Ein Vater sitzt mit seiner kleinen Tochter im Wohnzimmer vor dem Sofa und blättert mit ihr in einem Buch.
Alleinerziehende fordern Steuervorteile. Bildrechte: imago images / Westend61

Statt Ehegattensplitting Steuerentlastungen für Alleinerziehende gefordert

Rund 2,6 Millionen Eltern in Deutschland ziehen ihre Kinder alleine groß. Fast immer sind es Frauen und fast immer sind sie vergleichsweise arm. Das Statistische Bundesamt hat errechnet, dass eine Alleinerziehende im Schnitt knapp 1.000 Euro pro Monat verdient, inklusive staatlicher Stütze. Und trotzdem werden Alleinerziehende steuerlich viel weniger entlastet als Ehepaare. Die Forderungen nach Reformen werden lauter.

von André Seifert, MDR AKTUELL

Ein Vater sitzt mit seiner kleinen Tochter im Wohnzimmer vor dem Sofa und blättert mit ihr in einem Buch.
Alleinerziehende fordern Steuervorteile. Bildrechte: imago images / Westend61

Ines K. ist Mutter einer 13 Jahre alten Tochter und alleinerziehend. Die Leipzigerin sitzt in ihrer Küche und zeigt ihre Steuerunterlagen. Als Altenpflegerin verdient sie rund 2.200 Euro im Monat brutto, davon zahlt sie rund 160 Euro Lohnsteuer. 

Man kommt gerade so hin, man kann sich aber keine Extras leisten. Wenn man Extras haben will, muss man schon daraufhin sparen oder muss sich eben ein bisschen zusammenreißen privat. Die Welt ist es nicht.

Ines K. Alleinerziehende Mutter

Hätte Ines K. kein Kind, sie müsste monatlich 40 Euro mehr an Steuern zahlen. Mit anderen Worten: Ob alleinerziehend oder Single - rein steuerlich betrachtet ist das fast egal. So richtig sauer wird Ines K. allerdings bei folgender Rechnung: Hätte sie nämlich kein Kind und stattdessen einen doppelt so gut verdienenden Mann, würde sie sogar weniger Steuern zahlen. Und das hält sie für "Verarsche". 

Alleinerziehende fordern Entlastung

Eine Mutter hält ihren Sohn an der Hand.
Alleinerziehende sind deutlich öfter von Armut bedroht als Ehepaare. Bildrechte: dpa

Das Steuerrecht behandelt Ein-Eltern-Familien ungerecht, kritisiert Miriam Hoheisel vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter, VAMV, seit Jahren. Und das gehe schon beim sogenannten Entlastungsbetrag los. Das ist ein festgelegter Betrag, den Alleinerziehende in ihrer Steuererklärung von ihren Einkünften abziehen können, um so insgesamt weniger Steuern zahlen zu müssen. Mit rund 1.900 Euro pro Kind pro Jahr sei dieser Betrag aber viel zu gering. 

Deswegen fordere sie, den Betrag an den Grundfreibetrag für Erwachsene anzupassen: "Das sind zurzeit 9.168 Euro. Das würde mir bringen, dass ich als Alleinerziehende die gleiche steuerliche Entlastung habe wie Ehepaare."

Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter verlangt zudem die Abschaffung des sogenannten Ehegattensplittings - eine Steuererleichterung für Verheiratete mit ungleichem Einkommen.

Linke und Grünen wollen Kinderförderung statt Ehegattensplitting

Unterstützt wird der VAMV von Linken und Grünen. Beide Parteien wollen das Ehegattensplitting lieber heute als morgen durch eine Familien- und Kinderförderung ersetzen. Aktuell hätten insbesondere Alleinerziehende das Nachsehen, erklärt Buddeberg (Linke), sie hätten überhaupt nichts vom Ehegattensplitting.

Deswegen sagen wir, es braucht eine Individualbesteuerung. Und vor allem müssen die Kinder gefördert werden.

Katja Meier Bündnis 90/Die Grünen Sachsen

CDU will Ehegattensplitting nur nachbessern

Die Union dagegen hält am Ehegattensplitting fest. Und das selbst in den ostdeutschen Bundesländern, wo Statistiken zeigen, dass die Paare kaum etwas von der Steuererleichterung haben, da viele Frauen voll berufstätig sind. Tobias Krull von der CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt sieht aber zumindest Nachbesserungsbedarf.

Ein mittelalter Mann lächelt in die Kamera.
Krull will das Ehegattensplitting zumindest reformieren. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT/Tobias Krull

Die Debatte führt die CDU, in welcher Form wir das Ehegattensplitting weiterentwickeln, um tatsächlich nicht nur die Ehe zu schützen und die Ehe zu bevorteilen, sondern auch einen Schwerpunkt da zu setzen, da Unterstützung zu leisten, wo Kinder sind.

Tobias Krull CDU Sachsen-Anhalt

Genauere Pläne, wie diese Unterstützung für Kinder aussehen könnte, hat Tobias Krull von der CDU derzeit aber nicht. Bis sich politisch etwas verändert, wird die Tochter von Ines K. aus Leipzig wohl längst aus dem Haus sein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juli 2019 | 08:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2019, 05:00 Uhr

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13 Kommentare

23.07.2019 19:15 Manni an Johny (12) 13

"Wer das Ehegattensplitting abschaffen will, hat den Zweck nicht verstanden. Ehegattensplitting ist keine Sozialleistung, sondern dient der Steuergerechtigkeit und gewährleistet, dass Ehepaare - egal, wer anteilmäßig wieviel zum Familiengesamteinkommen beisteuert - die gleiche Einkommenssteuer zahlen."

Diese Steuergerechtigkeit wird auch in anderen Ausgestaltungen der Einkommensbesteuerung erreicht. Nicht umsonst hat das BuVerfG genau dies auch inhaltlich offengelassen und steht einem Familiensplitting auch nicht ablehnend entgegen.

23.07.2019 17:49 Johny 12

Wer das Ehegattensplitting abschaffen will, hat den Zweck nicht verstanden. Ehegattensplitting ist keine Sozialleistung, sondern dient der Steuergerechtigkeit und gewährleistet, dass Ehepaare - egal, wer anteilmäßig wieviel zum Familiengesamteinkommen beisteuert - die gleiche Einkommenssteuer zahlen. Wer Alleinerziehende entlasten will, sollte das mit Steuermitteln tun.... oder wie üblich aus der Rentenkasse ;-))

22.07.2019 22:29 Manni 11

Frankreich hat KEIN Ehegattensplitting. Frankreich hat ein Familiensplitting. Deshalb gibt es heute in Frankreich 4,9 Millionen minderjährige Kinder MEHR.

Deutschland hat KEIN Familiensplitting. Deutschland hat ein Ehegattensplitting. Deshalb gibt es heute in Deutschland 2,3 Millionen minderjährige Kinder WENIGER!

https://www.mdr.de/nachrichten/vermischtes/bevoelkerungsprognose-sieht-grosse-unterschiede-zwischen-stadt-und-land-100.html

Also, liebe CDU,
PUTSCHT doch von oben einfach weiter gegen den Souverän!
Die demographische Entwicklung, gerade in Ostdeutschland ist KEIN Zufall.

22.07.2019 22:02 Julia 10

Eine Veränderung in diesem Bereich ist dringend nötig.
Ich sehe das ganz genau so.
@"Auch Mutter" zum Thema Unterhaltsleistungen vom Vater kann ich berichten, dass wir z.B. den Mindestunterhalt erhalten. Dieser liegt bei uns bei 250 Euro. Bei einem Kindergartenplatz, den wir benötigen, damit ich überhaupt erst arbeiten gehen kann, fallen alleine bei uns monatlich Kosten in Höhe von 400 Euro an. Somit deckt der Unterhalt noch nicht mal diesen Bereich, geschweige denn andere Bereiche.
Somit ist der Satz von Ines K. für die meisten Alleinerziehenden schon sehr zutreffend mit "Man kann sich keine Extras leisten." Man muss schon sehr kalkulieren und rechnet vieles vorher aus.
Damit möchte ich nicht sagen, dass andere nicht auch sparsam leben müssen (oder wollen).
Aber wenn man alleine sehr vieles und auch so viele Kosten stemmen muss, ist man eben voll auf sich gestellt, emotional wie auch finanziell.

22.07.2019 15:14 Jan 9

@3 Was für ein Zeitgeist sind sie? Ihre Aufforderung finde ich mehr als unpassend.
Die Menschen, die alleine das Familienleben meistern sollte auf jeden Fall mehr Unterstützung bekommen

22.07.2019 13:59 Auch Mutter 8

Bevor man Mutter oder Vater wird, sollte wohl jeder vorher überlegen, ob man auch ein Kind allein groß ziehen kann, da kann ich mich nicht auf die Allgemeinheit berufen, die sollen doch alle für mein Kind mitzahlen. Vergleicht man das Kindergeld von früher (zu DDR-Zeiten - 20 Mark für das erste und zweite Kind) und heute, dazwischen liegen Welten. Ebenso wurde in dem Beitrag auch nichts von der Unterhaltszahlung des Vaters berichtet. Ist heute auch nicht wenig. Falls der nicht zahlen kann, springt natürlich auch wieder Vater Staat mit ein. Um noch einmal auf das Zitat der alleinerziehenden Mutter Ines K. zurückzukommen „Man kommt gerade so hin, man kann sich aber keine Extras leisten...“, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Wie viele Menschen müssen, obwohl sie arbeiten, auch sehr sparsam mit ihrem Geld wirtschaften. Dieser Beitrag ist sehr unvollständig recherchiert.

22.07.2019 11:50 mattotaupa 7

@#3: warum? welches interesse haben sie am bestand von ungerechtigkeiten? warum soll partnerschaft voraussetzung für gerechtere besteuerung sein?

22.07.2019 11:33 WegWeiser 6

Die Grünen haben völlig Recht. Nicht die Menschen müssen sich veralteten und ungerechten Gesetzen anpassen, sondern die Gesetz müssen an die realen Lebenssituationen der Menschen angepasst werden.

22.07.2019 11:01 wwdd 5

Zu 3, Genau, wer sich den Luxus leisten will, alleine den Kühlschrank zu befüllen, alleine zu kochen, den Fernseher zu betreiben oder alleine eine Wohnung zu bewohnen, sollte sich das schon leisten können und sich das Abweichen von der Norm nicht von der Allgemeinheit bezahlen lassen. Fehlende Kompromisbereitschaft in soziale Beziehungen sollte man nicht noch unterstützen oder fördern. Klimaschädlich ist der ungezügelte Mehrverbrauch natürlich auch noch.

22.07.2019 08:52 Mane 4

Geh einfach nicht arbeiten und fertig.