Coronavirus Worauf es für Start-ups in der Krise ankommt

Die Corona-Krise hat auch die Start-up-Szene getroffen. Es gibt aber auch Profiteure. Wir haben mit dem Betreiber eines Coworking-Spaces und einem Wirtschaftswissenschaftler darüber gesprochen, welche Start-ups überleben.

Junge Leute arbeiten im Agora Collective - Center for Contemporary Practices, einem Coworking Space in Berlin
In Bürogemeinschaften oder Coworking-Spaces arbeiten Gründer zumeist an ihren Geschäftsideen. Bildrechte: dpa

An der Grenze zwischen Leipziger City und Südvorstadt liegt das "Basislager". Der Anbieter für sogenannte Coworking-Spaces bietet Start-ups, Freelancern und Co. Arbeitsplätze samt nötiger Infrastruktur. Und langsam würden sich die Plätze wieder füllen, erzählt "Basislager"-Leiter Marco Weichholdt: "Wir hatten ein paar Wochen sehr, sehr leere Etagen. Wir sind ja auf fünf Etagen unterwegs. Eine Weile lang waren gar keine Leute da." Im Moment würden sie aber Stück für Stück wiederkommen.

Komplettverlust und Krisengewinner

Weichholdt hat einen guten Einblick in die über 30 Start-ups, die im "Basislager" arbeiten. Die Corona-Krise und der Lockdown habe auch die Start-Up-Szene überraschend getroffen. Doch während manche in dieser Krise alles verloren hätten, wären manche Start-ups zu Gewinnern der Krise geworden, betont Weichholdt:

Es gibt Unternehmen, die extrem gut vorbereitet waren, die in Digitalisierungsbereichen gearbeitet haben. Es gibt Start-ups, die über Nacht einfach ihren kompletten Umsatz verloren haben.

Marco Weichholdt Basislager Leipzig

Diese hätten in Bereichen gearbeitet, die komplett eingebrochen seien, etwa Start-ups, die Individualreisen angeboten hätten, sagt Weichholdt weiter. Manche Gründer hätten ihr gesamtes Geschäftsmodell auch über Nacht umgebaut, um für Investoren interessant zu bleiben.

Bessere Chancen für Gemeinwohl-Start-ups

Timo Meynhardt, Professor für Wirtschaftspsychologie und Führung an der Handelshochschule in Leipzig (HHL) kommentiert die Entwicklung so: "Da zeigt sich doch rasch, was sozusagen 'weg kann', was nicht gebraucht wird und da gibt es einen Gesundungsprozess, einen Schrumpfungsprozess."

Andererseits gebe es aber auch eine Stärkung. Ob weiter investiert werde, hänge von der Grundidee der einzelnen Start-ups ab, glaubt Meynhardt: "Wer relevante Probleme löst, die auch einem Gemeinwohl nutzen, wie es unsere Forschung auch sagt, werden eher überleben. Und die anderen, die eher Luxusprobleme lösen, reine Profitabilitätserwägungen haben und sich weniger um gesellschaftliche Fragen kümmern, die haben eher Probleme."

Unternehmensalter sagt nichts über Krisenresistenz

Marco Weichholdt vom "Basislager" stimmt dem zu. Und doch spielt seiner Meinung nach noch ein anderer Aspekt eine Rolle: Das Glück: "Wenn du zu spät bist und zu festgefahren und dich eben nicht mehr anpassen kannst, dann kann es sein, dass du wie ein Mittelständler extrem zu kämpfen hast."

Stecke das Start-up hingegen noch in einem frühen Stadium, könne es auch sein, dass das Start-up zwar im richtigen Bereich aktiv sei, aber nicht schnell genug wachsen könne, sagt Weichholdt weiter: "So ein Wachstum kannst du nicht prognostizieren und dafür brauchst du auch Geld um darauf zu reagieren." Ärgerlich sei es für viele Gründer gewesen, dass die staatlichen Hilfen erst nach zwei Monaten Corona-Krise beschlossen worden seien. Zwei Monate seien für Gründer ohne Rücklagen eine sehr lange Zeit, erzählt Weichholdt. Für Timo Meynhardt von der HHL ist das aber nur ein Aspekt: "Ich bin überzeugt, dass gute Ideen wichtiger sind als Geld. Geld findet Abnehmer, solange eine Idee gut ist." Und gute Ideen seien die, die in irgendeiner Weise dem Gemeinwohl dienen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Juni 2020 | 05:00 Uhr

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