Figuren in Arbeitskleidung unterschiedlicher Branchen stehen vor Euro Geldmünzen im Wert von 8,50.
Beim Einkommen ist Deutschland alles andere als einheitlich. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Bruttogehalt Bruttoverdienst im Osten deutlich geringer als im Westen

Die Löhne in Deutschland klaffen weiter deutlich auseinander – vor allem im Ost-West-Vergleich. Ein Landkreis in Sachsen ist bundesweites Schlusslicht beim Bruttoverdienst.

Figuren in Arbeitskleidung unterschiedlicher Branchen stehen vor Euro Geldmünzen im Wert von 8,50.
Beim Einkommen ist Deutschland alles andere als einheitlich. Bildrechte: imago/Ralph Peters

In der Bundesrepublik gibt es erheblich Unterschiede bei den Bruttoverdiensten. Das zeigen aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) aus dem Jahr 2018, die die Linke im Bundestag ausgewertet hat und die der Nachrichtenagentur dpa vorlagen. Demnach bleiben die Ost-Bundesländer insgesamt deutlich unter dem Niveau des Westens. Ausgewertet wurden Bruttoverdienste von Vollzeitbeschäftigten.

Danach liegen die 60 Landkreise und Städte mit den bundesweit niedrigsten Verdiensten in Ostdeutschland. Bundesweit auf dem letzten Platz liegt Görlitz. Dort verdienen Arbeitnehmer im Mittel 2.272 Euro brutto im Monat. Knapp vor Görlitz lagen der Erzgebirgskreis (2.301 Euro), Vorpommern-Rügen (2.303 Euro) und das Altenburger Land in Thüringen (2.308 Euro).

"Autostandorte" vorne

Bundesweiter Spitzenreiter ist Ingolstadt (4.897 Euro) in Bayern. Kurz dahinter rangiert Wolfsburg (4.893 Euro) – in beiden Regionen haben Autokonzerne ihren Sitz. Die BA-Statistik macht zu den Gründen für die erheblichen Unterschiede bei den Verdiensten zwar keine Angaben. Doch der jüngste Bericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit verweist unter anderem darauf, dass nahezu kein Großunternehmen seine Zentrale in Ostdeutschland habe.

Blick auf die Bundesländer

Deutlich wird die Einkommensschere auch beim Blick auf die einzelnen Bundesländer. Dort steht Hamburg (3.718 Euro) ganz vorne, gefolgt von Baden-Württemberg (3.651 Euro) und Hessen (3.593 Euro).

Auf den hinteren Plätzen liegen dagegen ausschließlich die ostdeutschen Bundesländer: In Sachsen-Anhalt betrug das mittlere Einkommen 2.595 Euro, es folgen Brandenburg (2.593 Euro), Sachsen (2.587 Euro) und Thüringen (2.553 Euro). Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern mit 2.496 Euro.

In Hamburg verdienten nur 40 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten weniger als das bundesweite Mittel von 3.404 Euro – in Mecklenburg-Vorpommern waren es 73 Prozent.

Allerdings holt der Osten langsam auf: Das mittlere Einkommen stieg in den alten Ländern von 3.339 Euro im Jahr 2017 auf 3.434 Euro im vergangenen Jahr. Das war ein Plus um 2,85 Prozent. In den neuen Bundesländern legte der mittlere Verdienst hingegen um 4,88 Prozent auf 2.707 Euro zu.

Forderungen nach Sondergipfel und höherem Mindestlohn

Vertreter von Linken und AfD übten trotzdem heftige Kritik angesichts der großen Unterschiede beim Verdienst. Der AfD-Arbeitsmarktpolitiker René Springer meinte, der Aufbau Ost sei zum Stillstand gekommen und benötige einen Neustart. Er forderte einen Sondergipfel der Bundesregierung.

Die Linke-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann nannte es "beschämend", dass es in Ostdeutschland flächendeckend niedrigere Löhne gebe. Sie sagte aber, dass es auch im Westen abgehängte Regionen gebe. Nötig sei unter anderem die Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro die Stunde und die Abschaffung von Niedriglohnbeschäftigung in Form der Leiharbeit.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. August 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. August 2019, 15:58 Uhr