Ein Mann steht im Gebäude der Bundesnetzagentur vor einer Leinwand mit der Aufschrift "5G".
Mit 5G, dem Nachfolger von LTE, soll die Übertragunsggeschwindigkeit des mobilen Internets gesteigert werden. Bildrechte: dpa

Auktion der Bundesnetzagentur Wettstreit um 5G-Lizenzen hat begonnen

Vernetzte Fabriken, selbstfahrende Autos und 20-mal schnelleres Internet auf Handys und Tablets – das alles soll die fünfte Mobilfunkgeneration, kurz 5G, bringen. Die Bundesnetzagentur versteigert seit Dienstagmorgen die Lizenzen für die neue Technologie. Es geht um viele Milliarden Euro – aber auch um offene Fragen zum Netzausbau und zu möglicher Spionage.

Ein Mann steht im Gebäude der Bundesnetzagentur vor einer Leinwand mit der Aufschrift "5G".
Mit 5G, dem Nachfolger von LTE, soll die Übertragunsggeschwindigkeit des mobilen Internets gesteigert werden. Bildrechte: dpa

Bei der Bundesnetzagentur hat am Dienstagmorgen die Auktion von Frequenzen gestartet, die für den neuen Mobilfunkstandard 5G genutzt werden sollen. Neben den bisherigen Netzbetreibern Deutsche Telekom, Telefónica (O2) und Vodafone bietet der Neueinsteiger 1&1 Drillisch (United Internet) mit.

Nach Schätzungen darf der Bund mit Einnahmen von mehreren Milliarden Euro rechnen. Bei den jüngsten Frequenzversteigerungen 2010 und 2015 lagen die Erlöse bei knapp 4,4 Milliarden Euro beziehungsweise gut fünf Milliarden Euro. Ein Rekordergebnis wie bei der Auktion der UMTS-Lizenzen (3G) im Jahr 2000 wird allerdings ausgeschlossen. Damals zahlten die Bieter umgerechnet rund 50 Milliarden Euro.

Langer Wettstreit unter hohen Sicherheitsauflagen

Ein schnelles Ende des Bieter-Wettstreits ist nicht zu erwarten. Frühere Auktionen dauerten zwischen drei und sechs Wochen. Die Auktion erfolgt rundenweise. Die Versteigerung endet erst, wenn in einer Runde auf keinen einzigen der angebotenen 41 Frequenzblöcke mehr Gebote abgegeben werden.

Außenansicht der Bundesnetzagentur
Standort der Bundesnetzagentur in Mainz: In dem Gebäude bieten die Vertreter der Unternehmen unter strengen Sicherheitsbestimmungen. Bildrechte: dpa

Das gesamte Verfahren findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen am Standort der Bundesnetzagentur in Mainz statt. Die Vertreter der beteiligten Unternehmen dürfen während der Versteigerung nicht mit der Außenwelt kommunizieren. Lediglich mit ihren Konzernzentralen dürfen sie über eine gesicherte Leitung Kontakt aufnehmen.

Das Gebäude wurde so abhörsicher wie möglich gemacht. Mitarbeiter der Netzagentur und Experten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik wachen über die Einhaltung der Regeln und verhindern illegitime Kontaktversuche nach außen. Kein Bieter soll sich einen Vorteil verschaffen, etwa indem er an Informationen über die Strategie der Mitbewerber kommt. Auch Abmachungen zwischen den Unternehmen sollen verhindert werden. "Absprachen von Bietern untereinander können zum Ausschluss von der Auktion führen", warnt die Bundesnetzagentur.

"Weltspitze bei digitaler Infrastruktur"

In der Versteigerung sehen Experten einen wichtigen Schritt, damit Deutschland bei der Digitalisierung vorankommt. Auch in der Vergaberichtlinien der Bundesnetzagentur heißt es: "Deutschland soll Weltspitze bei der digitalen Infrastruktur und Leitmarkt für 5G in Europa werden." Der Mobilfunkstandard gilt insbesondere als Voraussetzung für die weitere Vernetzung von Maschinen in der Industrie, aber auch für autonomes Fahren oder Anwendungen in der Telemedizin.

Wissen

Was ist 5G? 2 min
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5G ist der neue Mobilfunkstandard. Wir zeigen, worin er sich von LTE etc. unterscheidet.

Mo 25.02.2019 12:24Uhr 01:51 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/mobilfunkstandard-fuenf-g-kurz-erklaert100.html

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Allerdings werden Frequenzen für lokale Nutzung – wie zum Beispiel auf Firmengeländen – nochmals separat vergeben. Unternehmen und öffentliche Einrichtungen können dafür in der zweiten Jahreshälfte Anträge stellen. Die großen Mobilfunkanbieter sind dabei außen vor. Für diese lokalen Breitbandfrequenzen werden dann Gebühren und Beiträge fällig.

Klagen eingereicht

Der jetzigen Auktion ging ein Streit zwischen Bundesnetzagentur und Mobilfunkanbietern voraus. Die Unternehmen kritisierten die Vorgaben der Netzagentur in Hinblick auf das Tempo und den Umfang des 5G-Ausbaus als unrealistisch. Außerdem bemängelten sie ein sogenanntes Verhandlungsgebot in den Verträgen, das aus ihrer Sicht dazu führe, dass sie Wettbewerber in ihr Netz lassen müssten und ihre Investitionen in neue Mobilfunkmasten dadurch entwertet würden.

Die Konzerne klagten sogar im Eilverfahren vor dem Kölner Verwaltungsgericht. Die Richter wiesen die Vorwürfe jedoch vorerst zurück. Das Hauptsacheverfahren ist zwar nach wie vor anhängig, doch auf die Auktion hat das keine Auswirkungen – zumal nicht damit gerechnet wird, dass die Richter sich selbst noch einmal korrigieren.

Schnelles Internet an jeder Milchkanne?

Die Bundesnetzagentur hatte unter anderem festgelegt, dass bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland mit dem schnellen mobilen Internet versorgt werden sollen. Auch auf Autobahnen, Bundesstraßen und Zugstrecken sollen die Deutschen nach Vorstellung der Netzagentur durchgängig schnell surfen können. Ziel ist außerdem, noch bestehende Funklöcher zu schließen.

Zum geflügelten Wort wurde dazu die Aussage von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU), die in einem Interview erklärte: "5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig". Rückendeckung bekam sie dabei zuletzt von Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).

Diskussion um chinesischen Einfluss

Der Entwicklung des 5G-Netzes wird darüber hinaus überlagert von Sicherheitsbedenken in Hinblick auf die chinesische Firma Huawei. Das Telekommunikationsunternehmen bietet zwar nicht mit bei den Frequenzen, ist aber ein bedeutender Lieferant von Hardware für den nachfolgenden Netzausbau. Huawei steht unter Verdacht, Daten und Informationen an die chinesische Regierung weiterzuleiten. Die USA drohten kürzlich damit, die militärische und geheimdienstliche Zusammenarbeit mit Deutschland einzuschränken, falls die Bundesregierung die chinesische Firma nicht vom Ausbau des 5G-Netzes ausschließt.

Die Koalition in Berlin will Huawei jedoch nicht pauschal vom Aufbau des 5G-Netzes ausschließen. Das Risiko, dass ausländische Anbieter ihre Beteiligung dazu missbrauchen könnten, Daten auszuspionieren oder die Netze zu sabotieren, soll stattdessen durch strenge Regeln für alle Hersteller eingedämmt werden.

BND warnt angeblich

Nach Informationen des "Spiegel" soll der Bundesnachrichtendienst (BND) die Bundesregierung allerdings vor einer Beteiligung des chinesischen Huawei-Konzerns am Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes gewarnt haben. Die Bedenken beziehen sich dem Nachrichtenmagazin zufolge sich auf die Gesamtstrategie Chinas und speziell auf das chinesische Geheimdienstgesetz. Dieses Gesetz ermöglicht den Nachrichtendiensten, von allen "betroffenen Organen, Organisationen und Bürgern die erforderliche Unterstützung, Hilfe und Zusammenarbeit verlangen" zu können – auch von international agierenden Unternehmen wie Huawei.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) warnte am Montag vor Blauäugigkeit im Umgang mit China, ebenfalls mit Blick auf das Bestreben Chinas, sich an Infrastrukturprojekten wie dem Ausbau des 5G-Netzes in Europa zu beteiligen. Man müsse "natürlich auch sehen, dass China seine strategischen Interessen durchaus auch wirtschaftspolitisch vertritt", sagte er.

Keine Beweise

Der Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, sagte hingegen dem "Focus", dass es ohne weiteres nicht möglich sei, chinesischen Anbieter wie Huawei oder ZTE zu verbannen. Er erklärte außerdem: "Beweise für technische Hintertüren in Produkten von Huawei und ZTE liegen uns nicht vor."

Experten geben außerdem zu Bedenken, dass die Technik von Hauwei bereits in mehreren deutschen Mobilfunknetzen zum Einsatz komme, die Diskussion also insgesamt zu spät geführt werde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. März 2019 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2019, 05:00 Uhr

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2 Kommentare

19.03.2019 18:48 NRW-18 2

Aus meiner Sicht ist 5G ein Produkt aus Raffgier der Industrie. Im "Internet der Dinge" soll alles noch schneller werden, damit der Profit wächst.
Dieser Profit wächst zu Lasten derer, die die durch noch mehr Vernetzung und Automatisierung nicht mehr gebraucht werden. Als Trostpflaster kann dann privates Hartz4-TV per Smartphone auf jeder Parkbank geschaut werden.
Schon jetzt ist die HF-Strahlung umstritten, auch wenn man kaum darüber berichtet. Was passiert mit Lebewesen, wenn die Anzahl der Antennen mit 3 bis 100 GHz verdichtet wird? Verursacht der Mobilfunk schon jetzt das Insektensterben? Sind wir alle die Versuchskaninchen? Außerdem: Mehr Vernetzung = Mehr Angreifbarkeit in allen Hinsichten.

19.03.2019 16:43 Fragender Rentner 1

Genau wie hatte mal jemand gesagt?

Ausspionieren unter Freunden, das geht garnicht?