Ein Bündel 50-Euro-Scheine steckt in einer Steckdose.
Die Strompreise sind in den vergangenen Jahren stets gestiegen. 2018 könnte eine Trendwende markieren. Bildrechte: IMAGO

Sinkende Steuern und Abgaben Strom könnte 2018 günstiger werden

Haben Sie schon Post von Ihrem Stromversorger erhalten? Zum Jahresende erhöhen oder senken viele Anbieter die Preise. Denn dann ist klar, wie hoch die zahlreichen Abgaben auf den Strompreis im kommenden Jahr sein werden. Da gibt es zum Beispiel die EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms. Sie wird sinken. Werden die Versorger das an ihre Kunden weitergeben? Und wie entwickeln sich die anderen Abgaben und Steuern auf den Strompreis?

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Ein Bündel 50-Euro-Scheine steckt in einer Steckdose.
Die Strompreise sind in den vergangenen Jahren stets gestiegen. 2018 könnte eine Trendwende markieren. Bildrechte: IMAGO

2017 war das bislang teuerste Stromjahr. Noch nie haben die Deutschen mehr für ihren Strom bezahlt. Doch nun sinkt tatsächlich die sogenannte EEG-Umlage. Wenn die Versorger das an ihre Kunden weitergeben, kann sich jeder ein Eis gönnen. Oder ein Bier.

Denn viel mehr gibt die Senkung leider nicht her, sagt Thorsten Lenck vom Institut Agora Energiewende: "Die EEG-Umlage im Jahr 2018 ist 0,1 Cent pro Kilowattstunde günstiger als im Jahr 2017. Das bedeutet für einen durchschnittlichen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Strom eine Ersparnis von 3,50 Euro im Jahr."

EEG-Umlage Die EEG-Umlage geht auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz zurück. Sie sichert den Betreibern alternativer Energieanlagen wie Windräder, Solar-, Wasserkraft- und Biogasanlagen eine feste Vergütung. Dadurch soll diesen Technologien zum Durchbruch verholfen werden.

Nennenswertes Potenzial für Preissenkungen

Windkraftanlagen auf einem Feld
2018 sinkt die Umlage zur Förderung der Erneuerbaren Energien (EEG). Bildrechte: IMAGO

Doch der Strompreis besteht aus vielen Abgaben. Und in Summe ergibt sich ein nennenswertes Potenzial für Preissenkungen. So reduziert sich kommendes Jahr die Abgabe für den Netzausbau, das sogenannte Netzentgelt. Und zwar spürbar, sagt Lundquist Neubauer vom Vergleichsportal Verivox: "Die Netzbetreiber haben gerade ihre vorläufigen Netzentgelte bekannt gegeben. Bundesweit senken sie ihre Netzentgelte um vier Prozent. In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sind wir mit knapp 8 Prozent dabei." Das bedeute erst einmal positive Nachrichten für Verbraucher in Mitteldeutschland.

Eine durchschnittliche Familie könnte so 20 Euro im Jahr sparen – wenn die Versorger den Vorteil an ihre Kunden weitergeben. Doch daran hat Celine Iding Zweifel. Sie arbeitet für den Tarifoptimierer SwitchUp. Iding: "Was wir seit Jahren sehen, ist, dass Kostensteigerungen auf Anbieterseite immer weitergegeben werden. Und auf der anderen Seite sieht man, dass der Börsenpreis - der Einkaufspreis für die Stromanbieter - seit Jahren gesunken ist, und dieser Vorteil nie weitergegeben wurde."

Viele Industriebetriebe zahlen keine EEG-Umlage

Mitarbeiter der European Energy Exchange AG (EEX) arbeiten in Leipzig (Sachsen) in der Zentrale des Unternehmens
An Strombörsen, wie hier in Leipzig, sanken in der Vergangenheit die Preise. Verbraucher profitierten davon kaum. Bildrechte: dpa

Verbraucherschützer empfehlen, die Tarife regelmäßig zu vergleichen. Carla Groß von der Verbraucherzentrale Sachsen sieht kurzfristig Potenzial für Preissenkungen. Neben den Versorgern sei aber auch die Politik gefragt. Die Bundesregierung habe mehr als 2.000 Unternehmen von den Abgaben auf Strom befreit. Dieses Geld wird jetzt auf die Normalverbraucher umgelegt.

"Unterm Strich ist es so, dass die Industrie sehr viele Rabatte bekommt, insbesondere energieintensive Unternehmen. Das sind mittlerweile fünf Milliarden Euro pro Jahr", erklärt Groß. Desto höher diese Summe, desto mehr mache sich das bemerkbar bei den Preisen für die privaten Verbraucher.

Carla Groß plädiert dafür, die Befreiungen für die Industrie zu überdenken. Und auch die Entgelte für den Netzausbau sollten fairer verteilt werden. Bislang zahlen ostdeutsche Stromkunden dafür mehr als westdeutsche. Würde sich das ändern, dann reicht die Einsparung hierzulande vielleicht auch für mehr als ein Eis oder ein Bier.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 1.11.2017 | 05:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2017, 08:14 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

10 Kommentare

01.11.2017 16:48 Stromer 10

Wenn man sieht, welche Kopfstände und welchen Riesenaufwand der hiesige regionale, lokale Energieversorger anstellen muss, um den Kunden glaubhaft zu machen, warum die Preise für Strom mal steigen oder auch mal sinken. Und warum der ganze Aufwand? Weil politisch gesteuerte "Abgaben" und "Steuern" sich mal so oder 2018 mal anders verändern. Da bleiben Kosten/Nutzen-Vergleiche, die sich aus der jeweiligen Unternehmens- und Betriebsführung ergeben, auf der Strecke. Und das „motiviert“ die arbeitenden Menschen hier, zusätzlich, bei Gott!

01.11.2017 16:37 Kein Aktivist 9

@ 4. Auch das ist noch nicht das eigentliche Problem. Fachleute diskutieren inzwischen, hinter vorgehaltener Hand versteht sich, über die ökologisch/ökonomische Seite des medial plakatierten E-Wahnsinns. Und wenn das wie die Öko-Glühlampe nach hinten los geht, in eine Sackgasse führt, sind wir wieder mal „alternativlos“, ohne Alternative, von Polit-Aktivisten aber so gewollt.

01.11.2017 12:45 REXt- Merkel hat fertig! 8

Wer glaubt an den Weihnachtsmann, Osterhase? Die Politik sorgt schon dafür das die Stromkonzerne nach diesen plötzlichen Atomausstieg, nicht am Hungertuch nagen! Deshalb versucht man uns auch diese „umweltschädliche“ E -Autos( Batterien in der Herstellung) schmackhaft zu machen, denn Strom kommt bekanntlich aus der Steckdose u. wird bei zunehmenden E Autos noch kräftig im Preis ansteigen.

01.11.2017 11:59 lucifer 7

Der Strom in Deutschland wird niemals billiger, weil sowohl Windkraft- als auch Solaranlagen in regelmäßigen Abständen erneuert werden müssen. Die Kosten dafür trägt der Verbraucher. Der Wahnsinn wird deutlich, wenn man sich woanders umschaut. Ich war auf Malta. Obwohl es dort wie auf Mittelmeerinseln üblich fast immer Wind und Sonne gibt, fand sich kein einziges Windrad und so gut wie keine Solaranlagen. Die Reiseleiterin erklärte, dass es auf Malta nur einen Stromanbieter, also einen Monopolisten,gibt. Strom wird ausschließlich aus importiertem Öl gewonnen. Die Kilowattstunde kostete 9 Cent. Noch Fragen?

01.11.2017 10:47 Fragender Rentner 6

"Könnte" klingt gut, es wird wohl werden, wie bei dem Spruch, wenn das Wörtchen wenn nicht wäre, dann ...!

Diese welche, die dran wollen, benötigen Geld für ihr Klientel !!!

01.11.2017 09:56 OHNEWORTE 5

Wer im realen Kapitalismus billiger verspricht ,bittet den Kunden auf anderer Art und Weise doppelt zur Kasse....

So wie die Wirtsachaft etwas verspricht,so die Politik...die auch immer die grossen Versprechungen , die grossen Ideen verwirklichen will.

Wir leben nicht im Lande von Mutter Theresa !

01.11.2017 09:32 Frederic 4

Die Strompreise in der BRD sind um 50% zu hoch.
Der Bio-Müll, der Propellesrstrom und der Strom aus ERNEUEREBAREM - Unfug versteuern das. Zudem bekommen die Betreiber, - Unsummen an Subventionen bekommen, welche in die Taschen der Betreiber geht.
Es sollte mal überlegt werden,wielange die Erneuer- baren -Resuren reichen --- Nicht auf ewig !!

01.11.2017 07:31 Kritischer Bürger 3

Soll das Bild mit den fuffis die Stromsteigerung oder die Senkung bedeuten? Wenn es die Senkung sein sollte reicht eine 1 Cent Münze nur die sieht man ja in der Steckdose nicht! So wie es im Jahr auch sein wird wenn! Damit wäre dieses Bild wohl nur sinnig für ÜBERTREIBUNGEN!

01.11.2017 07:24 Kritischer Bürger 2

Man plädiere für Festpreise die über 10 Jahre oder mehr beständig bleiben müssen! Da kann sich jeder Bürger darauf viel besser einstellen und mit seinem Geld besser und sicherer rechnen (umgehen) wirtschaften etc. als bisher!

01.11.2017 07:21 Kritischer Bürger 1

Wer meint das der Strom GÜNSTIGER WERDEN KÖNNTE der vergisst das dann entweder die Grundgebühren steigen wegen der höheren Bezahlung=Einkommen und Ausgaben für die ArbN in diesen Bereichen oder man erfindet neue Zusatzkosten. Wird Nachtspeicherstrom hier i in meiner Umgebung mit 0,20 Cent/kwh oder mehr verrechnet (statt bisher mit 0,16 Ct/Kwh) ist von einer Einsparung bei Haushaltsenergie nicht mehr zu sprechen. Weiterhin: Stromtrassen brauchen mehr Geld weil da Umweltorganisationen sich mit einbringen und ganze Bereiche schützen wollen. Ergebnis kennt man ja! Was machen aber auch 2 Cent bei den Energiekosten aus, die ggf. billiger werden im Verhältnis zu den Steigerungen in anderen Bereichen des Alltages? NICHTS!! Am Ende hat der einzelne Bürger NICHTS von solchen "Geschenken". Muss man also nicht so machen als wäre das der ganz ganz große Wurf zum "Gewinn" für Bürger wegen niedriger geringerer Ausgaben im Bereich Energie!

Erneuerbare Energien

Windturbine
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Windturbine
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK