Teil des Vermögens abgegeben werde oder auch bestimmte Geschäftsbereiche, die zu dieser Intransparenz und Dominanz führten. "Oder eine andere Auflage, die wir auch eingefordert haben, ist, dass E.ON mit der Vielzahl dieser unterschiedlichen Marken un,ter der sie auftreten, das auch transparent machen müssen. Damit der Verbraucher eben nicht mehr bei Check24 zehn Marken sieht, aber in Wirklichkeit sind es nur drei, die dahinter stecken", erklärt der Teag-Vorstand.

Nach Berechnungen des Beratungsunternehmens BET kommt E.ON beim Endkundengeschäft auf einen Marktanteil von 40 Prozent. Zudem kontrolliere der Konzern dank des Deals mit RWE weite Teile des deutschen Verteilnetzes. Ob das so bleiben kann, muss das Gericht entscheiden. Ein Urteil dürfte es erst in zwei bis zweieinhalb Jahren geben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. November 2020 | 07:05 Uhr

5 Kommentare

Matthi vor 1 Wochen

Gibt es wirklich einen Wettbewerb oder sind die meisten günstigeren Angebote nur lockangebote für Neukunden und im nächsten Jahr wird es teurer ? Es ist ja kein Geheimnis das viele Firmen ihre Bestandskunden mit immer höheren Kosten ausquetschen und nur Neukunden Preisvorteile geben.

Matthi vor 1 Wochen

Als ehemaliger Mitarbeiter des Energiekombinates Thüringen (ENAG, TEAG) hab ich erlebt wie der Energiemarkt nach der Wende aufgeteilt wurde mit dem Segen der jeweiligen Landesregierungen, in Thüringen war es das Bayernwerk was übernommen hat danach kam EON. Viele Bürger denken doch das es einen offenen Markt gibt und jeder die Netze nutzen kann vormal ist das richtig aber fragt euch mal wer an den Netzen beteiligt ist und über die Netzentgelte sehr gut verdient. Zum Thema Stadtwerke Erfurt im Kraftwerk Erfurt wird mit Gas und Wärmerückkopplung Strom und Fernwärme erzeugt, es ist verwunderlich das bei sinkenden Gaspreis die Ersparnisse nicht an die Stromkunden weitergegeben werden aber wenn der Gaspreis sich erhöht es zu Erhöhungen der Strompreise oder Grundgebühr kommt wie letztes Jahr 2 Erhöhungen der Stromkosten für den Kunden. Es ist egal wer das Sagen (Konzern) hat bis jetzt kannten die Strompreise nur eine Richtung nach oben.

Leachim-21 vor 1 Wochen

wenn man diesen Artikel gelesen hat stellt sich die Frage warum hier eine Monopolstellung von Konzernen zugelassen wird obwohl es ja laut Gesetz Monopolstellungen bei uns untersagt sind. da Zweifel ich sehr an den Staat und den Behörden ob Sie auf dem Boden der Rechtstaatlichkeit stehen wenn hier Monopole zugelassen werden.