Hintergrund Stromausfälle in Deutschland

Gefühlt nehmen die Nachrichten über Stromausfälle zu. Aber wie "stabil" ist die Stromversorgung in Deutschland tatsächlich? Die Bundesnetzagentur findet, dass die Netzsicherheit in Deutschland "gut" sei, auch im internationalen Vergleich.

Stromumspannwerk
Stromnetze sind komplex und durchaus anfällig für Störungen, etwa durch Stürme und Hochwasser. Bildrechte: colourbox.com

Allein am 5. Juli 2019, ein Freitag, haben die Verteilnetzbetreiber bis Mittag 27 lokale Stromausfälle in Deutschland gemeldet. Das hat das offizielle Portal der Netzbetreiber in Deutschland für diesen Tag angezeigt. Auch Grimma bei Leipzig war darunter. Ein Schwelbrand im Umspannwerk Grimma-West hatte am Morgen einen Stromausfall verursacht. Betroffen waren rund 19.200 Haushalte. Ende Juni gab es bei Leipzig, in Schkeuditz und Markranstädt einen Stromausfall, der rund 2.500 Haushalte traf. Grund war nach Angaben des Netzbetreibers die beschädigte Isolation eines Stromkabels.

In Berlin gab es im Februar den bisher längsten Blackout in der Stadt: Mehr als 30 Stunden lang war die Stromversorgung in Köpenick und Grünau unterbrochen. Eine Baufirma hatte zwei 110-Kilovolt-Erdkabel des Verteilnetzbetreibers zerstört.

Bundesnetzagentur: Kein Trend

Solche Ereignisse berechtigen anscheinend aber nicht zur Annahme, dass es in Deutschland jetzt mehr Stromausfälle gibt als früher. "Generell ist es mit unserer Netzsicherheit in Deutschland gut bestellt, auch im internationalen Vergleich", sagte Michael Reifenberg, Pressesprecher der Bundesnetzagentur auf MDR-Anfrage.

Im Vergleichsbericht des Rates europäischer Energieregulierer für 2016 hatte die Schweiz am besten abgeschnitten, mit lediglich neun Minuten durchschnittlicher Versorgungsunterbrechung pro Verbraucher. Auf Platz zwei folgte Deutschland mit knapp 13 Minuten. Franzosen mussten im Schnitt 48 Minuten auf Strom verzichten, die Polen 180 und in Rumänien, dem europaweiten Schlusslicht, waren es 290 Minuten.

Erdkabel schützen vor Wind und Wetter

Die Netzagentur ermittelt jährlich die Versorgungsausfälle in Deutschland. Die Versorger müssen der Behörde alle Unterbrechungen melden, die länger als drei Minuten dauern. Im Jahr 2017 gab es danach deutschlandweit rund 166.500 Ausfälle. Statistisch musste jeder Verbraucher so 15,14 Minuten ohne Strom auskommen. Zehn Jahre zuvor waren es noch 19,25 Minuten. Sachsen und Thüringen lagen 2017 mit elf und 13 Minuten unter dem Bundesdurchschnitt, Sachsen-Anhalt mit 18 darüber.

Das deutsche Stromnetz profitiert dabei auch von seinem hohen Anteil an Erdkabeln. Rund 80 Prozent der 1,8 Millionen Kilometer Stromleitungen in Deutschland liegen unter der Erde und sind besser geschützt. Dennoch ist immer häufiger auch das Wetter für Stromausfälle verantwortlich, durch Stürme, Hochwasser oder Schnee. Die Ausfälle aus solchen Gründen haben sich 2017 gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt.

Der größte Verteilnetzbetreiber im Osten von Deutschland, die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH (Mitnetz), reagiert darauf. Sprecherin Evelyn Zaruba sagte: "Wir versuchen Freileitungen so viel wie möglich unter die Erde zu verlegen." Das sei zwar nicht immer möglich, doch extreme Wetterlagen machten dies nötig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 05. Juli 2019 | 10:55 Uhr