Erdkabelverlegung
Etwa 30 Meter breite Gräben müssten für die Verlegung der Erdstromtrasse ausgehoben werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Stand der Planungen Suedlink: Ein 320.000-Volt-Erdkabel mitten durch Deutschland

Seit das Mega-Projekt "Suedlink" bekannt ist, trifft es auf Widerstand. Nicht nur betroffene Bürger protestieren, Thüringen hat Klage eingereicht. Es geht um eine 30 Meter breite Schneise mitten durch Deutschland und ihre möglichen Folgen für Anwohner, Landwirte, Flora und Fauna.

Erdkabelverlegung
Etwa 30 Meter breite Gräben müssten für die Verlegung der Erdstromtrasse ausgehoben werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sie soll "Hauptschlagader und Rückgrat der Energiewende" sein: Die rund 700 Kilometer lange Stromautobahn Suedlink, die große Mengen Windstrom vom Norden in den Süden bringen soll.

Die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW hatten vor mehr als fünf Jahren erste detaillierte Pläne zum Trassenverlauf vorgelegt. Seit dem gibt es Proteste von Bürgern und Streit zwischen den Bundesländern. Niemand will die Mega-Stromleitung vor seiner Haustür haben – keine Hochspannungs-Freileitungen und auch kein unterirdisches 320.000 Volt-Erdkabel.

Entschädigungen für Bauern einkalkuliert

Nach Tennet-Angaben besteht die Stromleitung aus acht Kabeln. In vier Gräben werden jeweils zwei der armdicken Leitungen in rund 1,80 Meter Tiefe eingegraben. Die Trasse werde etwa 30 Meter breit sein.

Grafik Erdkabeltrasse SuedLink
Für die zu transportierende Strommenge sind laut Betreiber acht Kabel in vier Schächten erforderlich. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kritiker befürchten, dass der Boden über dem Kabel unfruchtbar und nicht mehr nutzbar sei. Auch die Netzbetreiber schließen nicht aus, dass es durch eine Abstrahlung von 60 Watt je Meter und je Ader zu Einschränkungen für die Landwirtschaft kommen kann. Für kurzfristige und langfristige Ernteausfälle würden "großzügige" Entschädigungen an betroffene Landwirte gezahlt.

In den Wäldern werde die Schneise zu sehen sein, so eine Tennet-Sprecherin in einem MDR-Interview.   

Gegner: Ja zur Energiewende, aber ohne Suedlink

Der jahrelange Protest entlang des Trassenverlaufs hat zur Gründung Dutzender Bürgerinitiativen geführt, für die es mittlerweile einen Bundesverband gibt. Dieser fordert den sofortigen Stopp des Planungsverfahrens. Die Politik müsse die Netzplanungen an den tatsächlichen Strombedarf binden und nicht an der erzeugten Strommenge.

Ein überdimensionierter Netzausbau ist weder ökologisch noch volkswirtschaftlich sinnvoll.

Bundesverband der Bürgerinitiativen gegen Suedlink

Thüringen geht juristisch gegen Suedlink vor

Vor allem der Verlauf zwischen Hessen und Thüringen ist umstritten. Die Thüringer Landesregierung hatte im Januar Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eingereicht, damit der Alternativvorschlag zur Trassenführung auch durch Osthessen gleichrangig geprüft wird.

Fast genau ein Jahr zuvor hatte die Bundesnetzagentur entschieden, den Vorschlag aus Thüringen nicht weiter zu berücksichtigen, weil es mehr Konfliktstellen gebe als bei den Vorschlägen der Träger Tennet und TransnetBW.

Nach Angaben von Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (B90/Grüne) würde die Erdkabel-Trasse bei einem Verlauf durch den Westen des Freistaates auch die Naturschutzflächen des Grünen Bandes mehrfach schneiden.

78 Kilometer durch Thüringen

Ein eKarte mit eingezeichnetem Verlauf.
Bildrechte: transnetbw

Den aktuellsten Planungen zufolge sollen 78 Kilometer der Stromtrasse unterirdisch durch Thüringen führen, 135 durch Bayern und 97 Kilometer durch Baden-Württemberg. Den längsten Teil der Kabel bekommt den Plänen zufolge Niedersachsen ab mit 315 Kilometern. Durch Hessen sollen 58 Kilometer verlaufen und 20 Kilometer durch Schleswig-Holstein.

Planungen laufen noch bis mindestens Ende 2021

Den im Februar vorgelegten Trassenverlauf wird die Bundesnetzagentur prüfen. Ende des Jahres könnte die Behörde schließlich einen bis auf 1.000 Meter genauen Korridor bestimmen. Im besten Fall würden die Planfeststellungsverfahren dann Ende 2021 abgeschlossen sein. Klagen könnten Zeitplan und Streckenverlauf aber noch beeinflussen. Strom soll dann ab 2025 fließen.

Die Milliarden-Investion zahlt der Verbraucher

Derzeit sind etwa zehn Milliarden Euro Kosten veranschlagt, die über die Netzgebühren auf die Stromkunden umgelegt werden. Die Abgabe macht derzeit rund ein Viertel des Preises für Privathaushalte aus.   

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. April 2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. April 2019, 20:11 Uhr