Ein Bus der Dresdner Verkehrsbetriebe
Bis zu 20.000 Busfahrer werden bis zum Jahr 2030 bundesweit gesucht. Bildrechte: IMAGO

Busse und Straßenbahnen Verkehrsbetrieben gehen Fahrer aus

Mit Bus und Bahn unterwegs statt mit dem Auto - die Zahlen der Fahrgäste öffentlicher Verkehrsmittel steigen. Doch immer mehr Fahrer gehen in Rente. Die Nachwuchs-Suche gestaltet sich für manche Verkehrsbetriebe schwierig.

von Anja Neubert

Ein Bus der Dresdner Verkehrsbetriebe
Bis zu 20.000 Busfahrer werden bis zum Jahr 2030 bundesweit gesucht. Bildrechte: IMAGO

Dem öffentlichen Nahverkehr in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gehen allmählich die Bus- und Straßenbahnfahrer aus. Allein die Leipziger Verkehrsbetriebe stellen jeweils zwischen 50 bis 60 neue Fahrer pro Jahr ein, die Magdeburger Verkehrsbetriebe suchen in diesem Jahr 36 Fahrer, davon 20 für Straßenbahnen und 16 für Busse. Doch auch in Erfurt, Jena, Halle und Dresden werden Fahrer gebraucht, wie aus einer Umfrage von MDR AKTUELL unter den sechs Städten hervorgeht.

Bis zu 27.000 Fahrer bundesweit gesucht

Derzeit gibt es nach Angaben des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen bundesweit rund 41.000 Busfahrer und 14.000 Straßenbahn- sowie U-Bahn-Fahrer. "Bis 2030 werden circa 15.000 bis 20.000 Busfahrer als Ersatzbedarfe und partiell als Zusatzbedarfe gesucht. Straßenbahnfahrer in der Größenordnung von circa 5.000 – 7.000", sagte ein VDV-Sprecher.

Der Grund zumindest in Mitteldeutschland: Immer mehr Fahrer gehen in Rente. "Die Gründe für den Personalbedarf liegen zum einen in altersbedingt auslaufenden Verträgen, der Rente mit 63, der natürlichen Fluktuation und dem Verlust der Fahrtauglichkeit, insbesondere aufgrund des hohen Altersdurchschnitts", sagte ein Sprecher der Magdeburger Verkehrsbetriebe.

Busse und Bahnen zunehmend gefragt

Straßenbahn innen
Mit moderneren Fahrzeugen wollen Verkehrsbetriebe auf die Bedürfnisse ihrer Fahrgäste eingehen. Bildrechte: Leipziger Gruppe

Die Dresdner Verkehrsbetriebe gaben in der MDR-Umfrage einen weiteren Grund an: "Die in den letzten beiden Jahren prozentual stärksten Fahrgastanstiege seit der Wende", sagte ein Sprecher. Dennoch will er noch nicht von Personalmangel sprechen. Noch nicht. "Aber wir wissen, dass wir uns jetzt schon vorbereiten müssen." Ein ähnliches Bild zeichnet die Hallesche Verkehrs-AG. Sie stellt einer Sprecherin zufolge seit 2014 wieder ein – und hatte dabei "kaum Probleme, genügend Bus- und Straßenbahnfahrer zu finden".

Bedarf an neuen Fahrern
  Busfahrer Straßenbahnfahrer Fahrer Bedarf gesamt
Magdeburg 16 20 36
Erfurt N.N. 6 6
Jena 3 3 6
Leipzig N.N. N.N. 50-60
Zahl vorhandener Fahrer
  Busfahrer Straßenbahnfahrer Fahrer gesamt
MVB und MVG 162 270 432
Hallesche Verkehrs-AG N.N. N.N. 340
Erfurter Verkehrsbetriebe 121 170 291
Stadtwerke Jena/ Jenaer Nahverkehr N.N. N.N. 200
DVB 241 538 779
LVB N.N. N.N. 1.200

Quereinsteiger können höhere Führerscheinklasse nachholen

Die mitteldeutschen Verkehrsbetriebe bilden nicht nur aus oder arbeiten in der Ausbildung mit Bildungsträgern zusammen, sie setzen auch auf Quereinsteiger. Gerade für Straßenbahnfahrer finden sich Umfrage zufolge in fast in allen Regionen zahlreiche Interessenten. Sie müssen lediglich die Führerscheinklasse B mitbringen. "Anders sieht es beim Verkehrsträger Bus aus, wo wir den Führerscheinklasse D als Voraussetzung erwarten", sagt ein Sprecher der Erfurter Verkehrsbetriebe. Der Bewerberanteil in diesem Bereich sei in den letzten Jahren deutlich gesunken.

Schwierige Suche nach Busfahrern

Mehrere junge Menschen stehen vor einem grünen Bus mit geöffneter Gepäckluke.
Fernbusunternehmen oder regionale Verkehrsunternehmen? Bei der Suche nach Fahrern konkurrieren die beiden Modelle miteinander. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Busfahrernachwuchs zu finden, wird offenbar auch anderswo immer schwieriger, wenngleich die Lage noch nicht so schlimm ist, wie in den vergangenen Wochen in verschiedenen Medien gezeichnet. "Aus den Aussagen unserer Mitglieder können wir aber ganz klar schließen: Es werden Busfahrer gesucht", sagt ein Sprecher vom Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo). Er führt das vor allem auf zwei Gründe zurück: die Liberalisierung des Fernbusmarktes und die Abschaffung der Wehrpflicht. Weil immer weniger junge Männer im Rahmen ihrer Dienstzeit einen Bus-Führerschein ablegten sei die Zahl möglicher Kandidaten zurückgegangen.

Wenngleich sich laut bdo die Lage stark von Bundesland zu Bundesland, von Region zu Region und mitunter auch von Unternehmen zu Unternehmen unterscheidet - künftig dürfte es für die Unternehmen noch schwieriger werden, Personal zu finden: "Auch ein Ausbau des ÖPNV scheint mit Blick auf Klimaziele und Umweltschutz realistisch. Hier zeichnet sich also ebenfalls weiterer Bedarf ab", sagt ein Sprecher des bdo: "Wer jetzt einen Beruf mit guten Aussichten auf eine Anstellung sucht, der sollte nach dem Bus-Lenkrad greifen".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. März 2018 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. März 2018, 08:00 Uhr

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33 Kommentare

04.03.2018 18:10 Frauke Garstig 33

@32 Oh bitte, man spendet doch wohl schon genug für die gesunden Langzeitarbeitsverweigerer! Die Mehrheit der deutschen Schüler sparen sich schon neben der Schule einen Führerschein B zusammen und haben weitaus weniger als ein SGBII-Langzeitempfänger zur Verfügung. Die meisten Ämter bezahlen sogar die Führerschein, also kann es wohl daran kaum liegen! Was fehlt, ist wohl eher die Motivation seinen eigenen Lebensunterhalt auf der Höhe seiner eigenen Leistungsbereitschaft erbringen zu wollen! Auf der Seite der Magdeburger Verkehrsbetriebe finden sie Jobangebote, sie müssen lediglich die Bereitschaft , allgemeine Voraussetzungen und einen Führerschein B mitbringen.

04.03.2018 15:09 Ekkehard Kohfeld (Lieber Demokrat als grünes Ziegelstein) 32

@ 31 Fruke Garstig Auf den Internetseiten der jeweiligen Verkehrsbetriebe der mitteldeutsche Städte werden sie fündig! Dort stehen die Stellen,- Ausbildungs,- und Umschulungsangebote. @29 Soviel Eigeninitiative sollte man vom deutschen Arbeitgeber noch abverlangen können, dass dieser sich nach Arbeit selber informiert! Immer diese niveaulose Polemik, dass das Arbeitsamt schuld wäre, weil man selber kein Bock auf Arbeit hat!##Liebe Fruke haben sie den schon ein Spendenkonto auf gemacht um denen den Führerschein zu bezahlen weil von H4 geht das mit Sicherheit nicht.Nur die dafür niedermachen das es ihnen nicht so gut geht wie ihnen hilft denen nicht weiter.Mus ja für sie ein innerer Reichsparteitag zu sein nach unten oder vielleicht doch nur zu Seite treten sein,und das der größte Teil von denen nichts für ihren Zustand kann haben schon mehre Studien eindeutig belegt also lassen sie ihre plumpe Hetze stecken,zieht nicht zeigt nur ihren puren Neid auf etwas was nicht gut ist.

04.03.2018 12:11 Frauke Garstig 31

@30 Auf den Internetseiten der jeweiligen Verkehrsbetriebe der mitteldeutsche Städte werden sie fündig! Dort stehen die Stellen,- Ausbildungs,- und Umschulungsangebote. @29 Soviel Eigeninitiative sollte man vom deutschen Arbeitgeber noch abverlangen können, dass dieser sich nach Arbeit selber informiert! Immer diese niveaulose Polemik, dass das Arbeitsamt schuld wäre, weil man selber kein Bock auf Arbeit hat!

03.03.2018 00:11 part 30

Wo sind denn die Stellenanzeigen, ich konnte bisher noch keine erkennen und wenn doch mal in 5 Jahren, dann gilt die Altersdiskriminierung am Arbeitsmarkt. Jedes Unternehmen ob Privat oder ÖD möchte recht junge Mitarbeiter mit 20 Jahren Berufserfahrung und wenig Ansprüchen an die Vergütung, wobei die Teilprivatisierung und Ausgliederung sowieso andere Realitäten schaffen. Die BW- Angehörigen kann man dafür heute nicht mehr nehmen, viele kehren mit Syndromen aus den Kriegsgebieten zürück und haben andere Gehaltsvorstellung. Das Stichwort aber lautet Ausbildungsstellen schaffen um sich Nachwuchs zu sichern. Die Mähr vom weitverbreiteten Fachkrätemangel entpuppt sich zumeist als größtmögliches Ausleseverfahren am Arbeitsmarkt auch gAaA genannt.

03.03.2018 22:53 tramfan 29

die aktuellen Lücken in fast allen Bereichen (Lehrer, Pflege, Fahrer, Handwerk, Bau, etc.) wären schnell zu beheben wenn die Arbeitsämter Ihre Arbeit richtig machen würden...sollen die doch mal ihre kartei duchgehen und dann mit den Leuten direkt sprechen wer bock hat auf einen neuen Job zu welchen Konditionen. Das Arbeitsamt als Vermittler quasi;)

03.03.2018 19:18 vtw 28

Können sich noch alle an die Schlagzeile vom 06.06.2016 erinnern - " Die deutschen Verkehrsunternehmen wollen bis zum Jahresende 1.000 neue Stellen für Flüchtlinge schaffen. "
Da müssen doch einige Bus- und Straßenbahnfahrer für Sachsen dabei sein
(Nachweis Sachsen Fernsehen) .

03.03.2018 17:40 pkeszler 27

@S: "Schön, dass Sie alle Langzeitarbeitslosen wieder in einen "Topf werfen". Nicht jeder Mensch ( ganz egal ob Arbeitslos oder nicht) ist für den Beruf eines Bus bzw. Tramfahreres geeignet."
Keiner hat alle Arbeitslosen in einen Topf geworfen. Aber unter den 90.000 werden doch Leute für den Beruf eines Bus- oder Tramfahrers zu finden sein. In manchen Städten sieht man sogar Frauen hinter dem Lenkrad. Und wenn man den Leuten auch nur eine Halbtagsbeschäftigung anbieten kann. Da fehlt wohl auch die Initiative der Stadtwerke. Die Anlerntätigkeit und die Führerscheinkosten muss natürlich die entsprechende Firma bezahlen.

03.03.2018 17:07 Frauke Garstig 26

@23 @90 Sobald jemand mit Arbeit droht, kommen die Ausreden am Fließband! Jede Arbeit und Beruf bringt Unannehmlichkeiten mit sich - deshalb heißt es auch Arbeit und nicht sozialkassengestütze Dauerfreizeit!

03.03.2018 17:01 Fragender Rentner 25

Wieso finden sich keine mutivierten Ehrenamtliche?

Sind doch sonst überall zu finden? :-)

03.03.2018 16:11 Ich bins 24

Warum will keiner diese verantwortungsvolle Arbeit machen?