Matthias Müller
VW-Chef Müller schlägt eine Kürzung der Boni um 30 Prozent vor. Bildrechte: dpa

Kürzung wegen Abgasaffäre? VW-Vorstand kann Bonus-Streit nicht lösen

In einer vertraulichen Sitzung diskutierte das VW-Präsidium über die umstrittenen Bonuszahlungen. Die Sicht darauf ist unterschiedlich - sie reicht von voller Auszahlung über Kürzung bis zum Verzicht.

Matthias Müller
VW-Chef Müller schlägt eine Kürzung der Boni um 30 Prozent vor. Bildrechte: dpa

Die umstrittenen Bonuszahlungen für die Vorstände von Volkswagen bleiben ein ungelöstes Streitthema. Das sechsköpfige Präsidium des Aufsichtsrates konnte sich am Montag wie erwartet nicht auf eine Regelung über die millionenschweren Vergütungen einigen. Die Deutsche Presseagentur berichtete, die Beratungsatmosphäre in Wolfsburg sei angespannt gewesen.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Konzernkreisen befürworten der Betriebsrat, das Land Niedersachsen und die IG Metall wegen des Abgas-Skandals eine deutliche Reduzierung der millionenschweren Sonderzahlungen. Dies wäre in der nach wie vor ungelösten Krise ein "politisches Zeichen" nach außen und innen.

Niedersachsens Ministerpräsident will Boni komplett kürzen

Stephan Weil
Niedersachsen Ministerpräsident Stephan Weil. Bildrechte: dpa

Laut Recherchen von NDR, WDR und der "Süddeutschen Zeitung" macht sich vor allem der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil für einen kompletten Verzicht auf Bonuszahlungen stark. Der Konzern dürfe nicht nur Schadensbegrenzung betreiben.

"Es geht auch um Moral", sagte der Regierungschef. Weil betonte, dass sich das Land "für eine umfassende Neuausrichtung als Vorzeigeunternehmen nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht" einsetze. Das Land Niedersachsen ist einer von drei Hauptaktionären bei Volkswagen.

Entscheidung noch nicht gefallen

Dem Vernehmen nach liegen mehrere unterschiedliche Ansätze für den Umgang mit den Boni auf dem Tisch. So soll Vorstandschef Matthias Müller eine Senkung um rund ein Drittel vorgeschlagen haben. Jedoch gebe es innerhalb der Managerriege auch Vertreter, die auf vollen Zahlungen entsprechend den vertraglichen Vereinbarungen bestehen.

Andere Forderungen gehen von einem Komplettverzicht bis zur Abführung eines Teils der Boni in eine Stiftung. "Das Management muss jetzt mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass es sich an den Kosten der Krise beteiligt", sagte ein Aufsichtsratsmitglied. Die Boni sind ein sehr heikles Thema für den kriselnden Konzern. Ihre Höhe oder ein möglicher freiwilliger Verzicht dürften vor dem Hintergrund der Abgas-Affäre nicht nur eine große öffentliche Wirkung haben - auch bei den Mitarbeitern werden die Verhandlungen genau verfolgt.

Auch Winterkorn hat noch Anspruch auf viel Geld

"Es ist den normalen Mitarbeitern nicht zu vermitteln, wenn alle von existenzieller Not sprechen, aber weiterhin Boni in Millionenhöhe fließen sollen", hieß es aus dem Kontrollgremium. Da die variablen Vorstandsvergütungen vertraglich geregelt sind, dürfte Volkswagen nicht ohne entsprechende Zustimmungen der Manager den Rotstift ansetzen. Andernfalls drohen juristische Auseinandersetzungen - und diese will der Konzern möglichst vermeiden.

Auch der zu Beginn der Affäre zurückgetretene Konzern-Vorstandschef Martin Winterkorn hat noch finanzielle Ansprüche aus einem weiterhin gültigen Vertrag. VW hatte im September 2015 nach Vorwürfen der US-Behörden eingeräumt, in großem Stil Manipulations-Software in Dieselautos installiert zu haben. Weltweit sind mehr als elf Millionen Fahrzeuge betroffen, dem Konzern drohen deshalb Milliardenstrafen. Durch die Manipulations-Software wird die Abgasreinigung nur dann voll aktiviert, wenn sich der Wagen auf dem Teststand befindet. Im Normalbetrieb ist der Stickoxid-Ausstoß um ein Vielfaches höher. Bis zum Bekanntwerden der Abgas-Affäre wurden Abgastests aussschließlich auf dem Teststand durchgeführt.

Zuletzt aktualisiert: 11. April 2016, 11:05 Uhr

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4 Kommentare

13.04.2016 14:22 Michael Möller 4

die User 1-3 haben voll recht ,aber etwas fehlt noch wenn der Vorstand und der Aufsichtsrat angeblich nichts mit bekommen haben will wie behautet von denen dann sind diese Personen total fehl am Platz oder Sie haben des gewust dann sind Sie auch dafür verantwortlich zumachen und zurechenschaft zuziehen denn der Normale Arbeitnehmer macht nur was von oben kommt bzw. vorgegeben wird. so sehe ich das.

12.04.2016 09:18 Gerald 3

Die Überschrift heißt "VW-Vorstand kann Bonus-Streit nicht lösen"! Wollen Sie das überhaupt? Diese Frage sollte mal gestellt werden!

11.04.2016 22:45 Gärtner 2

Bei VW fehlt der eiserne Besen. Und der wird kommen oder der Laden fährt vor die Wand. Boni in dieser Situation sind schon sehr arrogant und realitätsfern.

11.04.2016 17:28 Gaby Hoerzer 1

Hallo ihr Manager von VW, mal ganz ehrlich. Hätten sie die Autobauer nicht, könnten sie nichts verdienen. Wer hat denn den Betrug bei ihrem Werk denn ueberhaupt zugelassen?Die Mitarbeiter? Sie sollten mal über WERTE Etik nach denken! Anstand, was jeder schon im Elternhaus beigebracht bekommen hat?
Oder haben sie den Boden unter den Füßen verloren? Ich bin noch berufstätig, seit 48 Jahren im sozialen Bereich.
Mit freundlichen Grüßen
Gaby Hoerzer