Toilette auf einer Autobahnraststätte
Sanifair ist das Sanitärkonzept von "Tank & Rast". Bildrechte: dpa

"Tank & Rast"-Monopol Gewerkschaft will Autobahnraststätten verstaatlichen

70 Cent für den Toilettengang und 3,50 Euro für einen Kaffee – das sind übliche Preise an Autobahnraststätten, zum Ärger vieler Reisender. Außerdem würden auch die Beschäftigten schlecht bezahlt, kritisiert nun die Gewerkschaft "Nahrung-Genuss-Gaststätten". Der Grund sei, dass der Konzern "Tank & Rast" das Monopol habe. Die Gewerkschaft fordert deshalb, die Autobahnraststätten wieder zu verstaatlichen.

von Vera Wolfskämpf, Hauptstadtkorrespondentin MDR AKTUELL

Toilette auf einer Autobahnraststätte
Sanifair ist das Sanitärkonzept von "Tank & Rast". Bildrechte: dpa

Es ist Urlaubszeit, die Raststätten sind voll und viele Reisende zahlen zähneknirschend die hohen Preise, weil es oft einfach keine Alternative gibt. Denn 95 Prozent der Raststätten gehören "Tank & Rast".

Kritik an "Tank & Rast"

Nur wenige Raststätten bewirtschaftet das private Unternehmen selbst, die meisten hat es für teure Lizenzen verpachtet. Das Geld müssten die Betreiber wieder reinholen, so Mustafa Öz von der Gewerkschaft "Nahrung-Genuss-Gaststätten": "Dadurch ist der Druck auf die Belegschaften immens - auch auf die Mitarbeiter dort, die nicht von den hohen Preisen an der Zapfsäule oder an der Kühltheke profitieren – im Gegenteil." Während vor der Privatisierung nach Tarif gezahlt worden sei, bekämen die meisten jetzt nur noch den Mindestlohn.

Bund gegen Verstaatlichung

Deshalb fordert die Gewerkschaft, die Raststätten wieder zu verstaatlichen. Das Bundesverkehrsministerium weist das zurück. Laut Sprecherin Inga Catharina Thomas gibt es derzeit keine Pläne für eine erneute Verstaatlichung.

Die Nebenbetriebe an den Bundesautobahnen sind in den 90er-Jahren privatisiert worden. Dieses System hat sich seitdem bewährt.

Inga Catharina Thomas, Bundesverkehrsministerium

"Tank & Rast" bezahlt jährlich eine Abgabe, maximal drei Prozent des Umsatzes – zuletzt rund 16 Millionen Euro. Der Bund zahlt aber drauf. Denn um Parkplätze, Auf- und Zufahrten zu sanieren, hat er 2017 rund 100 Millionen Euro ausgegeben. Das kritisieren die Linken schon seit längerem und wollen Raststätten in öffentlicher Hand.

"Tank & Rast" weist Vorwürfe zurück

Das würde nicht viel nützen, ist der FDP-Verkehrspolitiker Christian Jung überzeugt. Damit die Preise stimmen, fordert der FDP-Bundestagsabgeordnete, das Monopol von "Tank & Rast" einzudämmen:

"Wir müssen es hinbekommen, auch durch eine mögliche Neuausschreibung, dass es da mehr Wettbewerb gibt und dadurch Qualität, Leistung und Hygiene erheblich besser werden." Das kann allerdings dauern. Denn die Verträge, die 1998 geschlossen wurden, laufen erst in knapp zehn Jahren aus, wenn sie nicht nochmals verlängert werden.

Das Unternehmen "Tank & Rast" weist die Vorwürfe zurück. Schriftlich teilt ein Sprecher auf Anfrage mit: Für Löhne und Preise seien die jeweiligen Betreiber selbst verantwortlich. Aber überwiegend würden Tarifverträge gelten. Und weil Raststätten rund um die Uhr geöffnet hätten, seien die Preise nicht mit denen im Supermarkt zu vergleichen.

Verbraucherzentrale nimmt Stellung

Aber teils doppelt so hoch wie bei anderen Tankstellen – da sieht der Bundesverband der Verbraucherzentrale eine Schieflage. Verkehrsreferent Gregor Kolbe fordert mehr Transparenz, wie "Tank & Rast" die Lizenzen an Betreiber vergibt:

Was passiert eigentlich bei den Ausschreibungen? Die erfolgen alle hinter verschlossenen Türen. Es wird nicht kommuniziert, wer welche Tankstelle erhält und wie viel dafür bezahlt wird.

Gregor Kolbe, Bundesverband der Verbraucherzentrale

Am Ende erhalte der Höchstbietende den Zuschlag und das führe zu den hohen Preisen, erklärt Kolbe. Dort müsse endlich was passieren, es brauche mehr Kontrolle durch den Gesetzgeber. Bis dahin kann der Verbraucherzentrale-Bundesverband nur empfehlen, sich vor der Reise zu informieren, wo es abseits der Autobahn günstigere Raststätten gibt. Oft lohne sich der Umweg von ein bis zwei Kilometern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Juli 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2019, 05:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

15 Kommentare

17.07.2019 09:27 Karsten Lenz 15

Es wird doch niemand gezwungen die Sanifair Toilette zu benutzen. An jedem zweiten Parkplatz hat die öffentliche Hand ja wunderschöne WC Häuschen aufgestellt. Kostet nichts, riecht auch so. Wem die 20 Cent (50 Cent gibt's ja als Rabattgutschein zurück) für Sanifär zu teuer sind darf diese nutzen.

16.07.2019 22:33 Walter 14

Ich sage nur, erste Autobahnraststätte Deutschlands RODABORN.

Zumindest alle Thüringer wissen, wie mit Hilfe des Rechtsrates Wettbewerb und Tradition verhindert werden!

16.07.2019 21:48 Die kurze Seite der Sonnenallee 13

Dass es der Staat genau nicht besser kann, hat er doch nun 40 Jahre eindrucksvoll bewiesen. Die Raststätten aus alter Zeit waren vermufft, die sanitären Anlagen widerwärtig, das Essen grottig. All diejenigen, die hier über die hohen Preise schimpfen, sind die selben Leute, die sich über 70 Cent für eine saubere Toilette aufregen. Davon können noch 50 Cent eingelöst werden, kostet der Kaffee nur noch 3 Euro. Wie immer würde es auch hier der Markt richten. Wem das Angebot nicht zusagt, bleibt weg und nimmt sich seine Stullen selbst mit. Ebenso eine Thermoskanne mit Kaffee. Dass es keine Alternative unterwegs gibt, ist auch aus alten Zeiten hervorgeholt. Inzwischen gibt es jede Menge Autohöfe in der direkten Nachbarschaft von Autobahnausfahrten. Diese sind meist preiswerter als Raststätten. Im übrigen kann man auch ins nächste Dorf fahren und den alteingesessenen Landgasthof unterstützen. Hier wird mal wieder auf höchstem Niveau gejammert.

16.07.2019 19:39 Carolus Nappus 12

Bei Verstaatlichung von Tank und Rast denke ich unwilkkürlich an Mitropaniveau. Als ob da automatisch irgendwas besser und gleichzeitig auch noch billiger würde.
Merken die Forder der Verstaatlichung nicht, dass sie sich da widersprechen? Wenn da jetzt alle nur Mindestlohn bekommen, dann doch nach einer Verstaatlichung doch sicher mindestens den Lohn des öffentlichen Dienstes? Der dürfte nicht niedriger sein. Und mehr Leute plus einer zusätzlichen Verwaltung mit Personalräten, Schwerbehindertenvertretern und Gleichstellungsbeauftragten.
Am Ende wird nichtmal 3% des Umsatzes als positiver Beitrag übrigbleiben. Die Kosten für die Sanierung von Auf- und Zufahrten und Parkplätze werden wohl durch eine Verstaatlichung der Rastanlagen ohnehin nicht niedriger.
Und Wettbewerb gibt es längst. Tank und Rast genausowenig ein Monopol wie es die Deutsche Bahn zu seeligen Beamtenbahnzeiten eins hatte.

16.07.2019 16:31 wwdd 11

Ich pinkel immer die Bäume an. Schließlich dürfen das die Lieblinge der Hundehalter auch.

16.07.2019 16:13 Rumsdibums 10

Zumindest sind die Toiletten für die 70 cent Sauber.
Nach dem ersten Versuch an einer Raststätte etwas zu Essen zu bekommen habe ich mir für Autobahnfahrten einfach ein paar Bemmen zu Hause geschmiert.

16.07.2019 11:57 Wachtmeister Dimpfelmoser 9

Nach der Verstaatlichung kostet der Toilettengang dann 90 Cent, die Zahl der "Außer Betrieb"-Schilder ohne Konsequenzen wird sprunghaft ansteigen, und der Hygienezustand wird bald danach auch deutlich schlechter. Aber gut, wenn Mustafa Öz das fordert...

16.07.2019 11:50 Anton 8

Toilette für 70 Cent ist teuer. Auch wie bei einigen Raststätten 50 Cent immer noch teuer. Aber in Italien, z.B. in Venedig, kosten Toiletten viel mehr und trotzdem benutzt. Vielleicht liegt das daran, dass man, zum Unterschied von einer deutschen Autobahn, nicht einfach so zur Seite pinkeln gehen kann? Somit gibt es in Raststätten immer noch Wettbewerb fürToiletten, deshalb bleiben sie immer noch nicht über 70 Cent teuer. Wettbewerb ist wichtig!

16.07.2019 11:18 part 7

Infrastruktur, die sofort privaten Monopolisten zugeschlagen wurde. Wie viele Andere Infrastruktur ebenfalls zukünftig in diesem Marktadikalismus, wo es nicht mehr um die Grundbedürfnisse der Bürger geht. Kaputtgesparte Krankenhäuser, von denen es angeblich zu viele geben soll in diesem Land sind ein Paradebeispiel.

16.07.2019 11:07 Gerd Müller 6

Warum, im Kapitalismus herrscht doch Wettbewerb, da müssten doch die Preise, wie beim Strom sinken.
Ach, das war ja in der sozialen Marktwirtschaft, war in der anderen Zeit.
Wir geben fast 54% von unserem Lohn dem Staat, den Rest holen sich raffgierige Kapitalisten.
Deutschland geht es gut, das Land in dem wir gut und gerne leben.