Diesel-Skandal Ex-VW-Chef Winterkorn muss vor Gericht

Der langjährige Konzernchef  Martin Winterkorn muss sich wegen des Dieselkandals bei Volkswagen vor Gericht verantworten. Knapp fünf Jahre nach dem Auffliegen der Abgasaffäre ließ das Braunschweiger Landgericht die Betrugsanklage gegen ihn zu.

Martin Winterkorn
Martin Winterkorn war von 2007 bis 2015 Vorstandstvorsitzender der Volkswagen AG. Bildrechte: dpa

Im Volkswagen-Dieselskandal muss sich der frühere Konzernchef Martin Winterkorn in einem Prozess vor Gericht verantworten. Fünf Jahre nach Bekanntwerden der systematischen Manipulation von Abgaswerten ließ das Landgericht Braunschweig die Anklage wegen Betrugsverdachts in wichtigen Teilen zu. Ein Termin für den Prozess steht noch nicht fest.

Vorwurf des bandenmäßigen Betrugs

Bei der Zulassung verschärfte die Strafkammer die Anklage teilweise: Statt des erhobenen Vorwurfs des schweren Betrugs hegen die Richter sogar einen hinreichenden Tatverdacht, dass Winterkorn und weitere Manager sich dafür gewerbsmäßig zu einer Bande zusammengeschlossen haben.

Rupert Stadler, ehemaliger Audi-Chef
Audi gehört zum VW-Verbund und manipulierte ebenfalls Diesel-Abgaswerte. Ex-Audi-Chef Rupert Stadler wird in München der Prozess gemacht. Bildrechte: dpa

Der Vorwurf gegen Winterkorn und vier weitere frühere und aktuelle Volkswagen-Mitarbeiter lautet nun "gewerbs- und bandenmäßiger Betrug", teils in Tateinheit mit Steuerhinterziehung und mit strafbarer Werbung. Zum Teil wird den Angeklagten lediglich Beihilfe zu diesen Delikten zur Last gelegt.

Als erster großer Strafprozess im Volkswagen-Dieselskandal in Deutschland beginnt Ende September in München das Gerichtsverfahren gegen den früheren Audi-Chef Rupert Stadler.

Bislang rund 30 Milliarden Euro Strafen

Volkswagen hatte im September 2015 auf Druck der US-Umweltbehörde EPA zugegeben, millionenfach Diesel-Abgaswerte durch eine Abschalteinrichtung manipuliert zu haben. Dabei wurden die Stickoxidgrenzwerte nur auf dem Prüfstand eingehalten, während die Emissionen auf der Straße um ein Vielfaches höher sind.

Volkswagen musste als Wiedergutmachung bislang rund 30 Milliarden Euro zahlen, vor allem Strafen und Schadenersatzzahlungen in den USA. Noch ist ein Ende der zahlreichen Prozesse von Kunden und Anlegern weltweit nicht absehbar.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. September 2020 | 16:00 Uhr

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