Schweine bekommen Raufutter in Form von Stroh in einer Raufe.
Es sind Bilder wie diese, die immer wieder Kritik an Massentierhaltung emporbringen. Das neue Tierwohl-Label soll da Abhilfe schaffen. Bildrechte: imago/Marius Schwarz

Landwirte und Verbraucher Kritik am freiwilligen Tierwohl-Label

Das Pfund Schweinefleisch für knapp zwei Euro – mit diesem Schnäppchen locken Lebensmittel-Discounter Kunden an. Möglich gemacht werden die Billigpreise durch Massentierhaltung, bei der Tiere auf engstem Raum gehalten werden. Um die Tierhaltung zu verbessern, hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner nun ein staatliches Label vorgestellt: Es heißt "Tierwohl". Was halten Verbraucher und Landwirte davon?

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

Schweine bekommen Raufutter in Form von Stroh in einer Raufe.
Es sind Bilder wie diese, die immer wieder Kritik an Massentierhaltung emporbringen. Das neue Tierwohl-Label soll da Abhilfe schaffen. Bildrechte: imago/Marius Schwarz

Jan Friedrich Rohlfing ist Landwirt. In Liederstedt bei Querfurt in Sachsen-Anhalt betreibt er eine Schweinemastanlage, in der er einige tausend Ferkel zu Mastschweinen großzieht, um deren Fleisch zu verkaufen. Und zwar nach den gesetzlichen Mindeststandards.

Ein neues staatliches Siegel mit dem Namen "Tierwohl" findet Rohlfing gut. Die Landwirtschaft sei heutzutage so transparent, dass keiner etwas zu verstecken habe, was seine Produktionsbedingungen angehe. "Wir selber sind QS-zertifiziert und stehen dadurch einer täglichen Kontrolle oder Offenheit jederzeit positiv gegenüber", sagt Rohlfing.

QS-Zertifizierung QS steht für ein Qualitätssicherungssystem, das Kriterien für die Lebensmittelproduktion und den Handel definiert. Bei beteiligten Unternehmen wird die Einhaltung dieser Kriterien regelmäßig kontrolliert.

Kosten-Nutzen-Faktor

Allerdings will der Landwirt erst einmal durchrechnen, ob sich die Sache lohnen würde. Denn für das Staatslabel müsste er mehrere Kriterien erfüllen: mehr Platz für die Schweine, tierfreundlichere Buchten und vieles mehr.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium will das Label in drei Stufen vergeben: Stufe 1 unterscheidet sich nur gering von den gesetzlichen Mindeststandards, Stufe 3 kommt den Bio-Fleisch-Anforderungen schon recht nahe.  
Bauern wie Jan Friedrich Rohlfing müssten also investieren, könnten auf der anderen Seite ihr Fleisch aber etwas teurer verkaufen.

Was sagen die Verbraucher?

Eine schwierige Entscheidung, bei der es eine große Rolle spielt, ob und wie die Verbraucher das Tierwohl-Label annehmen.

Julia Klöckner stellt die Kriterien des staatlichen Tierwohlkennzeichens vor.
Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht: Agrarministerin Klöckner stellt ihr Tierwohlkennzeichen vor. Bildrechte: dpa

Bei einer kleinen Umfrage in Leipzig meinten die meisten, sie würden für gutes Fleisch etwas tiefer in die Tasche greifen. Eine Frau sagte zum Beispiel, sie fände einen Aufschlag von 30 bis 50 Prozent vollkommen in Ordnung.

Schweinefleisch, das nach den neuen Tierwohl-Bedingungen hergestellt wird, dürfte sich um sechs bis sieben Prozent verteuern, hat das Bundeslandwirtschaftsministerium ausgerechnet. Am Geld der Verbraucher dürfte es also nicht scheitern, behaupten die Menschen in Leipzig zumindest.

Kritik an Klöckners Vorschlag

Die meisten hinterfragen das neue Label dagegen eher grundsätzlich. Viele fragen sich, warum es so viele verschiedene Labels gibt. Da den Überblick zu behalten, fällt ihnen schwer.

Ich bin nicht begeistert von diesem Label. Ich denke, da hat die Ministerin nicht gut nachgedacht. 

Leipzigerin, bei einer Straßenumfrage

Viele Kritiker sehen das ähnlich. Die grüne Landwirtschaftsministerin von Sachsen-Anhalt, Claudia Dalbert, stört vor allem, dass für die Bauern die Teilnahme am Label freiwillig ist.  

"Das ist einfach eine Mogelpackung. Es wird keinem Tier, keinem Schwein besser gehen. Hühnern und Rindern sowieso nicht, weil die hat Frau Klöckner noch gar nicht im Blick. Denn dazu müssten wir die gesetzlichen Bedingungen verändern, dass hier bessere Haltungsbedingungen für unsere Nutztiere vorgeschrieben werden."

Wie es weitergeht

Noch sind die Details zum neuen Tierwohl-Label nicht klar, zum Beispiel wie das Logo aussieht oder wer wie oft kontrolliert. Landwirtschaftsministerin Klöckner will es aber spätestens 2020 einführen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Februar 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2019, 05:00 Uhr

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11 Kommentare

07.02.2019 21:34 Udo K 11

Ich habe kein Vertrauen zu Bioprodukten, auch dem Tierwohl-Label würde ich nicht trauen.
Es ist wie mit vielen Dingen, man will nicht von Preiserhöhungen sprechen, also muss eine andere Begründung her.
Aber es gibt ja anscheinend genug Menschen, die sich darauf einlassen.
Die befragte Dame, die da bis 50 % mehr zahlen würde, wird ja sicher den Unterschied beim ersten Bissen sofort feststellen können.

07.02.2019 17:16 konstanze 10

Ich finde den Vorschlag gut. Traue diesem Staat jedoch eine ordentliche Kontrolle, zur Einhaltung der neuen Tierwohl-Bedingungen, nicht mehr zu.

07.02.2019 15:31 Fragender Rentner 9

Wenn es ca. 30% weniger in allen Läden rumstehen würde oder eingeschweißt wäre, würden wir da wohl klimmzüge am Brotkasten machen, eher nein und für das Tierwohl wäre schon sehr viel getan.

07.02.2019 15:27 Fragender Rentner 8

Politiker?

07.02.2019 10:27 Rumsdibums 7

Von einem Tierwohlgelaberlabel halte ich nicht viel.
Ich kaufe immer die Packungen auf denen das Schwein so hübsch lächelt.
Damit mache ich doch alles richtig oder?

07.02.2019 08:35 Erna 6

Warum Kritik? Der Verbraucher hat es in der Hand, ob er tatsächlich bereit ist mehr zu zahlen. Ich persönlich halte "Bei einer kleinen Umfrage in Leipzig meinten die meisten, sie würden für gutes Fleisch etwas tiefer in die Tasche greifen." alles für dumme Sprüche, wie die Verkaufszahlen seit vielen Jahren ja zeigen. Dazu sollte sich jeder fragen ob ein zum Schlachten gezüchtetes Tier überhaupt "glücklich" sein kann oder wir und eine Lobby uns nur etwas vor machen.


Respekt habe ich nur vor Leuten die dann konsequent vegan sind aber sich nicht mit einem Label oder "Bio" ein gutes Gewissen kaufen. Und nein ich gehöre nicht dazu.

07.02.2019 08:31 Mustermann 5

Gesetzlicher Mindeststandard = 0,75 m²

Diese Zahl kommt also nicht vom Himmel gefallen.
Skandalös - wenn man bedenkt, dass das von "zivilisierten" Menschen festgelegt wurde! Einfach nur Widerlich...

Ich wünsche denen die das entschieden haben mal ein Leben unter den Umständen der Tiere.

07.02.2019 08:14 REXt 4

Die typische Wischiwaschi Lösung, nichts genaues u. nur halbe Sachen. Die Umfrage besagt doch garnichts. Erst hat man die Konsumenten auf“ Billig ist Geil getrimmt“ , nun sollen sie „freiwillig „ mehr bezahlen, da freuen sich besonders die vielen Billiglöhner, Aufstocker, Hartz4er u. Tafelbesucher.

07.02.2019 08:09 Atheist aus Mangel an Beweisen 3

Da wird ständig über den Verpackungsmüll gejammert aber es muss immer mehr auf die Verpackung.
Inhaltsstoffe in Schriftgrösse 2, Tierpiktogramme, und zig Siegel.
Ich kaufe nach Preis und nicht nach Tierwohl.
Sonst legt man auch keinen Wert aufs Tierwohl wenn es gewisse Schlachtarten durchgeführt werden.

07.02.2019 07:45 frank r. 2

Noch sind die Details zum neuen Tierwohl-Label nicht klar, zum Beispiel wie das Logo aussieht oder wer wie oft kontrolliert. Mir ist als Verbraucher ein Logo egal, mir sind Gesetze wichtig, die auch durchgesetzt werden, aber nicht mit Vetärinären die noch bei Tierquälerei zu schauen. Der Umgang mit allen Tieren, zeigt doch was wir für eine Gesellschaft sind.