Fachkräfte für Gastronomie Anfragen für 1400 Azubis aus Indonesien

Für sein Restaurant suchte er händeringend Arbeitskräfte. Schließlich holte Wolfgang Nickel Azubis aus Indonesien. Das lief so gut, dass er inzwischen indonesische Lehrlinge auch an andere Unternehmer vermittelt.

Aus einer kleinen Herausforderung ist eine große geworden. Im Köthener Forellenhof war es "fünf nach zwölf", hatte Wolfgang Nickel gesagt. In seiner Gaststätte fehlten Arbeitskräfte. Er überlegte deshalb das Restaurant tageweise zu schließen, obwohl die Auftragsbücher voll waren. Aus der Not heraus holte er sich junge Leute aus Indonesien, die bei ihm als Azubis arbeiten. Inzwischen vermittelt der Gastronom auch anderen Betrieben indonesische Lehrlinge.

Denn seit dem ersten exakt-Beitrag im Juni über sein Engagement steht sein Telefon nicht mehr still. "Es ist schon verwunderlich. Auch in der Kürze der Zeit", sagt Nickel. Er habe viele Anfragen und Mails erhalten. "Ich sage mal, so 1.400 haben wir auf unserer Warteliste. Ob wir das gesamte Feld bedienen können – ich weiß es noch nicht."

Der Bedarf an Auszubildenden ist enorm

Indonesier
Mit einem Arbeits- und Mietvertrag dürfen die Azubis auch nach der Ausbildung in Deutschland bleiben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Idee, Lehrlinge aus Indonesien anzuheuern, hatte Nickel auf einer Reise in den weltgrößten Inselstaat. Einheimische sprachen ihn an, ob ihre Kinder eine Ausbildung in Deutschland machen könnten. Er erkundigte sich. Voraussetzung für das Arbeitsvisum sind Deutschkenntnisse, nachgewiesen durch das Goethe-Institut plus Arbeitsvertrag und Wohnung. Innerhalb von nur wenigen Wochen bekamen seine Azubis ihr Visum. Und wenn sie einen Arbeits- und Mietvertrag haben, dürfen sie nach ihrer Ausbildung in Deutschland bleiben – und zwar unbegrenzt.

Für Nickel war das Voraussetzung. "Es bringt uns nichts, die Leute hier auszubilden, und dass die Leute dann nach drei Jahren nach Hause müssen." Der Restaurantbetreiber will die jungen Menschen auch anschließend bei sich beschäftigen. Das unterscheidet die Indonesier von Flüchtlingen: die sichere Perspektive. Denn abgelehnte Asylbewerber dürfen nach einer Lehre nur zwei Jahre hier bleiben. Dafür investiert kaum ein Unternehmer in die Ausbildung.

Auch in der Pflege fehlt Personal

Auch in der Pflege fehlt überall Personal. MDR-exakt besucht eine Bitterfelder Senioreneinrichtung. "Wir hatten einen Flüchtling hier, unseren Samuel, der kam aus Burkina Faso, war total toll", sagt die Leiterin der Einrichtung, Cornelia Heidrich. Samuel habe hervorragende Arbeit geleistet, doch er hatte noch keine Aufenthaltsgenehmigung. "Wir hätten ihn gerne behalten. Als die Chefinnen auf Nickels indonesische Azubis aufmerksam wurden, wollten auch sie Lehrlinge aus Fernost.

Dabei bekommen die indonesischen Azubis sogar mehr Gehalt als Deutsche in der Branche, 800 Euro müssen mindestens bezahlt werden. So fordert es das Auswärtige Amt, sonst gibt es kein Visum. Insgesamt hat Wolfgang Nickel inzwischen 29 indonesische Azubis nach Deutschland gebracht. Und wenn alles wie geplant läuft, werden es in Zukunft deutlich mehr sein.

Über dieses Thema berichtet exakt auch im: Fernsehen | 29.11.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juni 2018, 22:08 Uhr