Zwei Airbus A320 Condor Thomas Cook bei der Abfertigung am Flughafen Madeira Cristiano Ronaldo
Thomas Cook-Flieger bleiben erstmal am Boden. Bildrechte: imago images/Michael Weber

Zu wenig Kundenabsicherung Reisebüros kritisieren Bund nach Thomas Cook-Pleite

Die Thomas Cook-Pleite trifft viele Touristen schwer. Reisende müssen nicht nur um ihren Urlaub, sondern auch um ihr Geld fürchten. Denn die Insolvenzversicherung des britischen Unternehmens reiche vermutlich nicht aus, sagt der Verband unabhängiger, selbstständiger Reisebüros und kritisiert deswegen die Bundesregierung. Diese habe in der Vergangenheit eine Erhöhung der Kundengeldabsicherung abgelehnt. Was kann man tun, wenn man von der Pleite betroffen ist?

von Jessica Brautzsch, MDR AKTUELL

Zwei Airbus A320 Condor Thomas Cook bei der Abfertigung am Flughafen Madeira Cristiano Ronaldo
Thomas Cook-Flieger bleiben erstmal am Boden. Bildrechte: imago images/Michael Weber

Am Morgen nach der Thomas Cook-Pleite ist die Stimmung am Flughafen Leipzig/Halle mindestens gemischt:

Ich bin sauer, natürlich! Du kriegst früh eine SMS geschickt, da wird aber nicht gesagt, es fliegt nicht, sondern der Flug kann nicht gewährleistet werden. Ja was machst du?

Thomas Cook-Kunde

Auch andere Thomas Cook-Kunden sind enttäuscht. "So was ist mir in meinem Leben noch nicht passiert. Enttäuschung in jeder Lage," sagt ein Weiterer.

Insolvenzversicherung greift nur bei Pauschalreisen

Eine Reisende wartet am Flughafen Tegel auf den Start ihrer Reise.
Für Thomas Cook-Kunden wurde der Morgen nach der Insolvenz zum Geduldsspiel. Bildrechte: dpa

Gerade für Reisende, die ihre Flüge einzeln bei Thomas-Cook oder einem Thomas-Cook-Unternehmen gebucht haben, ist die Lage ärgerlich, erklärt Paul Degott, Tourismus-Rechtsanwalt in Hannover. Man müsse selbst mit der jeweiligen Fluggesellschaft direkt klären, ob man befördert werde. Falls dies nicht geschehe, werde es schwierig. Denn dann greife die Insolvenzversicherung nicht. Das Geld, das in solchen Fällen gezahlt worden sei, würde direkt Teil der Insolvenzmasse. Forderungen müssten dann beim Insolvenzverwahlter geltend gemacht werden, was Jahre dauern könne. Außerdem sei unklar, wieviel man überhaupt zurückbekomme.

Die Insolvenzversicherung greift nur bei Pauschalreisen. Und die sind gesetzlich definiert. Sie sind grob gesagt, eine Bündelung von gesetzlichen Hauptleistungen, die zu einem Gesamtpreis gekauft wurden. Der Sinn hinter der Versicherung ist: Reiseunternehmen müssen ihre Kunden gegen die eigene Insolvenz absichern.

Fälle müssen einzeln geklärt werden

Rechtsanwalt Degott hatte nach der Thomas Cook-Pleite schon einige Fälle, wo diese Versicherung greifen muss.

"Aktuell habe ich eine Anfrage von einem jungen Paar, das morgen nach Mauritius auf Hochzeitsreise wollte. Jetzt ist die Frage, was machen sie mit der Reise? Die Fluglinien hatten sie abgefragt: Air France und die lokale Mauritius Air würden fliegen, weil sie bereits bezahlt sind. Der Hotelier hat aber gesagt, wenn ihr kommt, dann müsst ihr das Hotel noch mal bezahlen."

In diesen Fällen kann die Insolvenzversicherung helfen. Hoteliers dürfen Urlauber bei der Abreise auch nicht aufhalten. Denn der Vertrag bestünde nicht zwischen dem Urlauber und Hotelier, sondern zwischen Hotelier und dem Reiseunternehmen, erklärt Degott. Er empfiehlt, den Reiseleiter im Reiseland vor Ort anzusprechen. Der habe nämlich auch ein Problem: Er werde bald arbeitslos. Ihn zu fragen, wie es weitergehe und was er für Meldungen habe, rät Degott den Betroffenen.

Versicherung von Thomas Cook reicht vermutlich nicht aus

Dank Insolvenzversicherung kommen die Reisenden im Zweifelsfall zwar um ihren Urlaub, aber nicht um ihr Geld? Daran hat Marija Linnhoff vom Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros erhebliche Zweifel. Denn die 110 Millionen Euro Versicherungssumme der Thomas Cook wird für die Urlauber kaum reichen.

Eine Passagierin geht mit ihrem Koffer an einem geschlossenen Büro des insolventen Reisekonzerns Thomas Cook vorbei.
Thomas Cook-Kunden könnten nur einen Teil ihres Geldes erstattet bekommen. Bildrechte: dpa

Aktuell seien 140 000 Deutsche mit dem Unternehmen unterwegs. Hinzu käme noch mal die doppelte Zahl an Kunden, die einen Urlaub bereits gebucht hätten, schätzt Linnhoff. "Man muss sich ernsthaft fragen, ob dieses Geld reicht. Ich sage, es reicht nicht." Linnhoff geht davon aus, dass die drei- bis vierfache Summe nötig sei.

Bundesregierung lehnte höhere Kundengeldabsicherung ab

Reicht das Geld aber nicht, bekommen die Kunden nur einen Teil ihrer Ausgaben zurückerstattet. Für diese Situation macht Linnhoff die Bundesregierung verantwortlich:

Bei der Umsetzung des neuen Reiserechts aus Brüssel wurde von uns, dem Verbraucherschutzverband und Reiserechtsexperten gefordert, die Kundengeldabsicherung zu erhöhen. Damals waren es 250 Millionen Euro. Das hat die Bundesregierung alles abgelehnt.

Marija Linhoff Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros

Sollte das Geld tatsächlich nicht ausreichen, fordert Marija Linnhoff, dass die Bundesregierung zur Verantwortung gezogen werde. Nach EU-Recht wäre, laut den Tourismusexperten, auch eine Staatshaftung für Deutschland möglich.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. September 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. September 2019, 05:00 Uhr

10 Kommentare

Strafrechts-Profit-eur vor 10 Wochen

Zitat:
"Die Insolvenzversicherung greift nur bei Pauschalreisen. Und die sind gesetzlich definiert. Sie sind grob gesagt, eine Bündelung von gesetzlichen Hauptleistungen, die zu einem Gesamtpreis gekauft wurden. Der Sinn hinter der Versicherung ist: Reiseunternehmen müssen ihre Kunden gegen die eigene Insolvenz absichern."

Da ist doch klar, was im zivilrechtsstaatlichsten rechtsstaatlichsten Deutschland aller Zeiten geschehen wird:

Man wird in die Verträge etwas einbauen, damit die gesetzliche Definition von Pauschalreisen nicht mehr greift und die Versicherungen werden sich darauf berufen und nicht zahlen.

So läuft das in diesem Land.

Der Normalmensch nennt so was Täuschung, was rechtlich Betrug ist. Die Versicherungen und deren Gerichte nennen das klare vertragliche Regelungen und der Kunde hat dann zusätzlich Prozesskosten und Stress gehabt.

DerAusgebeutete vor 11 Wochen

@ElBuffo
Sag mal brennt Dir die Kappe???

Diese Versicherung ist gesetzlich vorgeschrieben und durch den Staat festgelegt worden. Es soll die zahlenden Urlauber Schutz bieten sodass diese im Falle einer Insolvenz ihr sauer verdientes Geld zurück erhalten.

Das die Max. Summe von 110 Mio. Euro bei diesem Veranstalter im Insolvenzfall nicht annähernd ausreichen würde ist dem Staat seit ca. 2 Jahren bekannt da man ihn mehrfach darauf aufmerksam machte! Auch die Versicherung muss das gewusst haben das es nicht reicht aber keiner hat etwas unternommen und es wurde den zahlenden Urlaubern auch nicht mitgeteilt sondern stillschweigend hat man einfach so als wäre nichts gewesen weiter Reisen verkauft und jetzt muss sich der Staat dafür Verantworten und auch die Versicherung trägt meiner Meinung nach eine gewisse Mitschuld. Sollen die sich die Differenz die mir deswegen fehlt von mir aus teilen aber ich habe ein Recht darauf das Geld zu 100% zurück zu bekommen! ElBuffo

nasowasaberauch vor 11 Wochen

Für die Sicherung der Arbeitsplätze bei Condor ist Kreditgewährung richtig, weil das Unternehmen ohne die Mutter gesund gewirtschaftet hat und der Markt der Fluglinien ohnehin schon ausgedünnt ist. Es ist z.T. auch unsere Gier möglichst für einen Preis zu fliegen der über lange Sicht zum Crash führen muss. Es würde schon helfen, wenn der Flugpreis z.B. 4 Wochen vor Antritt eingezogen wird. Bei Zahlung mit Kreditkarte ist die Buchung 6 Wochen widerrufbar, wenn keine Leistung erbracht wird.