Frau wischt die Fliesen des Fußbodens,
Die steuerlichen Erleichterungen bei der Beschäftigung von Haushaltshilfen haben wenig im Kampf gegen Schwarzarbeit gebracht. Bildrechte: imago/Jochen Tack

IW-Studie Fast alle privaten Putzkräfte arbeiten schwarz

Die große Mehrzahl der Reinigungskräfte in deutschen Haushalten arbeitet schwarz. Einer Studie zufolge sind neun von zehn Putz- und Haushaltshilfen illegal beschäftigt - in etwa 2,9 Millionen Haushalten.

Frau wischt die Fliesen des Fußbodens,
Die steuerlichen Erleichterungen bei der Beschäftigung von Haushaltshilfen haben wenig im Kampf gegen Schwarzarbeit gebracht. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Knapp 90 Prozent der deutschen Haushalte mit einer Reinigungskraft lassen ihre Wohnung schwarz putzen. Das ergab eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Demnach beschäftigten von den bundesweit rund 41 Millionen Haushalten im Jahr 2017 mehr als 3,3 Millionen gelegentlich oder regelmäßig eine Hilfe. Knapp 2,9 Millionen Haushalte ließen schwarz reinigen und einkaufen.

Der Verhaltensökonom und Wirtschaftsethiker Dominik Enste hat die Schwarzarbeit in der Branche untersucht. Er kritisiert den unverändert hohen Anteil an illegaler Beschäftigung. Was andere Arbeitnehmer selbstverständlich einforderten -  etwa Rentenbeiträge, bezahlten Urlaub sowie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – würden sie ihren Haushaltshilfen vorenthalten.

Kaum Fortschritte im Kampf gegen Schwarzarbeit

Der Untersuchung zufolge hat sich der Anteil der Schwarzarbeit  durch die steuerliche Absetzbarkeit von haushaltsnahen Dienstleistungen sowie eine vereinfachte Anmeldung über die Minijobzentrale zwar von rund 93 Prozent im Jahr 2005 verringert, lag aber 2017 aber immer noch bei 88,5 Prozent. Nach Einschätzung Enstes blieben diese Zahlen auch danach weitgehend unverändert.

Haushaltshilfen wollen selbst Steuerabgaben sparen

Der Studie zufolge sind es oft die Haushaltshilfen selbst, die ihren Lohn lieber ohne Abzüge kassierten. Es gebe vielfach keinen Anreiz, da sie bei der Krankenversicherung ihres Mannes mitversichert seien und nicht über die Mindesteinzahlung bei der Rente hinauskämen.

Sektor der Schwarz-Putzkräfte wächst

Nach Auffassung von Enste wird das Problem in Zukunft noch größer, weil die Erwerbstätigenquote steige. Immer mehr Frauen arbeiteten. Da laut aktuellen Daten noch immer bei acht von zehn Paaren die Frau alleine den Haushalt bewältige, wachse die Nachfrage nach Putzhilfen. Bei einer Schwarzbeschäftigung würden inzwischen bis zu 16 Euro die Stunde gezahlt, angemeldet gar rund 20 Euro pro Stunde.

Meist fliegt die illegale Beschäftigung demnach auf, wenn die Putzkraft etwa beim Fensterputzen einen Unfall erleidet - oder weil sich Paare trennen und der eine den anderen verpfeift.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Juli 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2019, 12:42 Uhr

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21 Kommentare

17.07.2019 09:41 Achim 21

Wer bezahlt einer legal arbeitenden, steuerabführenden Putzkraft im Krankheitsfall, Krankengeld?

17.07.2019 08:16 Gaihadres 20

@Nr.8: Da liegen Sie falsch. Es ist für viele Menschen überhaupt kein Problem HarzIV zu beziehen bzw. Hausfrau zu sein und inoffiziell (Bargeld) für Jemanden eine Dienstleistung zu erbringen. Wie will der Staat etwas kontrollieren, was keinen Weg geht den man nachvollziehen kann? Und nun denken Sie bitte weiter. Warum sinkt das Rentenniveau? Weil die Zahl der Beitragszahler zurückgeht und die Zahl der Rentner steigt. Schwarzarbeiter sind also mithin ein Grund, warum das Rentenniveau sinkt. Wie ich bereits sage, es ist kein Kavaliersdelikt und Sie brauchen diese Menschen auch nicht zu Verteidigen. Sicher mag die Politik hier Einfluss haben, aber bereits jetzt gibt es Freigrenzen und Zuverdienstmöglichkeiten. Das befreit aber Niemanden - und das betone ich sakrosankt - davon einer ehrlichen Arbeit nachzugehen und seinen Anteil für die Gesellschaft zu erbringen. Gerechtigkeit erzeugt man nicht durch Unrecht.

16.07.2019 21:09 Max W. - Tja, Wähler - hört die Signale! 19

@16.07.2019 18:04 Kieke (Und erhielt 99% Absagen, weil alle Bewerberinnen unbedingt schwarz arbeiten wollten...)

Sie haben offenbar immer noch verstanden, aus welcher Perspektive das die "andere Seite" betrachtet - jeder Unternehmer, JEDER, würde das in ähnlicher Lage exakt genauso machen.
Es lohnt sich schlicht nicht, den mageren erzielten Mehrwert auch noch abgabenzubelasten - da kann ich es gleich lassen. Zumal dann das Theater mit Bemessungsrenzen, Definitionen, Steuer, Kontrolle usw. los geht oder zumindest die Gefahr besteht.
Und warum auch: Die Rentenansprüche etwa sind das Papier nicht wert, auf das die Zahlen gedruckt werden.

Im übrigen könnte ich hier für eine gewisse norddeutsche Grosstadt mal loslassen, welche soziale Schicht nahezu ausschliesslich Dienstleistungen "schwarz" nachfragt - sie würden vom Stuhl kippen. Ein Teil davon spreizt sich in politischen Parteien. Und ich rede dabei von Schwermaschinen einsetzenden Gewerken...

16.07.2019 19:30 Peter 18

@14 Rentner: Danke für den Hinweis.
Ich habe von besagtem Fall nicht nur gehört, sondern auch gelesen. Besagte Hausherrin, welche erwischt ihre Putze als Freundin der Familie ausgab, sitzt ganz rechts vorn im Bundestag.

16.07.2019 18:39 Max W. - Tja, Wähler - hört die Signale! 17

@16.07.2019 16:33 Wo ist das Lobbyregister? (@16.07.2019 16:04 Peter (dass die Agenda 2010 mitverantwortlich dafür ist, dass die Arbeitslosigkeit in Deutschland signifikant gesunken ist.)

Nein, ist sie nicht - sie ist nur versteckt in prekären "Arbeitsverhältnissen", Niedrigstlohn, zahllosen, sich selbst ausbeutenden Kleingewerblern im latenten Grenzkostenbereich ohne Rentenanspruch und Zwangsverrenteten - mehr nicht.)

So ist es - und schlimmer, weil langfristige Optionen auf Jahre zerstört sind. Das Vertrauen in die Demokratie und ihre Sachwalter eingeschlossen. Man kann sich aber leicht vorstellen, warum die Partei, die mal die SPD war, am Mythos der "erfolgreichen Agendapolitik" festhält. Sie müsste sich sonst nämlich auflösen.

16.07.2019 18:32 Mara 16

Also ich wäre ja wirklich sehr froh, wenn ich einer Haushaltshilfe bekäme. Ich würde Sie auch gern versichern - gibt aber niemanden hier im ländlichen Raum. Als ich noch in der Nähe der Großstadt wohnte, hieß es immer: "Aber bitte ohne Knappschaft". Musste ganz schön suchen, bis ich eine fand, die auch versichert werden wollte. Jede Medaille hat zwei Seiten.

16.07.2019 18:04 Kieke 15

Im Haushalt passieren die meisten Unfälle, u.a. deshalb wollte ich ausschließlich eine angemeldete Hilfe im Privathaushalt. Und erhielt 99% Absagen, weil alle Bewerberinnen unbedingt schwarz arbeiten wollten... Nach vielen vergeblichen Versuchen fand sich dann aber doch eine Person, die mit der Anmeldung zur Minijob-Zentrale einverstanden war. Sie hatte auch gar keine Abzüge, weil sie die Befreiung von der RV-Pflicht beantragte.
Die Abgaben für einen Minijob im Privathaushalt sind im Übrigen wesentlich geringer als für Minijobs in Betrieben. Allerdings bleibt doch noch ein ziemlicher Verwaltungsaufwand, ist aber m.E. machbar bei etwas gutem Willen.

16.07.2019 17:10 Fragender Rentner 14

@Peter zu 1

Ist ja mal eine gute Nachricht.

Du hast mal von einem Fall gehört?

Wo angeblich ca. 90% schwarz arbeiten lassen wie weiter Oben steht?

16.07.2019 16:33 Wo ist das Lobbyregister? 13

@16.07.2019 16:04 Peter

(dass die Agenda 2010 mitverantwortlich dafür ist, dass die Arbeitslosigkeit in Deutschland signifikant gesunken ist.)

Nein, ist sie nicht - sie ist nur versteckt in prekären "Arbeitsverhältnissen", Niedrigstlohn, zahllosen, sich selbst ausbeutenden Kleingewerblern im latenten Grenzkostenbereich ohne Rentenanspruch und Zwangsverrenteten - mehr nicht.
Der Anteil der prekären Beschäftigung ist zugleich der EINZIG zunehmende am "Arbeitsmarkt" - vor diesem Hintergrund finden sich auch die Motive hinter der "Flüchtlingspolitik". Die Agenda2010 hatte nur einen einzigen Zweck: Die Arbeitskosten zum Nutzen einzig des Kapitals zu drücken - auf KOSTEN der abhängig Beschäftigten. Mehr nicht.

16.07.2019 16:27 Wo ist das Lobbyregister? 12

@16.07.2019 16:04 Peter

(@7: Ach ja, vor 2005 war Schwarzarbeit in Deutschland unbekannt. Steile These.)

Sie müssen schon genau lesen - die Agenda2010 hat die deutschen Zustände nicht reformiert, sondern verschärft und das unter Wolkenbänken an leerem Geschwätz zu tarnen versucht. Seither wird in Berlin (kenne ich aus persönlicher Anschauung) Kleingewerbe keinen Deut mehr auf den Verdacht auf Scheinselbstständigkeit kontrolliert. Ihre Statistik können sie steckenlassen - die, die diese Zahlen erheben lassen, sind genau die, die für diese Zustände und das deutsche Sozialsystem verantwortlich sind. Wer wissen will, wie die Geschichte tatsächlich abläuft, möge mal eine kleine Umfrage unter Studenten machen hinsichtlich der Frage, wieviele "studentische Jobs" heute auf "Rechnung" stattfinden und NUR auf Rechnung.
Die "Schattenwirtschaft" war und ist fester Kalkulationsbestandteil neoliberaler Politik, implementiert von den Schröderlingen.