Arbeitsmarkt Studierenden brechen in der Corona-Krise Einnahmen weg

In Berlin trifft sich am Mittwoch der Koalitionsausschuss, unter anderem soll es um eine mögliche Anhebung des Kurzarbeitergelds gehen. Die Regierungsparteien sind sich uneins – ebenso bei der Frage, wie genau Studierenden geholfen werden kann. Denn vielen von ihnen brechen wegen der Pandemie die Einnahmen weg. Kellnerngehen etwa ist ja gerade nicht.

Ein Kassierer arbeitet mit Mundschutz in einem Supermarkt
Supermärkte haben momentan größeren Personalbedarf als üblich. Bildrechte: imago images/Hans Lucas

Bernd Hahn studiert Chemie an der Technischen Universität Chemnitz. Eigentlich arbeitet er nebenher selbstständig, für Versicherer, als Erlebnispädagoge und Trainer für Workshops. Wegen Corona fallen alle seine Jobs flach, es musste eine Alternative her.

Und da sei natürlich bei den ganzen Hamsterkäufen der Einzelhandel ein bisschen in den Fokus gerückt, sagt Hahn: "Dann bin ich beim örtlichen Kaufland gewesen, hab dort nachgefragt und das Glück gehabt, noch einen der wirklich wenigen Jobs, die es da aufgrund der Krise mehr gibt, zu ergattern." Wenigstens einen Grundstock an finanziellen Möglichkeiten habe er sich so erhalten.

Mögliches Szenario: Corona-bedingte Studienabbrüche

Früher habe er netto etwas mehr als den BAföG-Höchstsatz von rund 850 Euro verdient, erzählt Hahn – jetzt sei es nur noch die reichliche Hälfte: "Und für mich läuft das Ganze jetzt letztendlich auch darauf raus, dass ich meine geringen Rücklagen aufbrauche oder eventuell sogar irgendwie ins Minus rutsche."

Das heiße für ihn, er könne seine Miete nicht zahlen oder andere Rechnungen nicht bedienen, erklärt Hahn. Dann müsse er darauf hoffen, dass diejenigen, die das Geld von ihm nicht bekommen, kulant seien und bis nach der Krise warten.

Hahn ist auch Vorsitzender des Kreisverbands Hochschule und Forschung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW – und warnt vor Corona-bedingten Studienabbrüchen. Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow von der CDU entgegnet: "Ich wünsche mir nicht, dass solche schwerwiegenden Entscheidungen für Studierende notwendig werden oder im Raum stehen. Denn das Ziel ist tatsächlich, das System jetzt so auszugestalten, dass niemand solche Nachteile hat, die ihn in existenzielle Not bringen."

Gemkow schlägt BAföG-ähnliche Lösung vor

Wie genau finanzielle Hilfen aussehen könnten, darüber streitet der Bund derzeit. Bildungsministerin Karliczek von der CDU schlug zinslose Kredite vor und stieß damit auf Kritik. SPD und FDP etwa wollen, dass während Corona auch diejenigen BAföG bekommen, die sonst keinen Anspruch hätten.

Gemkow ist gegen eine weitreichende Öffnung des BAföG. Sein Vorschlag für jene, die wegen Corona ihren Job verloren haben: Ein Mechanismus, der dem des BAföG ähnele. Mit einem Teil Darlehen, den man dann zurückzahle – und einem Teil Zuschuss. Das empfände er als angemessen und fair, sagt Gemkow. "Und hier sehe ich den Bund in der Pflicht – der hat auch in diesem Jahr Überschüsse im Bereich der BAföG-Mittel, die dafür in meinen Augen unbedingt und sehr schnell eingesetzt werden müssen".

Härtefallfonds der Studentenwerke reichen nicht aus

Vollzuschüsse für die Krisenzeit, die auch Bernd Hahn von der Chemnitzer GEW fordert, lehnt Gemkow mit Blick auf das reguläre BAföG als ungerecht ab. Er verweist auf die Härtefallfonds' der sächsischen Studentenwerke.

Deren Sprecherin schreibt per Mail, dass die Härtefallfonds' für einige wenige Notfälle im Jahr ausgelegt seien. Selbst bei Ausschöpfung aller verfügbaren Mittel könne man damit in der jetzigen Situation nur sehr begrenzt weiterhelfen: "Die bis zum jetzigen Zeitpunkt eingegangenen Anträge übersteigen an einigen Standorten bereits jetzt die vorhandenen Mittel, pro Tag gehen über 20 neue Anträge ein."

Deutschlandweit jobben laut Studentenwerk 68 Prozent neben der Uni. Wiederum rund die Hälfte davon gibt an, auf das Geld angewiesen zu sein. Wie vielen das nun wegen der Corona-Krise wegbricht, ist offen – auch mit Blick auf die rund 108.000 Studierenden in Sachsen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. April 2020 | 06:04 Uhr

4 Kommentare

Critica vor 45 Wochen

Wenn Europa (hier die Macher in der Zentrale!) so gut wäre wie es sein will, dann hätten alle von Anfang an zusammen und nicht gegeneinander gearbeitet.
Demokratie ist gut, aber im Moment wohl fehl am Platze. Und da lobe ich mir manches aus der DDR. Da wurde in Krisen bestimmt, nicht lange Hinz und Kunz gefragt und gut wars. Jetzt hat jeder vor jedem Angst, insbesondere davor, dass er nicht mehr gewählt wird, und deshalb wird manche gute Chance verpasst.
Wir werden an dieser selbst gemachten Krise noch lange zu knabbern haben, aber das scheint gewollt. Man wirft schnell mal wieder ein paar Zahlen in den Ring und schon geht es von vorn los.
Solange Deutschland so mit Geld um sich wirft, geht es uns doch gut. Oder?

Querdenker vor 45 Wochen

Zitat: „… noch einen der wirklich wenigen Jobs, die es da aufgrund der Krise mehr gibt, zu ergattern.“

Bei der Paketzustellung nachfragen. Die Post möchte ja derzeit sogar schon teilweise Sonntagszustellung.

Critica vor 45 Wochen

Das ist aber jetzt ein schlechter Witz oder der beste aller Zeiten!!!
Studierende können wohl nur kellnern?
Sie könnten auch Spargel stechen, dann müssten sich rumänische Arbeiter nicht der Coronahysterie in Deutschland aussetzen.
Sie können auch Erdbeeren ernten, Zeitungen austragen, in Pflegeheimen helfen, in Supermärkten Klopapier einräumen etc. pp.
Studierende können viel - wenn sie denn wollen. Und dafür soll noch Geld vom Staat in die Hand genommen werden? Das ist wohl der beste Witz aller Zeiten...