Alternative zu Öl Sachsen-Anhalt will Vorreiter in Wasserstoff-Gewinnung werden

Es gibt Menschen, die sagen: Wasserstoff ist das Öl von morgen. Denn das Gas kann Autos antreiben, man kann damit Strom erzeugen und es wird in der chemischen Industrie gebraucht. Die Bundesregierung feilt deshalb an einer Wasserstoff-Strategie. Deutschland soll das Gas selbst herstellen, speichern und nutzen. Eine große mitteldeutsche Firma sagt nun: Wir können eigentlich sofort mit all dem anfangen. Wenn es da nicht einen kleinen Haken gäbe.

Gasdruckmess- und Regelstrecke Bad Lauchstädt
Die Verbundnetz Gas AG will zukünftig mehr mit Wasserstoff arbeiten. Bildrechte: VNG Gasspeicher GmbH

Der Wind fegt übers flache Land bei Bad Lauchstädt. Sven Heyn von der Verbundnetz Gas AG steht zwischen dicken Rohren, die sich hier aus dem Erdreich winden. Direkt unter ihm befindet sich ein Salzstock mit 17 gigantischen Hohlräumen.

In diesen Kavernen speichert die Verbundnetz Gas AG Erdgas für ganz Ostdeutschland. "Aktuell, wie man hier hören kann, befinden wir uns in der Ausspeicherung, weil im Winter der Verbrauch höher ist als die Produktion. Aktuell haben wir circa einen Füllstand von 70 Prozent", erklärt Sven Heyn. Man gehe davon aus, dass man die Erdgasspeicher in dieser Saison nicht leer fahren werde.

Fördermittel für ökologische Wasserstoff-Gewinnung nötig

In einer Kaverne will die Verbundnetz Gas AG künftig Wasserstoff speichern – bis zu 50 Millionen Kubikmeter. Das Gas könnte in direkter Nachbarschaft gewonnen werden. Denn mithilfe von viel Strom kann man Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufspalten.

Und Strom, insbesondere Ökostrom, gebe es gleich nebenan, sagt Projektmanager Kay Okon: "Wir haben ja hier im Blickfeld Windenergie-Anlagen, die ja weiter perspektivisch auch ausgebaut werden sollen am Standort. Und diese Windenergie soll hier auf kurzem Wege per Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt werden." Der Wasserstoff solle dann für die eine Kaverne als Stoff zur Verfügung stehen.

Okon hat auch schon Abnehmer im Blick: die chemische Industrie. Es gibt allerdings ein Problem: Ökologisch erzeugter Wasserstoff ist wegen des hohen Strombedarfs des Elektrolyse-Verfahrens bei der Herstellung bisher dreimal so teuer wie herkömmlich gewonnener Wasserstoff (ein chemisches Verfahren mit beispielsweise Erdgas als Ausgangsstoff). Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender der Verbundnetz Gas AG, hofft für das Projekt wegen der hohen Kosten auf Unterstützung vom Staat.

Ulf Heitmüller - derzeit Aufsichtsrat bei Verbundnetz Gas AG in Leipzig, wahrscheinlich künftig neuer Vorstand
Ulf Heitmüller Bildrechte: VNG AG

Wir müssen letzten Endes auch Geld verdienen. Und das ist mit diesen Technologien zurzeit nicht möglich. Deswegen brauchen wir eine Anschubfinanzierung.

Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender VNG

Man müsse erst mal zeigen, dass es großtechnisch funktioniere und dass man auf der anderen Seite auch Märkte dafür schaffen könne, meint Heitmüller. Und dafür brauche man letztlich Geld in Form von Fördermitteln.

CDU offen gegenüber Förderung von grünem Wasserstoff

Die Gelegenheit ist günstig. Die Europäische Union will Europas Wirtschaft mit einem Green Deal umbauen. Die Bundesregierung arbeitet an einer Wasserstoffstrategie. Und schon Mittwoch erhalten zwei Fraunhofer-Institute einen Förderbescheid zum Bau einer Testplattform zur Wasserstofferzeugung in Leuna.

Der Anfang sei gemacht, findet Sven Schulze, Generalsekretär der CDU Sachsen-Anhalt. Wolle man in Deutschland und vielleicht auch in Europa Vorreiter sein, dann müsse man auch Wege finden, solche Ideen finanziell zu fördern. Allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt.

Sven Schulze CDU
Sven Schulze Bildrechte: IMAGO

Wir haben ja in Halle beispielsweise Institute, die zum grünen Wasserstoff forschen. Wir können da wirklich Vorreiter sein, sind es auch schon.

Sven Schulze, Generalsekretär CDU Sachsen-Anhalt

Windkraft wichtiger Faktor für Wasserstoffproduktion

Die Speicher der Verbundnetz Gas AG könnten zu den größten Wasserstoff-Speichern Ostdeutschlands werden. Eine Tochterfirma verfügt schon jetzt über ein ausgebautes Rohrnetz für den Wasserstoff-Transport.

Vorstand Heitmüller sagt: "Ultimativ, da muss man sich keiner Illusion hingeben, reden wir darüber, dass wir irgendwann ein dekarbonisiertes Energiesystem haben wollen. Und da gilt es dann letztlich auch das gesamte Gassystem umzustellen auf klimaneutrale Gase." Da sei Wasserstoff sicher eine hervorragende Möglichkeit.

Ob es wirklich zum Wasserstoff-Boom kommt, hängt aber nicht nur von Fördergeldern, sondern auch vom Ausbau der Windkraft ab. Gibt es Ökostrom im Überfluss, wird die Produktion generell günstiger. Ist Strom dagegen knapp, dürfte es sich nie für die energieintensive Wasserstoffproduktion rechnen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. März 2020 | 05:00 Uhr

3 Kommentare

TausLE vor 23 Wochen

Soso. Es geht wieder mal darum, "Fördermittel" abzugreifen. Man kann es nicht oft genug betonen, solche Anlagen können nur dann Wasserstoff produzieren, wenn auch Wind weht bzw. die Sonne scheint und der "sonstige" Strombedarf vollumfänglich gedeckt ist. Die derzeitigen Deckungsgrade sind für jedermann bei AGORA ersichtlich.
Reiner Wasserstoff lässt sich aufgrund seiner Molekülstruktur nur mit erhöhtem Aufwand und im Gasnetz nur bis zu einem Anteil von 5 % speichern. Stichwort: Wasserstoffversprödung. Die Fachkraft der VNG hat davon garantiert schon gehört. Und weiß, was das für das Gasnetz bedeutet. Und den Verbraucher.

kleinerfrontkaempfer vor 23 Wochen

Einen Plan, neudeutsch Strategie, gibt es nicht zur E-Mobilität. Warum also einen Plan zur Wasserstoffgewinnung/nutzung.
Der Plan mit alternativen Energien war halbherzig und nicht zu Ende gedacht.
Wer diese Regierung und die davor (und danach) mal nach betrachtet wird feststellen: blanker Aktionismus/Lobbyismus. Der Steuerbürger wird es als letzter in der Reihe dann wieder richten.
So war es, und so wird es bleiben. Bis an das Ende der Erde.

Ichich vor 23 Wochen

"Wenn es da nicht einen kleinen Haken gäbe. ...Deswegen brauchen wir eine Anschubfinanzierung."

Nicht so ganz richtig. ENDLOSE Förderung.