Blick am 18.08.2016 auf einen Firmensitz des Automobilzulieferers Prevent in Warmenau bei Wolfsburg (Niedersachsen).
Im Streit mit dem Autozulieferer Prevent ließ der Autobauer Volkswagen Informationen über Prevent sammeln. Dabei soll auch das Privatleben von Prevent-Mitarbeitern auf Interesse gestoßen sein. Bildrechte: dpa

Streit mit Zulieferer Prevent fordert von VW Aufklärung über Spitzeleien

Der Streit zwischen dem Autobauer Volkswagen und dem Autozulieferer Prevent wird immer bizarrer. VW ließ Mitarbeiter des ungeliebten Zulieferers bespitzeln. Angeblich habe alles den rechtlichen Vorschriften entsprochen.

Blick am 18.08.2016 auf einen Firmensitz des Automobilzulieferers Prevent in Warmenau bei Wolfsburg (Niedersachsen).
Im Streit mit dem Autozulieferer Prevent ließ der Autobauer Volkswagen Informationen über Prevent sammeln. Dabei soll auch das Privatleben von Prevent-Mitarbeitern auf Interesse gestoßen sein. Bildrechte: dpa

Der Autozulieferer Prevent verlangt vom Autobauer Volkswagen Aufklärung über Spitzelvorwürfe. Das Unternehmen forderte den neuen VW-Konzern-Chef Herbert Diess auf, die Vorwürfe rasch zu untersuchen.

VW-Chef Diess soll Klarheit schaffen

Prevent erklärte, die Verantwortlichen bei VW müssten umgehend und abschließend Klarheit schaffen. Das Vorgehen von VW habe die Firma zutiefst schockiert, weil offenbar auch das Privatleben von Mitarbeitern ausgeforscht worden sei.

Laut "Bams" Privatleben im Visier

Nach Informationen der "Bild am Sonntag" sollte eine Berliner Sicherheitsfirma Informationen über mehrere Mitarbeiter bei Prevent zusammentragen. Die Firma sollte ab März 2017 Informationen über insgesamt 37 "Zielpersonen" beschaffen. Darunter waren demnach Mitglieder der bosnischen Eigentümerfamilie, Führungskräfte von Tochterfirmen und drei Anwälte der Unternehmensgruppe. Es seien sogar Privatadressen ins Visier genommen worden.

VW beteuert Rechtmäßigkeit

Volkswagen räumte ein, Recherchen über die Prevent-Gruppe in Auftrag gegeben zu haben. Damit habe der Konzern mehr über Strukturen und Netzwerke der Gruppe bekommen wollen. VW beteuerte, nach derzeitigem Wissen, seien die Recherchen im Rahmen der rechtlichen Vorschriften erfolgt.

Auch die Kanzlei Hogan Lovells, die VW in dem Fall bereit, erklärte, der mit den Recherchen beauftragte Dienstleister sollte zu jeder Zeit möglichst offen auftreten und sämtliche Recherche-Schritte schriftlich dokumentieren. Dabei habe man betont: Alle gesetzlichen Regeln seien einzuhalten.

Lieferstopp und Vertragskündigungen

Prevent und Volkswagen liefern sich seit zwei Jahren einen erbitterten Streit. Im Sommer 2016 hatten zwei Prevent-Firmen keine Teile mehr an VW geliefert. Grund war ein durch Volkswagen gekündigter Auftrag. Bei VW standen daraufhin in mehreren Werken die Bänder still – trotz einstweiliger Verfügungen des Landgerichts Brauchschweig.

Vor kurzem schlug Volkswagen zurück. Der Konzern kündigte Prevent Verträge fristlos. Prevent kündigte deshalb Kündigungen und Kurzarbeit an eigenen Standorten in Schönheide, Plauen und Stendal an.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 15. April 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2018, 20:49 Uhr

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2 Kommentare

16.04.2018 11:37 schmidt 2

...VW ist ein Staatsbetrieb, quasi ein VEB Kombinat. Wenn ich mir das Treiben der Gewerkschaften bei VW und bei ES Automobilguss so anschaue, dann frage ich mich, wer ist hier die treibende Kraft hinter allem...schaut den Gewerkschaften endlich mal etwas genauer auf die Finger!!!

16.04.2018 07:43 colditzer 1

"Volkswagen räumte ein, Recherchen über die Prevent-Gruppe in Auftrag gegeben zu haben. Damit habe der Konzern mehr über Strukturen und Netzwerke der Gruppe bekommen wollen. VW beteuerte, nach derzeitigem Wissen, seien die Recherchen im Rahmen der rechtlichen Vorschriften erfolgt. "
Wirtschaftsspionage oder Spionage über Strukturen und Personen ist rechtsmäßig.
Solange es von VW kommt.
Macht es aber jemand anderes , dann ist es natürlich kriminell.
Und das Land Niedersachsen ist immer dabei.