Bundesforstministerium Schäden in deutschen Wäldern größer als bisher angenommen

Trockenheit, Stürme und Käfer haben in Deutschlands Wäldern größere Schäden angerichtet als bisher angenommen. Das geht aus neuen Zahlen des zuständigen Bundesagrarministeriums hervor. Besonders betroffen sind auch Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Ein Wald mit abgestorbenen Fichten, einem Schmetterling und Diestelblüten.
245.000 Hektar Wald müssten wieder aufgeforstet werden. Bildrechte: dpa

Die Schäden in Deutschlands Wäldern sind größer als angenommen. Das geht aus neuen Daten des zuständigen Bundeslandwirtschaftsministeriums hervor. Danach müssen 245.000 Hektar aufgeforstet werden, eine Fläche, dreimal so groß wie Berlin. Bisher war man von 180.000 Hektar ausgegangen. Im vergangenen Jahr waren fast 70 Millionen Kubikmeter Schadholz angefallen. Das sind doppelt so viel wie 2018.

Sachsen-Anhalt und Thüringen besonders betroffen

Ein Bagger räumt Bäume im Harz beiseite.
Sturmschäden im Harz Bildrechte: MDR/Elke Kürschner

Besonders von Waldschäden betroffen sind demnach Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. In Sachsen-Anhalt fielen im vergangenen Jahr 7,9 Millionen Kubikmeter Schadholz an, viermal so viel wie 2018. Die Kahlflächen summierten sich auf 15.300 Hektar. Für 2020 wird erwartet, dass weitere 5.000 Hektar hinzukommen.

In Thüringen hat sich die Schadholzmenge auf 4, 7 Millionen Kubikmeter im Vergleich zu 2018 mehr als verdoppelt. Auch in diesem Jahr sollen den Prognosen des Bundesministeriums zufolge 4,5 Millionen Kubikmeter anfallen. Am Endes des laufenden Jahres werden es demnach fast 30.000 Hektar sein, die wieder aufgeforstet werden müssen.  

Ursachen Trockenheit, Sturm und Käfer

Soldaten verbrennen auf einer Rodungsfläche die Rinde von vom Borkenkäfer befallenen Bäumen
Soldaten verbrennen auf einer Rodungsfläche die Rinde von vom Borkenkäfer befallenen Bäumen. Bildrechte: dpa

Ursache für die Waldschäden sind Stürme, Borkenkäfer und die extreme Dürre von 2018. Auch im vergangenen Jahr ist es vielerorts trocken gewesen. Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als elf Millionen Hektar Wald.

Bund und Länder haben bereits Millionenhilfen besiegelt, um die Wälder aufzuforsten und besser gegen den Klimawandel zu wappnen. Für die kommenden vier Jahre stehen dafür knapp 800 Millionen Euro zusätzlich bereit. Davon stammen rund 480 Millionen Euro vom Bund, den Rest sollen die Länder beisteuern. Unterstützt werden sollen etwa das Herausholen von Schadholz, Wiederaufforstungen und ein weiterer Umbau zu klimaangepassten Mischwäldern.

 Umweltverbänden gehen Hilfen nicht weit genug

Umweltverbänden geht das nicht weit genug. Christoph Thies von Greenpeace mahnte, wenn mit dem Klimaschutz nicht endlich ernst gemacht werde, würden die Schäden weiter zunehmen und die Wälder großflächig absterben. Intensive Forstwirtschaft mache die Wälder noch anfälliger, indem sie viel zu viele Bäume in alten Laubwäldern abholze und betroffene Flächen kahl räume. Susanne Winter vom WWF forderte, die Forstwirtschaft dürfe sich nicht mehr an einer schnellen Holzproduktion ausrichten. Ähnlich sehen es die Grünen. Der Waldexperte der Bundestagsfraktion, Harald Ebner, meinte, kluge Waldpolitik müsse die Hilfsgelder gezielt für die Schaffung naturnaher vielfältiger Laubmischwälder einsetzen. Der forstpolitischer Sprecher der FDP, Karlheinz Busen, warf Bundesagrarministerin Julia Klöckner vor, die Probleme in den Wäldern "mit Geld zuzuschütten". Klare Strategien fehlten aber.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Februar 2020 | 12:30 Uhr