Ein Mitarbeiter bereitet das Heck eines Porsche Macan für das Bekleben mit dem Schriftzug im Werk Leipzig vor.
Porsches kleiner SUV Macan wird im Werk Leipzig montiert. Bildrechte: dpa

Warten auf Trumps Entscheidung Welche Folgen hätten US-Zölle für deutsche Autobauer?

Bedrohen Autos aus Europa die nationale Sicherheit der USA? Das US-Handelsministerium hat dazu ein Gutachten für das Weiße Haus erstellt. Offiziell gibt es noch keine Entscheidung, doch viele rechnen damit. Dann könnte Präsident Trump Zölle von bis 25 Prozent auf Auto-Importe verhängen. Welche Folgen hätte das für die deutsche Autowirtschaft und Standorte in Ostdeutschland?

von Stephan Zimmermann, MDR AKTUELL

Ein Mitarbeiter bereitet das Heck eines Porsche Macan für das Bekleben mit dem Schriftzug im Werk Leipzig vor.
Porsches kleiner SUV Macan wird im Werk Leipzig montiert. Bildrechte: dpa

Das Münchener Ifo-Institut befürchtet das Schlimmste: Sollten die USA tatsächlich Sonderzölle verhängen, dann könnten nur noch halb so viele deutsche Autos in die USA geliefert werden. Die Ifo-Forscher erwarten einen Verlust von gut 18 Milliarden Euro für deutsche Unternehmen.

Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer hält das allerdings für weit übertrieben. Er sagte MDR AKTUELL, bei den Oberklasse-Wagen spiele der Preis sowieso keine Rolle.

Kein Amerikaner, der sehr viel Geld verdient und sich einen Ferrari kaufen will, wird sich den Ferrari nicht kaufen, nur weil der zehn oder 15 Prozent teurer ist und wird sich deshalb einen Cadillac kaufen.

Ferdinand Dudenhöffer

Außerdem betont Dudenhöffer: Viele Autos von deutschen Herstellern wären von den Zöllen gar nicht betroffen, weil sie für den US-Markt gar nicht in Europa produziert würden.  Er erläutert, dass im unteren Preissegment im Prinzip fast alle Modelle von VW entweder in Chattanooga in den USA oder in Mexiko gebaut würden. Mexiko habe ein Freihandelsabkommen mit den USA, also fielen da keine Zölle an.

Produktionsstandorte könnten sich verschieben

Hätten hohe US-Zölle für Importautos also gar keine Folgen? So einfach ist die Sache auch für Dudenhöffer nicht: Zum Teil könnte die Produktion verlagert werden, um die Abgaben zu vermeiden.

Ich kann mir vorstellen, dass der Macan von Porsche dann in Mexiko produziert wird. Das ist nicht besonders schwer, weil er baugleich oder auf ähnlicher Plattform wie der Audi Q5 gebaut wird.

Ferdinand Dudenhöffer

Leipzig und Ostdeutschland wären betroffen

Für Porsche wäre so eine Verlagerung vielleicht kein Problem – wohl aber für Leipzig, wo der Macan bis jetzt produziert wird. Jens Katzek ist Geschäftsführer des Automotive Cluster Ostdeutschland, eines Verbands der Autoindustrie in den neuen Ländern. Bei MDR AKTUELL will er die Folgen von möglichen Zöllen nicht beziffern. Er betont allerdings:

20 Prozent aller Exporte, die in Ostdeutschland laufen, kommen aus der Automobilindustrie. Und etwa zehn Prozent aller Beschäftigten in Ostdeutschland sind direkt oder indirekt in der Automobilindustrie beschäftigt.

Jens Katzek, Automotive Cluster Ostdeutschland

Katzek erläutert: Insgesamt exportiere Deutschland jährlich etwa 1,3 Millionen Autos in die USA. Ein Problem wären die Strafzölle auf jeden Fall, auch für die Autoindustrie in Ostdeutschland.

Aus Sicht von Katzek ist jetzt der entscheidende Punkt, "wie wir jetzt mit der Situation umgehen. Wir können uns auf die Schulter klopfen und sagen, der Trump ist ja durchgeknallt". Aber entscheidend sei, wie man sich dieser Herausforderung stelle.

Katzek warnt zugleich, in so einer Situation noch auf die Industrie einzuprügeln und mit Fahrverboten zu kommen. Das sei einfach ein bisschen viel. Da wäre es schon gut, wenn sich neue Abgaben vermeiden ließen.

Dudenhöffer: Beim Auto-Streit geht es um Agrarexporte

Ferdinand Dudenhöffer erwartet keine schnelle Lösung im Streit um den Auto-Handel. Aus seiner Sicht geht es Trump bei möglichen Zöllen gar nicht um die Autos. Die EU wäre in der Frage sofort bereit, die Zölle auf Null zu setzen und das würde dann im Gegenzug auch gelten. Trump nutze aber die Autozölle mehr als Druckmittel.

Das ist mehr so ein Hebel, den Trump mit seiner Administration ansetzt, damit US-Agrarexporte nach Europa kommen.

Ferdinand Dudenhöffer

Und Dudenhöffer befürchtet, dass vor allem Frankreich da nicht nachgeben werde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Februar 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2019, 10:22 Uhr

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16 Kommentare

20.02.2019 00:52 Sabrina 16

Die Globalisierungslüge war zu keinem Zeitpunkt etwas anderes als eine Lüge.
Diese Lüge gilt nur so lange, solange man sich auf der Siegerseite sieht und davon profitiert.
Provitiert man nicht mehr davon, weil andere - zum Beispiel Deutsche Firmen, auch die Renten kürzen und Dumpinglöhne zahlen können um sich auf Kosten der Angestellten und Rentner Vorteile im Wettbewerb zu ergaunern mit Hilfe der von Ihnen in die Politik geschickten Personen, dann schützt man die eigene Wirtschaft eben mit zöllen.

19.02.2019 15:45 Fragender Rentner 15

Leute kauft jetzt nur die 8-Zylinder und andere großen Autos der USA und schon wird alles wieder gut.

19.02.2019 00:43 maheba 14

Wer an solch einer veralteten Technologie wie das Auto mit Verbrennungsmotor festhält bzw. den Fortschritt jahrelang aus Profitgier nicht zulässt verdient kein Mitleid.
Der Dieselskandal tut sein übriges.
Muss Deutschland Weltmeister im Autoexport sein? Es fehlen doch überall Arbeitskräfte - könnte man diese mit Kräften aus der Autoindustrie deckeln?
Übrigens halte ich die Mär von fehlenden Arbeitskräften u.a. für Panikmache.
Es wird in Zukunft auch weniger Konsumenten geben, somit muss weniger produziert werden.

18.02.2019 19:49 Alexander Volta 13

@9
Wir wissen wohl, was wir sind,aber nicht, was wir werden können.
In diesem Sinne geht es immer weiter Querdenker.Hast Du eine Mutter, so hast Du immer Butter.
Dem E-Auto gehört die Zukunft. Bin der Enkel von Volta...

18.02.2019 19:45 Federico 12

Die deutschen Autobauer sind
" robust aufgestellt " , und wer
den " Diesel - Schlamassel "
so übersteht, hat auch die Kraft
das " getru(a)mpelt " aus und in
Amerika zu überstehen.
Die Amerikaner werden diesem
Präsidenten schon " beibringen "
was " German Car first " ist.

18.02.2019 19:40 Wachtmeister Dimpfelmoser 11

Was soll das Gejammere? Bei den Dieselfahrverboten haben sie doch auch alle ruhig gehalten - Konsumenten wie auch Produzenten.

18.02.2019 17:23 Hossa 10

Wenn man sich vor Augen führt,was die Fahrzeughersteller schon für Strafen gezahlt haben.(Dieselskandal,Abschalteinrichtungen bei Abgastest)
Da kann man sich vorstellen was für Gewinnmargen erzielt werden.Man wird trotz höherer Zölle weiter Fahrzeuge in den USA verkaufen.

18.02.2019 16:48 Querdenker 9

@Alexander Volta 8

Die Politik von Donald Trump und seiner Regierung kann man als effektiv bezeichnen, was die eigenen Ziele betrifft (siehe „sueddeutsche Unbemerkt krempelt Trump die USA um“). Sowohl Innenpolitik als auch Außenpolitik. Das der EU und Deutschland das nicht immer so gefällt, ist eine andere Fragestellung.

Aber ich argumentiere hierbei in meinem Beitrag 2 aus Sicht von Deutschland und da sollten wir uns nicht erpressen lassen bzw. nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.

18.02.2019 16:16 Alexander Volta 8

@7
Angriff ist die beste Verteidigung.
Ich meine die Cowboys über den großen Teich in Amerika.

18.02.2019 14:58 Querdenker 7

@Alexander Volta 5

Unwichtiger Aspekt der 2. Weltkrieg zu dem Thema. Der zweite Weltkrieg ist über 70 Jahre her und gewonnen hat ihn in erster Linie die Sowjetunion, auch wenn die USA zu den „Hauptsiegermächten“ gehörte (siehe „wiki Tote des Zweiten Weltkrieges Kriegstote nach Staatsangehörigkeit“). Und für Russland wird nun „Nord Stream 2“ aufgebaut.

Sie stellen eine heutige Person (ihre Formulierung „sie“) den Alliierten von damals gegenüber. Daran erkennt man, wie Sie versuchen die Diskussion auf die persönliche Ebene zu ziehen. Im Prinzip der Versuch von einem persönlichen Angriff.