Die Anzeigentafel in Terminal 1 am Frankfurter Flughafen zeigt zahlreiche ausgefallene Flüge an.
In Frankfurt am Main wurde rund die Hälfte der für heute geplanten Flüge gestrichen. Bildrechte: dpa

Warnstreiks Verdi: Flugverkehr massiv beeinträchtigt

An acht deutschen Flughäfen beteiligt sich das Sicherheitspersonal an Warnstreiks. Hunderte Flüge wurden gestrichen. Tausende Passagiere sind betroffen. Die Gewerkschaften zeigten sich mit der Beteiligung ihrer Mitglieder zufrieden.

Die Anzeigentafel in Terminal 1 am Frankfurter Flughafen zeigt zahlreiche ausgefallene Flüge an.
In Frankfurt am Main wurde rund die Hälfte der für heute geplanten Flüge gestrichen. Bildrechte: dpa

An acht deutschen Flughäfen haben Mitarbeiter der Sicherheitsdienste die Arbeit niedergelegt und damit für Flugausfälle und Verspätungen gesorgt.

Nach Angaben des Deutschen Beamtenbundes (DBB) sollten sich allein am größten deutschen Airport in Frankfurt am Main bis zum Abend mehr als 1.000 der rund 5.000 Sicherheitsmitarbeiter an einem Warnstreik beteiligen. DBB-Verhandlungsführer Volker Geyer sprach von einer beeindruckenden Antwort der Beschäftigten auf die "Verweigerungshaltung der Arbeitgeber".

Der Verhandlungsführer der Gewerkschaft Verdi, Benjamin Roscher, erklärte, der Flugverkehr sei massiv beeinträchtigt. Wie der Frankfurter Betreiber Fraport mitteilte, haben die Fluggesellschaften rund die Hälfte der geplanten 1.200 An- und Abflüge gestrichen. Viele weitere Flüge hätten Verspätung.

Rund 8.000 Passagiere in Mitteldeutschland betroffen

Warnstreiks gibt es unter anderem auch an den Flughäfen Hamburg, München, Leipzig/Halle, Dresden und Erfurt-Weimar. In Leipzig/Halle wurden 28 von 50 Flügen gestrichen, in Dresden 27 von 46. Dabei handelt es sich vor allem um innerdeutsche Verbindungen.

Nach Informationen von MDR AKTUELL, sind davon rund 8.000 Passagiere betroffen. Der Warnstreik am Flughafen Erfurt-Weimar hat dagegen keine Auswirkungen, weil dort für heute keine Flüge geplant sind. Insgesamt beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft an den ostdeutschen Flughäfen mehr als 100 Beschäftigte an den Warnstreiks.

Am Flughafen München legten rund 150 Kontrolleure für das Flughafenpersonal und Waren die Arbeit nieder, die Personenkontrolleure aber nicht. Diese werden in Bayern nach dem Tarif des Öffentlichen Dienstes bezahlt. Dem Flughafen zufolge fielen etwa 100 Flüge aus. In Hamburg wurden 200 Starts und Landungen annulliert.

Arbeitgeber: Warnstreik ist unverhältnismäßig

Arbeitgeber und Flughäfen kritisierten den Aufruf zum Warnstreik. Sie erklärten, nach den Streiks in Berlin, Stuttgart, Düsseldorf und Köln-Bonn sprenge die Gewerkschaft nun den Rahmen. Sie warfen Verdi vor, rücksichtslos und unverhältnismäßig vorzugehen.

Verdi fordert für das Sicherheitspersonal an Flughäfen bundesweit 20 Euro pro Stunde, der DBB will einen Stundenlohn von 19,50 Euro erreichen. Bislang sind die Stundenlöhne in der Branche regional sehr unterschiedlich geregelt. Sie liegen je nach Bundesland und Tätigkeit zwischen 11,30 Euro und 17,16 Euro. Das Sicherheitspersonal an Flughäfen ist für die Kontrolle von Personen und Personal, Waren und Fracht zuständig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Januar 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2019, 10:58 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

7 Kommentare

16.01.2019 13:09 Hendrik 7

Als Firmeninhaber eines kleinen Holzbaubetriebes mit 4 Mitarbeitern sehe ich es so.
Verdi treibt mit dieser abstrusen Forderung einen Keil zwischen viele Schichten der Gesellschaft. Verdi hat in den Jahren seit 1989 allen Dumpinglohnverträgen gegen die Mitarbeiter im Osten zugestimmt und trägt hierfür die volle Verantwortung. Was sollen wir denn unseren Mitarbeitern erklären die viele Überstunden bei Wind und Wetter, mit einem Ausbildungsberuf von 3 Jahren und einer notwendigen Gesellenzeit von ca. 2 Jahren leisten. Will Verdi dann polemisch daherkommen und " Augen auf bei der Berufswahl" sagen. Es ist unfasslich was unter dem Deckmantel dieser Gewerkschaft und dem Freibrief der Tarifautonomie stattfindet. Verdi zeigt einmal mehr , dass sie keinerlei Verhältnismäßigkeit und Feingefühl hat. Wo habe ich Verdi noch nie gesehen? Bei wirklich armen Menschen!!!!

16.01.2019 00:34 Michael 6

Zu früheren Zeiten setzten sich Gewerkschaften für auskömmliche Arbeitsbedingungen und Gehälter ein. Und das völlig berechtigt. In der Gegenwart betrachtet sich jede Berufsgruppe als die absolut wichtigste in Deutschland und versucht über ihre Gewerkschaft auch die noch so absurdesten überzogenen Forderungen durchzusetzen. Das ist dann die Kehrseite der Demokratie.

15.01.2019 19:31 Leopold Breuer 5

Damit könnte man den unteren Gehaltsgruppen die Chance zur Angleichung geben. Schade finde ich es, dass der Bundesverwand der Luftsicherheitsunternehmen nicht wenigstens den Versuch unternimmt, die Verhältnismäßigkeit und insbesondere die Lohnforderung gerichtlich prüfen zu lassen. ABer vielleicht haben hier die Gerichte zu sehr ARbeitnehmerfreundlich geurteilt.

15.01.2019 19:27 Leopold Breuer 4

Die Gewerkschaft lässt Flugreisende leider stark im Regen stehen. Eine Forderung von 20 € klingt zwar schön, allerdings ist eine einheitliche Gehaltsforderung sehr fragwürdig, wenn man sich die großen Entgeltunterschiede ansieht. Sollten die Behauptungen der Arbeitgeberseite stimmen, dass Verdi erst einen Verhandlungstermin Ende des Monats erbeten hat, und sich jetzt Tarifverhandlungen bis dahin verweigert und dass gemeinschaftlich eine Begrenzung der Warnstreiks auf 4 Stunden vereinbart wurde, wäre das Verhalten der Gewerkschaft den Reisenjden gegenüber eine Unverschämtheit. Eine Erhöhung von 6,5 % wäre bei einer Laufzeit von einem Jahr sehr fair. Man sollte hier so realistisch bleiben, dass man die Forderung einer Tarifangleichung nicht in einem Jahr durchetzen sollte, sondern dass man dies in Ruhe und innerhalb der nächsten 3-5 Jahre durchführt, was auch heißt, dass die oberen Gehaltsgruppen in dieser Zeit mit verhältnismäßig niedrigeren Abschlüssen zufrieden sein müssen.

15.01.2019 19:26 Leopold Breuer 3

Ich kann die AUssage der Arbeitgeber, die Gewerkschaft seine jedes Maß verloren zu haben voll und ganz nachvollziehen.
@Norbert Franke, wenn mann die prozentualen Zahlen nimmt, wird es noch deutlicher. Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen spricht von ca. 44 % Lohnerhöhung (möglicherweise Durchschnittlich), gleicht man aber den vom MDR angegebenen niedrigsten Lohn von 11,30 € auf 20,00 € an, kommt man über die Rechnung 20/11,3 = 176,991 %, auf eine Lohnsteigerung von etwa 77 %. Das ist viel zu viel und von keinem Unternehmen zu stemmen!

15.01.2019 15:19 Norbert Franke 2

Lohnsteigerungen von ca 700 Euro pro Monat ( im Osten ) sind für Verdi also normal ?
Und dann wundern Die sich warum im Osten kaum noch Einer in der Gewerkschaft ist .
Was ist denn übrigens mit Amazon rausgekommen ?

15.01.2019 13:29 Mario K. 1

Diesem Streik stehe ich sehr gespalten gegenüber. 20 € bundesweit für eine Arbeit meist in klimatisierten Räumen sind schon ein großer Happen gegenüber anderen Gewerken. Zumal es nicht um einen Ausbildungsberuf geht, sondern um eine Tätigkeit mit lediglich mehrwöchiger Anlernphase. Schichtarbeit ja, Nachtarbeit hält sich aber auch in Grenzen. Unbestritten führen die Kontrolleure eine wichtige Tätigkeit aus und sollen davon angemessen leben können, aber nicht jeder muss in der Münchener Innenstadt wohnen, selbst die am MUC beschäftigten nicht. Ein Hauptargument des Streiks ist die hohe Arbeitsbelastung. Diese wird durch mehr Geld ja nicht geringer. Da würde nur eine höhere Personalquote helfen für die als Streikgrund ich wesentlich mehr Verständnis hätte.