Gegen Umtauschprämien VW will bundesweit Diesel verschrotten

VW will bundesweit ältere Diesel zurücknehmen, verschrotten und dafür Umtauschprämien zahlen. Damit will der Konzern einen "signifikanten Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität" leisten, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Von Hardware-Nachrüstungen war keine Rede. Der ADAC Hessen-Thüringen kritisierte die erneuerte Abwrackprämie als Werbemaßnahme.

Volkswagen will ab sofort mit Hilfe von Kaufprämien bundesweit ältere Dieselfahrzeuge aus dem Verkehr ziehen. Die abgegebenen Autos will VW zum Teil verschrotten. Weitere Fahrverbote in deutschen Innenstädten sollen so vermieden werden. Durch die "Erneuerung der Fahrzeugflotte" leiste das Unternehmen "einen signifikanten Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität in deutschen Städten", sagte der Vertriebsleiter des Konzerns, Dr. Christian Dahlheim.

Keine Hardware-Nachrüstungen

Die Abwrackprämie – VW spricht von einer Umweltprämie – gelte bundesweit bei Verschrottung eines Dieselfahrzeugs der Abgasnormen Euro 1 bis Euro 4 eines beliebigen Herstellers, teilte der Autokonzern weiter mit. Käufer eines Neuwagens oder eines jungen Gebrauchtfahrzeugs erhielten im Gegenzug eine Geldzahlung. Die Höhe sei abhängig vom gewählten Modell. Maximal sollen nach Information der dpa 10.000 Euro angerechnet werden. Beteiligt seien die Konzernmarken Audi, Seat, Skoda und Volkswagen.

In den 14 deutschen Städten mit besonders belasteter Luft sollen die Besitzer von Diesel-Autos der Normen Euro 4 und Euro 5 Wechselprämien erhalten, die zusätzlich zum Restwert gezahlt würden. Die von vielen Seiten geforderten Hardware-Nachrüstungen sind in dem "umfassenden Maßnahmenpaket" (VW) nicht vorgesehen.

ADAC Hessen-Thüringen spricht von Werbemaßnahme

Auch deshalb hält der ADAC Hessen-Thüringen wenig von der angebotenen Verschrottungsprämie. Sprecher Oliver Reidegeld sagte am Donnerstag MDR AKTUELL, letztendlich sei das genau so eine Werbemaßnahme von Volkswagen wie die Umtauschprämie für neuere Dieselfahrzeuge. Für Besitzer von Autos am Ende ihrer Lebensdauer gebe es "eventuell einen Mitnahmeeffekt von ein paar tausend Euro". Für alle, die ihr Auto noch ein paar Jahre fahren wollten, mache eine Verschrottungs- oder Umtauschprämie keinen Sinn.

Der ADAC-Sprecher verwies darauf, dass die allermeisten Diesel schon die Norm Euro 5 oder 6 erfüllten. Gerade bei Euro-5-Dieseln, die von Fahrverboten bedroht seien, sei eine Hardware-Nachrüstung sehr effektiv: "Wir haben gezeigt, das bringt eine enorme Reduktion der Stickoxide." Deshalb müsse die Autoindustrie "den Weg dafür nun endlich flächendeckend freimachen".

Verrechnung mit anderen Rabatten

Nach Einschätzung des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer dürfte ein Teil der VW-Nachlässe bei Verschrottung alter Diesel mit bisherigen Rabatten verrechnet werden. Er schließe nicht aus, dass andere "Verkaufs-Förderungsprogramme" beschnitten werden, sagte der Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen. Er sprach von einem "Konjunkturprogramm".

Als Standard-Rabatt beim Neuwagenkauf seien Nachlässe von 12 bis 15 Prozent üblich. Bei der bislang letzten sogenannten "Umtauschprämie" für schmutzige Diesel seien die übrigen Rabatte allerdings im Großen und Ganzen weiter angeboten worden. Dudenhöffer riet Autokäufern, auf Internetvermittler zurückzugreifen – dort seien die Preise und Rabatte ersichtlich.

Streitpunkt Nachrüstung

Die Große Koalition streitet derzeit über mögliche Milliarden-Bußgelder für Autobauer. Hintergrund ist die Weigerung der Hersteller, bei möglichen technischen Nachrüstungen älterer Diesel-Autos die Kosten vollständig zu übernehmen. Das ist neben Kaufanreizen für sauberere Autos ein zentraler Punkt eines Maßnahmen-Pakets, auf das sich Union und SPD geinigt haben, um Fahrverbote zu verhindern.

Autobauer unter Zugzwang

Anfang der Woche war bekannt geworden, dass mit Opel der nächste deutsche Autobauer im konkreten Verdacht steht, die Abgase von Dieselfahrzeugen mit umstrittenen Software-Funktionen manipuliert zu haben. Darüber hinaus verhängte die Staatsanwaltschaft München ein Bußgeld von 800 Millionen Euro gegen die VW-Tochter Audi wegen "Abweichungen von regulatorischen Vorgaben" bei bestimmten Dieselmotoren. Dennoch sprach VW-Chef Herbert Diess mit Blick auf neue CO2-Grenzwerte jüngst in einer Rede einem "Feldzug gegen die individuelle Mobilität".

Besonders belastete Städte 2017
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Oktober 2018 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2018, 19:20 Uhr

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27 Kommentare

19.10.2018 22:57 Querdenker 27

Zitat: „Weitere Fahrverbote in deutschen Innenstädten sollen so vermieden werden.“

Wenn die Politik es ernst meinen würde, dann würde sie von der Möglichkeit, Rahmenbedingungen für die Autoindustrie zu schaffen, stärker Gebrauch machen.

Umweltfreundliche und wenig die Gesundheit belastende Autos für Bürger in Städten werden benötigt. Da in den Städten wenig Steckdosen für Elektroautos sind, sollten Autos mit Solarzellen gebaut werden. Hybrid ohne Steckdose bringt wenig.

siehe „pfalz-express Heilbronn Neuartiges Elektroauto Sion begeistert das Publikum“
Zitat: „Durch die Solarzellen, die in das Exterieur integriert sind, kann der Sion seine Batterie tagsüber ganz einfach selbst laden. So können bis zu 30 Kilometer Reichweite am Tag erreicht werden – ganz einfach und völlig kostenfrei.“ (im Durchschnitt etwa 4000 km pro Jahr)

siehe „adac Elektroauto Sion von Sono Motors: Innovativ und bezahlbar“

siehe „tz So viele Kilometer fahren die Deutschen pro Jahr Auto“

19.10.2018 05:58 Wo geht es hin? 26

@Peter - Zitat von Ihnen: "Ich bekomme für meinen alten Diesel bis zu 10.000 Euro von VW." Zitat Ende. Nehmen wir mal an, Sie hätten einen Passat. Dann viel Spass bei der Verhandlung mit VW. Wenn die Ihnen dafür 1500 anbieten, kommen Sie noch gut weg. Die hätten Sie bei jedem anderen orientalischem Gebrauchtwagenhändler auch bekommen. Und neue Schulden hätten Sie auch - aber die bekommt man ja zu fast 0 % "geschenkt". Wie nobel von VW. Allein schon Ihr hypothetischer Denkansatz zeigt, wie vollkommen realitätsfremd Sie sind.

18.10.2018 22:44 NRW-18 25

@ 21 Peter
Sie geben wie so oft nur den Mainstream wieder.
Wer andere Meinungen "berichtigen" will, sollte auch wissen, dass ein Frack ein Kleidungsstück ist und nichts mit ab(f)wracken zu tun hat. :)
Warum sollte man ein funktionstüchtiges Dieselfahrzeug abwracken, wenn man es noch viele Jahre nutzen kann? Was hat das mit Umweltschutz zu tun?
Warum soll man ein neues Fahrzeug finanzieren oder vernünftigerweise bar bezahlen, wenn man mit seinem Auto zufrieden ist?
Ganz einfach, damit man der Autoindustrie und ggf. den Banken ihren sehnlichsten Wunsch erfüllt, nämlich zu verkaufen und im Fall der Banken Geld aus dem Nichts zu schöpfen. Die dazu notwendige Gehirnwäsche besorgen dann die Grünen und die DUH. Mag sein, dass man die Abgase aus neueren Dieselmotoren nicht sieht, dafür sind sie feiner und lungengängig. Was verstehen Sie nun unter "gesundheitsschädlich"?

18.10.2018 22:34 Bernd L. 24

Es wäre gut, wenn kritische Artikel auch beim MDR und im ÖTV Gehör fänden. Wie ein Lungenexperte im Cicero geschrieben hat, gibt es keinen wiss. Beleg dafür, dass die Stickoxydbelastungen in unserem Straßenverkehr negative Auswirklungen auf die Gesundheit habt - die Grenzwerte wurden rein politisch, nicht wissenschaftlich festgelegt. Er schreibt auch, dass die Fahrverbote (die es meines Wissens nur in Deutschland gibt, obwohl es viele Großstädte mit schlechterer Verkehrsluft gibt) nichts für die Gesundheit bringen. Luftnummer,Flop, Schildbürgerstreich nennt man so etwas.

18.10.2018 22:19 REXt 23

Jubel- Peter, hierbei werden Autos, deren Lebensdauer nicht zur Hälfte abgelaufen ist, so einfach verschrottet, das ist Vernichtung von Resoursen, die Neuproduktion ergibt CO2 Produktion, dazu kommt noch, den meisten geht es nicht so gut wie dir, der während seiner Arbeitszeit, (die meisten arbeiten ja Tags über)hier im Forum, ständige seien Senf abgeben kann. Dazu kommt noch, wie schon einige User warnen, die umgetauschten, Euro6 Diesel, sind spätestens in 2Jahren dran, dann gelten die als „Schrottautos“, ja was dann , ach so E Autos, nur darum geht es, da der Absatz etwas hinkt!

18.10.2018 21:35 Peter 22

@REXt: Mir fällt da noch was ein.
Hatten Sie nicht vor einigen Wochen gemeint, die Grünen und die Deutsche Umwelthilfe würden der deutschen Autoindutrie den Garaus machen.
Und heute beschimpfen Sie die deutsche Autoindustrie, mit der Abfrackprämie nur an ihre Profite zu denken.
Alternative Gedankenwelt: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern. Hauptsache es geht gegen Brüssel und Merkel.
Was meinen Sie eigentlich morgen?

18.10.2018 21:21 Peter 21

@17 REXt: Glauben Sie mir, die Dieselbesitzer in Deutschland werden einfach nur rechnen.
Ich bekomme für meinen alten Diesel bis zu 10.000 Euro von VW.
Ich kann meinen neuen VW für fast 0% finanzieren.
Vor zehn Jahren in Zeiten der Abfrackprämie haben 2 Mio Deutsche für 2.500 € einfach nur "Ja" gesagt.
Na REXt, reines Rechenexempel. Ich glaube, in zwei Jahren sind die gesundheitsschädlichsten Diesel von der Straße. Darüber werden sich sowohl die Anwohner der betroffenen Straßen als auch die Deutsche Umwelthilfe freuen.
Mal ne Frage an Sie: Sie auch?
Ach ja, ich habe vergessen: Ihre Devise heißt "Merkel muss weg".

18.10.2018 20:33 Querdenker 20

Die Technik zur Reduzierung von Stickoxiden ist uralt und fand zuerst in Kraftwerken ab etwa 1974 Anwendung. Die hätten die Technik denke schon viel früher bei Autos einführen können! (siehe „wiki Selektive katalytische Reduktion“) Und jetzt wird der Bürger mit einem Konjunkturprogramm im Gewand einer „Werbemaßnahme“ abgespeist bei Fahrverboten. Das fühlt sich wieder mal wie geplante Obsoleszenz an.

Partikelfilter (auch) für Benziner und AdBlue für Diesel-PKW hätten schon vor Jahren eingeführt werden können!

Politiker tragen finde die Hauptschuld, weil sie für die Rahmenbedingungen der Wirtschaft zuständig sind. Die haben mit den Autokonzernen geklüngelt und tun es scheinbar jetzt noch!

Wann kommen endlich die Hardwarenachrüstungen, bezahlt von den Autokonzernen!

18.10.2018 19:53 Jakob 19

Hey Ludwig @3, die Grenzwerte für Stickoxid sind in den USA dreimal so NIEDRIG. Gleichzeitig bekommt es die deutsche Automobilindustrie NICHT hin, so saubere Motoren zu bauen, dass diese Grenzwerte eingehalten werden, sondern muss (bis heute) schummeln. - Und obendrein: Die Grenzwerte sind selbstverständlich "politisch motiviert" - weil die Politiker unsere Gesundheit vor dem Dreck schützen will, der aus den Auspüffen ausgeblasen wird. Gute Politik! (Das ist eine Mars-Venus-Konfrontation zwischen uns beiden, was? Wir sehen alles genau andersrum als der andere.)

18.10.2018 19:22 Baldur von Ascanien 18

Oh Peter, dir ist nicht mehr zu helfen :D

"Die Abfrackprämie in Höhe von 2.500 € nahmen knapp 2 Mio Fahrzeugbesitzer in Anspruch."

Wenn ich für meinen alten Frack 10tsd Euro bekommen, dann gehe ich heute Altkleidercontainer plündern!