Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG,auf der Jahrespressekonferenz des Automobilkonzerns.
VW-Vorstandschef Müller guckt, als könne er sich nur bedingt über das Konzernergebnis freuen. Bildrechte: dpa

Jahresbilanz VW trotz Dieselgate mit Rekord-Umsatz

VW macht so gute Geschäfte wie lange nicht mehr. Es sieht so aus, als hätte das Unternehmen den Diesel-Skandal unbeschadet überstanden, die Manager erhalten großzügige Boni. Doch deswegen hagelt es Kritik: Die wirtschaftliche Lage des Konzerns lasse es zu, dass VW endlich Verantwortung übernimmt und die Kosten für die Umrüstung von Diesel-Autos trägt, sagt etwa Grünen-Fraktionschef Hofreiter.

Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG,auf der Jahrespressekonferenz des Automobilkonzerns.
VW-Vorstandschef Müller guckt, als könne er sich nur bedingt über das Konzernergebnis freuen. Bildrechte: dpa

Der Volkswagen-Konzern hat im vergangenen Jahr seinen Gewinn auf 11,4 Milliarden Euro verdoppelt. Auch der Umsatz stieg auf ein Rekord-Hoch von 230 Milliarden Euro. Damit hat Volkswagen sogar das Ergebnis aus dem letzten Jahr vor dem Diesel-Skandal, nämlich 2014, überboten. Die Anzahl ausgelieferter Pkw und Nutzfahrzeuge stieg auf 10,74 Millionen. VW bleibt damit der weltweit größte Autokonzern. Analysten bewerten die Zahlen so, dass der Konzern die Folgen des Diesel-Skandals damit ausgestanden hätte. 2018 sollen sich die Trends bei Umsatz und ausgelieferten Fahrzeugen bestätigen.

VW soll Verantwortung übernehmen

Abgase aus dem Auspuff eines Autos
Die Diesel-Affäre belastete die VW-Bilanz wesentlich weniger als noch im Jahr zuvor. Bildrechte: dpa

Die Tendenzen bei Gewinn und Umsatz bestätigen sich auch beim Blick auf die VW-Kernmarke: Das um Sonderkosten für die Dieselaffäre bereinigte operative Ergebnis bei VW stieg von 1,9 Milliarden Euro 2016 auf rund 3,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Die Kosten für die Abgasaffäre schlugen mit 2,8 Milliarden Euro zu Buche – ein Jahr zuvor waren es noch 5,2 Milliarden Euro.

Kritiker sehen sich durch die guten Zahlen indes bestätigt. Sie fordern den Konzern auf, angesichts guter Wirtschaftsdaten endlich Verantwortung im Abgasskandal zu übernehmen und die Umrüstung betroffener Fahrzeuge zu zahlen. Geld für technische Nachrüstungen an Dieselfahrzeugen sei angesichts der guten Wirtschaftsdaten da, erklärte die verkehrspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, Ingrid Remmers. Sie bekräftigte die Forderung ihrer Partei, dass die Autohersteller für reine Luft und Fahrverbote zahlen müssten – sie hätten das Desaster zu verantworten.

VW scheut Kosten für Nachrüstungen

Tatsächlich könnte die gute wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns noch einmal Bewegung in die Diskussion um die Umrüstung von Diesel-Fahrzeugen mit zu hohem Stickoxid-Ausstoß bringen. Zur Erinnerung: VW hat Fahrzeuge bisher nur per Software-Update nachgerüstet und will damit Abgase verringern, Hardware-Umrüstungen lehnt der Konzern hingegen ab.

Betanken eines Diesel-PKW mit AdBlue
Mit der Nachrüstung von AdBlue-Technik würden Diesel-Pkw substanziell emissionsärmer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erst auf dem Genfer Autosalon sagte Vorstandschef Müller, dass VW in den USA etwa 25 Milliarden Euro habe zahlen müssen. Weitere 17 Milliarden Euro, um Fahrzeuge allein in Deutschland nachzurüsten, seien nicht tragbar. Die Angaben, wie viele Fahrzeuge der Konzern hierzulande umrüsten müsste, schwanken zwischen 2,5 Millionen und 2,9 Millionen. Rechnet man mit 2,5 Millionen Fahrzeugen, würde das einen Aufwand von 6.800 Euro pro Fahrzeug bedeuten. Im Sommer betonte Müller zudem, dass ein Effekt auf die Abgase und damit der positive Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität in besonders belasteten Umgebungen wie Großstädten nicht belegt sei.

Ganz anders sieht das der ADAC: Der hat im vergangenen Herbst einige herkömmliche Diesel-Autos deutscher Hersteller, die die Abgasnorm Euro-5 erfüllen, mit AdBlue-Technik nachrüsten lassen und die grundsätzliche Wirksamkeit der Nachrüstungen nachgewiesen. Und die Kosten, hieß es, lägen dabei unter den Angaben der Industrie: Sie bewegen sich laut ADAC in einer Spanne zwischen 1.400 und 3.300 Euro. Rechnet man konservativ und setzt pro Fahrzeug 3.000 Euro an, bedeutet das für das Beispiel von VW Gesamtkosten von 7,5 Milliarden Euro. Die Gewinne des Konzerns waren allein im Jahr 2017 höher.

Mögliche Fahrverbote entfachen neuen Druck

Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, dass Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge grundsätzlich zulässig sind, sind die Fahrzeughersteller noch einmal mehr in der Pflicht. Und bei Schadensersatzforderungen entscheiden die Gerichte längst auch im Sinne der von Herstellern geprellten Kläger.

VW-Vorstandschef Müller sagte nun bei der Präsentation der Bilanz, dass man in der Dieselkrise ein Teil der Lösung sein müsse. Dabei hat Müller aber keineswegs eine Beteiligung an Kosten für Hardware-Nachrüstungen im Blick, sondern den Absatz neuer Autos. Mittlerweile seien mit Hilfe der Umweltprämie über 160.000 Kunden auf moderne Fahrzeuge umgestiegen.

Hohe Gehälter und Boni bei Managern

Auch Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter kritisierte nun: "Während die Aktionäre und Manager sich mit Rekordgewinnen und Boni die Taschen vollstopfen, soll für die Umrüstung der Dieselfahrzeuge kein Geld da sein." Angesichts der von VW vorgelegten Zahlen fordere er die Bundesregierung erneut auf, die betroffenen Städte und die Dieselfahrer nicht länger im Regen stehen zu lassen. "Es braucht eine verbindliche technische Nachrüstung, finanziert durch die Automobilindustrie" sagte Hofreiter.

Blick in eine Produktionshalle für den VW E-Golf in der Gläsernen VW-Manufaktur.
Der Konzern will zukünftig in E-Mobilität investieren. Doch auch die Diesel-Technik bleibt für VW aktuell. Bildrechte: dpa

Tatsächlich sind im vergangenen Jahr auch die Gehälter für die Top-Manager des Konzerns gestiegen: Insgesamt summieren sich die Bezüge auf rund 50,3 Millionen Euro. Im vorangegangenen Jahr hatte das Top-Management noch rund 39,5 Millionen Euro erhalten. Spitzenverdiener unter den zehn obersten VW-Führungskräften ist Vorstandschef Matthias Müller, der mehr als 10,1 Millionen Euro verdiente. Ein Jahr zuvor waren es noch 7,25 Millionen Euro.

Ohne Nebenleistungen und Versorgungsaufwand kommt Müller 2017 auf rund 9,5 Millionen Euro. Der Konzern hatte zum Geschäftsjahr 2017 sein System zur Bestimmung der Vorstandsgehälter reformiert – nach langer Kritik an der Höhe der Bezüge. So gibt es für den Vorstandschef seit 2017 eine Höchstgrenze von zehn Millionen Euro.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 13. März 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2018, 22:19 Uhr

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7 Kommentare

14.03.2018 16:33 Bernd L. 7

Wenn es um technische Dinge wie Diesel geht, ist es nicht besonders weise, Anton Hofreiter zu zitieren, verehrter MDR.
Wenn ich etwas über Relativitätstheorie will, dann frage ich auch nicht Boris Becker oder D. Katzenberger.

14.03.2018 11:35 jochen 6

10 Millionen Euro zusätzlich für Müller - Das ist der absolute Größenwahn.
Bezahlen wird das letztendlich der Autokäufer durch überhöhte Listenpreise.

14.03.2018 09:27 Begeisterung 5

20:37 heribert54: eben, deshalb fährt der richtige Michel Dacia, Renault oder Toyota....Und Sie meinen wirklich, die Anderen sind alle "sauber"?

14.03.2018 08:59 optinator 4

Die Cleveren siegen halt immer, gewusst wie spart das eigenen Geld.

Da es eine Tugend der Deutschen ist viel und gut zu Arbeiten, nicht aufzumucken, und das seit "Urzeiten", können sich Alle darauf verlassen das es auch in den nächsten Jahren so sein wird.

14.03.2018 07:06 forsa 3

Das ist mal geschickt gemacht worden von VW, aus einer Krise noch einen Gewinn zu erwirtschaften.
Ich persönlich halte von eigentlich keinem deutschen Autohersteller noch große Stücke.
Anstatt völlig offen und selbstkritisch mal Fehler zu gestehen (und dies auch gerne mal in Form eines "Werbespots"), wurden, dank der Regierung, tolle Angebote platziert, die weißmachen wollten, dass nur Hersteller XY jetzt super Preise hat durch tolle Sonderaktionen. Solch eine widerliche Lüge am Kunden, sollte eigentlich nochmals bestraft werden, da sie falsche Tatsachen wiedergeben.
Andererseits sieht man, welche Macht solche Konzerne anscheinend besitzen, dass ihnen solche Aktionen nicht schaden, eher sogar nützen. Und das macht sehr bedenklich.

13.03.2018 20:37 heribert54 2

Ein paar Millionen in Werbung stecken, und der Deutsche Michel ist geblendet und kauft und kauft und kauft. Warum hat VW nicht einen eigenen Fernsehverkaufskanal????

13.03.2018 19:15 Wo geht es hin? 1

Die sogenannte "Dieselaffäre" entpuppt sich als gigantisches Förderprogramm für die Aktionäre und Vorstand. Ziel erreicht - es läuft! Treffend folgender Absatz dazu: "VW-Vorstandschef Müller sagte nun bei der Präsentation der Bilanz, dass man in der Dieselkrise ein Teil der Lösung sein müsse. Dabei hat Müller aber keineswegs eine Beteiligung an Kosten für Hardware-Nachrüstungen im Blick, sondern den Absatz neuer Autos." Wir werden wieder mal verarscht nach Strich und Faden und der Staat hängt als Großaktionär genaus so mit drin!

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