Immobilienkonzern Vonovia rechnet Grundsteuer-Erhöhung um 429 Prozent bei Mietern ab

Wegen unverschämt hoher Betriebskostenabrechnung stellen Mieter Strafanzeige gegen den Immobilienkonzern Vonovia.

Die Mieter eines von Deutschlands größtem Vermieter Vonovia verwalteten Hauses in Berlin haben Strafanzeige gegen den Wohnungskonzern gestellt. Aus der Strafanzeige und FAKT vorliegenden Betriebskostenabrechnungen geht hervor, dass der Wohnungskonzern den Mietern eine Erhöhung der Grundsteuer um 429 Prozent in Rechnung stellte.

So teilten sich die Mieter für das Haus in der Liebenwalder Straße in Berlin im Jahr 2015 die Grundsteuer von knapp 2.400 Euro. 2016 stieg die Steuer laut Abrechnung von Vonovia auf mehr als 10.000 Euro. In ihrer Strafanzeige geben die Mieter an, dass etwa die Hälfte der Bewohner des Hauses auf staatliche Leistungen angewiesen sei. "Das bedeutet, hier würde Vonovia zum Nachteil des Staates abrechnen", heißt es in der Anzeige.

In Stuttgart regt sich Protest gegen Wohnungsspekulanten und Wohnungsnot. Kundgebung des Aktionsbündnis Recht auf Wohnen auf dem Marktplatz mit der Forderung nach bezahlbaren Wohnungen.
Protest gegen Wohnungsspekulanten und Wohnungsnot. Bildrechte: imago/Arnulf Hettrich

"Wir wehren uns mit Händen und Füßen gegen diese Abzocke", sagte eine Bewohnerin, die aus Angst vor dem Vermieter ihren Namen nicht veröffentlichen möchte. "Es gibt viele Dinge, die in unserem Haus abgerechnet werden, obwohl es unzulässig ist oder Leistungen gar nicht erbracht werden. Aber die Grundsteuer auf dem Papier einfach zu erhöhen, geht schlicht zu weit. Deshalb haben wir Strafanzeige gestellt." Grundsätzlich kann die Grundsteuer auf Mieter umgelegt werden, allerdings nur in der tatsächlich angefallenen Höhe.

Vonovia vermietet in ganz Deutschland mehr als 350.000 Wohnungen und hat im vergangenen Jahr einen Gewinn von knapp 1,1 Milliarden Euro erzielt. Der Wohnungskonzern sprach auf FAKT-Anfrage von einem bedauerlichen Fehler, der mittlerweile korrigiert worden sei. "Die Ursache der erhöhten Kosten lag bedauerlicherweise in der mangelhaften Datenlage, die uns durch den Voreigentümer übermittelt wurde. Im Rahmen der Korrektur haben wir die Kostenverteilung korrigiert", schrieb eine Sprecherin des Konzerns am Montag. Der Grundsteuerbescheid des Voreigentümers liegt FAKT vor. Dieser weist einen Betrag von knapp 2400 Euro aus.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 26. März 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2019, 09:01 Uhr

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