Autoindustrie Geld für VW-Dieselkunden trotz geplatzen Vergleichs

VW hat die Verhandlungen über einen Vergleich für seine Diesel-Kunden abgebrochen. Grund sind die Honorarforderungen der Gegenseite über 50 Millionen Euro. Der Konzern will den Hunderttausenden betroffenen Kunden dennoch 830 Millionen Euro zahlen.

Diesel vor VW-Konzernzentrale in Wolfsburg
Die Verhandlungen über einen Vergleich bei VW sind geplatzt. Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Die Verhandlungen über einen Vergleich zwischen dem Volkswagen-Konzern und dem Verbraucherzentrale-Bundesverband (vzbv) zur Entschädigung für VW-Dieselkunden sind geplatzt. Ungeachtet dessen bietet VW nun von sich aus eine außergerichtliche Lösung zur Entschädung underttausender Dieselbesitzer an. Der Konzernvorstand habe dafür auf einer außerordentlichen Sitzung ein Vergleichspaket von bis zu 830 Millionen Euro beschlossen, teilte VW am Freitag nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung mit.

VW lehnt 50 Millionen Euro für Anwälte ab

Zuvor hatten beide Seiten die seit Jahresanfang geführten Vergleichsverhandlungen für gescheitert erklärt. VW nannte als Grund die Höhe der Honorarforderungen der vzbv-Anwälte. Dem Konzern zufolge hatte es eigentlich schon eine Einigung über einen Vergleich in der Größenordnung von 830 Millionen Euro gegeben. Diese Lösung sei aber gescheitert, da der vzbv "bis zum Schluss" auf eine Pauschalzahlung von 50 Millionen Euro für die Abwicklung des Vergleichs bestanden habe. Der Autokonzern erklärte, es hätten keine "ausreichend konkreten Nachweise" vorgelegen, welche Leistungen der vzbv-Anwälte mit der geforderten Summe abgerechnet werden sollten. Ohne diese Leistungsnachweis sei eine Zahlung für Volkswagen jedoch unmöglich.

Vzbv-Vertreterin: Begründung ist falsch

Die Leiterin des Geschäftsbereichs Verbraucherpolitik beim vzbv, Jutta Gurkmann, sagte MDR AKTUELL, die Begründung von VW sei falsch. Bei den 50 Millionen Euro gehe es nicht um Pauschalhonorar für Anwälte, sondern um die gesamte Abwicklung des angedachten Vergleichs. Gurkmann begrüßte das Angebot von VW, trotzdem Entschädigungen zu zahlen. Die Verbraucher sollten das allerdings sehr gut überlegen, weil sie damit ihre Ansprüche abtreten würden.

Verbraucherverband wirft VW mangelnde Bereitschaft vor

Vzbw-Chef Klaus Müller hatte Volkswagen nach dem gescheiterten Vergleich mangelnde Bereitschaft vorgeworfen, "ein transparentes, vertrauenswürdiges und für Verbraucher sicheres System der Abwicklung zu ermöglichen.“ Noch am Mittag sei VW ein Vergleichsangebot eingegangen, mit dem der Konzern die Gebührenforderung von 50 Millionen Euro akzeptiert habe. Müller erklärte weiter, sein Verband werde das Musterfeststellungsverfahren vor dem Oberlandesgericht Braunschweig weiter betreiben.

VW und vzbv hatten Anfang Januar erklärt, über einen außergerichtlichen Vergleich zum Musterprozess sprechen zu wollen. Beide Seiten nannten dabei das "gemeinsame Ziel einer pragmatischen Lösung im Sinne der Kunden".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Februar 2020 | 13:00 Uhr

0 Kommentare