Ein Software-Update wird auf einen Volkswagen Golf geladen.
Führen die Software-Updates letztlich zu einer Verschlimmbesserung? Bildrechte: dpa

Verschlimmbesserung? Probleme mit VW-Software-Updates

In der Automobilbranche rumort es kräftig. Letzte Woche der Diesel-Gipfel, jetzt bieten viele Hersteller "Abwrack"-Prämien an, um alte Dreckschleudern schnell vom Markt zu bekommen. Doch das Thema Schadensbegrenzung ist damit längst noch nicht ausgestanden: Es geht um die VW-Software-Updates, die schmutzige Diesel wieder sauber machen sollen. Angeblich beschädigen sie in manchen Fällen den Rußpartikel-Filter im Auto. Stimmt das?

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

Ein Software-Update wird auf einen Volkswagen Golf geladen.
Führen die Software-Updates letztlich zu einer Verschlimmbesserung? Bildrechte: dpa

Detlev Moszicke ist Chef des Bundesverbands der freien Werkstätten in Deutschland (BVFMW). Er kennt die Probleme mit den Software-Updates, darf aber im Gegensatz zu den Vertragshändlern von VW, Audi und Co., offen darüber sprechen.

Werkstätten kennen das Problem

In seiner KFZ-Werkstatt hört Detlev Moszicke von seinen Kunden, dass sich nach dem Update die Probleme mit den Abgasfiltern häufen. "Also, die Rückmeldungen sind ganz einfach, dass da eine Motor-Kontrolllampe angeht. Dass im Fehlerspeicher abgelegt ist: Abgasrückführungsventil defekt. Und wenn das defekt ist, setzt sich der Partikel-Filter auch mit zu. Das ist ein Folgeprozess, der da entsteht.

Warum das dann kaputt ist, das wissen wir nicht. Ob das von dem Update kommt? Weil wir haben da ja auch im Grundprinzip schon vorher mit diesen Fahrzeugen Probleme gehabt. Nur nach dem Update sind es größere Probleme."

Diese Probleme mit dem Rußpartikelfilter tauchen allerdings nicht flächendeckend, sondern vereinzelt auf. Von 240 Diesel-Fahrzeugen mit Update in der Werkstatt von Detlev Moszicke, hatten 10 Autos später einen kaputten Rußpartikel-Filter.

VW - Guter Wille oder Verbindlichkeit?

Was auffällt: VW zeigt sich kulant, tauscht kostenfrei defekte Filter aus, auch bei älteren Modellen. Dennoch: aus gutem Willen, müsste Verbindlichkeit werden, fordert Johannes Boos vom ADAC: "Zu den Software-Updates gibt´s ja noch keine Langzeit-Tests. Und deshalb sollten Autobesitzer eine rechtsverbindliche Garantie bekommen von 24 Monaten. Damit hätten sie für den Fall der Fälle einen gerichtlich durchsetzbaren Anspruch gegen die Hersteller."

Der VW-Konzern hält Garantien für nicht notwendig.  Auf Anfrage von MDR AKTUELL zum Thema Rußpartikel-Schäden schreibt Volkswagen:  "In Relation zum Gesamtvolumen verzeichnen wir nur einen sehr geringen Anteil an Kundenbeanstandungen im Zusammenhang mit unserem Software-Update für die Euro-5-Diesel-Fahrzeuge. Bitte berücksichtigen Sie, dass Vergleichswerte für eine Feldaktion zu einer modellübergreifenden Motorisierung in der vorliegenden Größenordnung fehlen."

Zehntausende klagen wegen Kundentäuschung

Für die Berliner Kanzlei Hausfeld ist klar: VW-Diesel-Fahrzeuge sind auch mit Updates ein Fall von Kundentäuschung. In Braunschweig führt die Kanzlei derzeit in dieser Sache einen Musterprozess. Anwalt Christopher Rother vertritt dabei 32.000 VW-Kunden. Und die hätten nach einer Befragung neben fehlerhaften Rußpartikelfiltern noch mehr Mängel nach dem Update entdeckt.

"Die häufigsten Rückmeldungen, die wir eben haben, ist einmal das Thema Verbrauch", sagt Rother. "Also, dass die Verbrauchswerte gestiegen sind. Zum zweiten das Thema Start-Stopp-Automatik. Also, dass die nicht mehr so funktioniert wie vor dem Update."

Was steckt in den Software-Updates wirklich drin? Und welche Nebenwirkungen haben Sie? Diese Fragen haben Detlev Moszicke schon 2015 beschäftigt. Damals hat der Chef vom Bundesverband der freien Werkstätten VW, das Kraftfahrtbundesamt und das Verbraucherministerium angeschrieben. Antworten sind bis heute ausgeblieben.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 09.08.2017 | ab 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2018, 15:54 Uhr

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10 Kommentare

27.09.2018 23:16 HERBERT WALLASCH, Pirna 10

Irgendwelche Soldaten würden den Ruf Deutschlands ruinieren, versuchte man uns einzureden, doch was VW und Konsorten seid Jahren veranstalten, ist schon mehr als Staatsschädigend, aber wird staatlich verharmlost.

09.08.2017 22:26 Querdenker 9

Die LKWs sind ja gerade das Beispiel dafür, dass deutlich umweltfreundlichere Fahrzeuge möglich sind. Nachweis siehe „sueddeutsche Moderne Dieselautos sind größere Dreckschleudern als Lastwagen“

09.08.2017 20:47 Fragender Rentner 8

@euroflyer zu 7

Dann bring bitte mal den Vergleich.

Und warum die Straßen und Brücken ständig kaputt sind und durch wen?

Und wieviele Gleisanschlüsse die Bahn seit 1990 geschkliffen hat?

Von der alten Bundesbahn will ich noch nicht mal reden und was da schon so alles geschliffen wurde.

09.08.2017 18:19 euroflyer 7

Was soll der Vergleich mit den LKW?
Jeder der sich gegen LKW wendet, sollte sich von der deutschen Bundesbahn einen Gleisanschluss zur Haustür legen lassen!
Wenn ich die Verbräuche auf Masse, Größe und Kilometer rein rechne, was verbraucht mehr und schleudert mehr Dreck in die Luft?

09.08.2017 15:52 Fragender Rentner 6

Wer macht eigendlich die Straßen mehr kaputt?

Die PKW´s oder die LKW`s ?

Letztens brachten sie einen Bericht über einen Dieselfahrer, der zum Update aufgerufen wurde.

Er fuhr zu einer Meßstelle vor dem Update und danach.

Danach hatte er weniger PS/KW und der Verbrauch war anschließend auch etwas höher.

Nur wer hat das von den betroffenen PKW-Fahrern sonst noch kontrolliert?

09.08.2017 12:51 Kritiker 5

Es ist immer nur von PKW´s die Rede. Was ist mit dem großen Anteil der LKW´s??? Stillschweigende Duldung???????

09.08.2017 12:10 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 4

So langsam kommen wir bei der Qualität deutscher Autobauer an die Qualitätsmerkmale von Microsoft heran:
Man verkauft 'fehlerhafte Produkte'; wenn die Fehler auffallen, gibt es 'auch mal' einen Patch; zur Not wird auf die nächste Version verwiesen (die man dann erneut 'kaufen' darf).

Von Microsoft lernen heißt zu lernen, wie man den Kunden zum Verlierer macht, ohne daß er es bemerkt.

Der 'einzig wahre' Volkswagen war der Käfer!
Danach gab es nur noch 'Fahrzeuge, die die Kundenbindung erhöhten'.

09.08.2017 11:14 Rasselbock 3

Realisiert es endlich: Der Anfang vom Ende der glorreichen deutschen Autoindustrie, er hat begonnen, ist unaufhaltsam.

09.08.2017 08:30 REXt 2

Warum sollen die Konzerne nicht betrügen, freie Hand von der Politik haben sie, außerdem machen es , nicht gerade wenige Politiker, vor! Somit verlagert man die Probleme auf später, auf die Kunden, die den Glanzprospekten vertraut haben. Spätere Schäden an den Motoren, werden den Kunden gleich mit aufgedrückt, Garantie war einmal! Also, Fazit, die Schnellschüsse aus der Politik, Wirtschaft, müssen wir alle ausbaden.

09.08.2017 07:17 Querdenker 1

Zitat ADAC: „Und deshalb sollten Autobesitzer eine rechtsverbindliche Garantie bekommen von 24 Monaten.“ - - - Lächerlich! Die Folgeschäden (wie diese Rußschäden) machen sich dann ggf. nach 3 Jahren bemerkbar. Das Softwareupdate ist vielleicht gleich die nächste Kundentäuschung von diesen kriminellen Konzernen?

Siehe „rbb Kontraste Polizei verweigert Dieselumrüstung“ - - - Zitat: „Eine solche Langzeit-Garantie gibt es zum Beispiel in den USA - sie gilt zehn Jahre. Falls betroffene Teile kaputt gehen, haftet Volkswagen. Auf Druck der Behörden. Zudem gibt es die Möglichkeit, Autos gegen Erstattung des Kaufpreises zurückzugeben. Sie landen dann auf solchen Halden. Die Umrüstung in den USA ist zudem viel aufwändiger - um die Autos wirklich sauber zu machen.“

Diese Autokonzerne sollen ihre Drecksschleudern hardwareseitig umzurüsten! Das geht ohne Probleme siehe hierzu das Video „Saubere Diesel sind mit Umrüstung möglich ZDFmediathek“

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