Energiewende Weitere Solarstrom-Förderung unklar

Klimaschutz und Energiewende sind über Monate hinweg wichtige Themen der Politik gewesen. Doch dann kam die Corona-Epidemie. Inzwischen sind Klimaschutz, Solarförderung oder Windkraft aus dem Fokus gerückt. Für die Branche der erneuerbaren Energien ist das ein Problem. Denn sie wartet dringend auf Gesetze, die aufzeigen, wie es mit dem Ausbau von Wind- und Sonnenstrom ab Sommer 2020 weitergeht.

Windkraft und Solarenergie auf einem Bauernhof
Ob die Förderung von Solarenergie ab Sommer 2020 gedeckelt wird, ist derzeit offen. Bildrechte: dpa

Normalerweise reden Solar-Unternehmer über die Sonne. Derzeit reden alle über den Deckel. Vor zwölf Jahren hat die Bundesregierung entschieden, neue Solaranlagen nicht ewig zu fördern. Wenn in Deutschland 52 Gigawatt installiert sind, so der Plan, soll die Solarförderung enden. Genau diese Deckelung werde in wenigen Wochen erreicht, sagt Oliver Beckel von der Firma Hanwha Q Cells in Sachsen-Anhalt. Für die Solarfirmen bedeute das nichts Gutes.

Wenn die Politik den Deckel tatsächlich zuschlagen lässt, rechnen wir mit einem Markteinbruch von bis zu 50 Prozent in Deutschland. Dies würde bei Installationsbetrieben zu einem Verlust von Arbeitsplätzen führen und den Photovoltaik-Ausbau in Deutschland nicht nur in diesem Jahr, sondern auch für die kommenden Jahre negativ beeinflussen.

Oliver Beckel, Hanwha Q Cells

Denn ohne Förderung lohnt sich eine neue Solaranlage in vielen Fällen nicht. Für ein mittelgroßes Modell garantiert der Staat derzeit Einnahmen von 8 Cent je Kilowattstunde Strom, 20 Jahre lang. An der Strombörse gäbe es nicht einmal die Hälfte.

Das Ende der Förderungen naht

Windräder einer Windkraftanlage sind in der Nähe von Magdeburg hinter einem blühenden Rapsfeld zu sehen
Eine klare Regelung, wie groß der Abstand eines Windparks zum nächsten Wohngebiet sein muss, gibt es derzeit nicht. Bildrechte: dpa

Allerdings wird mehr Ökostrom gebraucht, da Deutschland aus Kohle- und Atomkraft aussteigt. Im Herbst hat die Bundesregierung deshalb zugesagt, dass die Solarförderung weitergehen kann. Der Deckel soll weg. Doch passiert ist seitdem nichts. Und das einst beschlossene Förderende rücke immer näher, sagt Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft.

Körnig betont, dass der Bundesverband Solarwirtschaft für den politischen Ausnahmezustand der letzten Wochen infolge der Corona-Krise natürlich Verständnis habe. Aber jetzt sei es an der Zeit, die dringendsten Maßnahmen zur Eindämmung der Klimakrise wieder in Erinnerung zu rufen:
"Es geht darum, die vordringlichsten und eigentlich unstrittigen Aufgaben unbedingt noch vor der Sommerpause, also gerade noch rechtzeitig, bevor dieser Deckel erreicht ist, auch abzuräumen."

Auch die Windbranche wartet auf Beschlüsse

Nicht nur die Solar-Firmen fordern politische Entscheidungen. Auch die Windbranche kritisiert, dass drängende Fragen derzeit offen bleiben. Zum Beispiel die Abstandsregeln für Windräder. Seit Monaten diskutiere die Politik, ob 1.000 Meter zum nächsten Wohngebiet angemessen sind, erzählt Thomas Winkler, Chef des Windparkentwicklers VSB Neue Energien GmbH in Dresden. Winkler sagt, dies mache der Windbranche Probleme im Hinblick auf die weitere Planung. Für ihn sei die Frage, welche Genehmigungen er einreichen solle und bei welchen Grundstücken es Sinn mache, diese zu sichern, wenn er nicht wisse, ob es dort eine Einschränkung gebe.

"Denn wenn ich 800 Meter nah dran bin an einem Ort, und es kommt die 1.000-Meter-Regelung, dann fällt mir diese Anlage einfach weg."

Kommt die Solarbranche in Zukunft ohne Förderung aus?

Bis 2030 soll in Deutschland 65 Prozent des Stroms öko sein. Doch der Ausbau wird langsamer. Derweil kommen erste Windparks an der Küste ohne Förderung aus. Wird das die Solarbranche auch irgendwann schaffen? Ganz sicher, sagt Carsten Körnig:

"Die Wissenschaftler sind sich da einig, dass wir auch in den nächsten Jahren weitere Kostensenkungen sehen werden. Insofern gehen wir davon aus, dass wir im Bereich der 20er Jahre auch bei Solar-Dächern in den Bereich der Wettbewerbsfähigkeit kommen werden."

Vorerst sei die Förderung aber weiterhin notwendig. An der Branche hingen immerhin 30.000 Beschäftigte, sagt Körnig. Sie alle hoffen auf einen Sommer ohne Deckel.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. April 2020 | 05:00 Uhr

5 Kommentare

part vor 15 Wochen

...und siege da in Spanien werden keine Dinosaurier mehr an Windenergieanlagen meht verbaut, statt dessen vertikale schlanke Elemente, die piezoelektrisch über die Eigenschwingung bei Wind ausreichend Energie erzeugen...nur geht in Europa hauptsächlich um das Wettgeschäft auf Wertschöpfung an irgendwelchen Börsen, der Umweltgedanke daran ist nebensächlich wenn Politiker später in die Wirtschaft abwandern oder zeitweilig umgekehrt.

Leachim-21 vor 16 Wochen

nach meiner Meinung nach war die sogenannte Energiewende von Anfang an falsch aufgestellt wurden bzw. wurde das Volk belogen, denn wenn wie am Anfang behauptet nur ein Euro mehr kosten würde dürfen wir nicht das doppelte bezahlen was wir jetzt bezahlen. man braucht sich nur mal die Rechnung genau anschauen da ist über die hälfte der Kosten zu lasten des normalen Bürgers die eigentlich die Konzerne zahlen müssten und wenn hier jetzt auf die Solarindustrie verwiesen wird muss ich sagen es reicht mit den Subventionen, wer sich auf den sozialen Markt sich ohne nicht halten kann sollte nicht auch noch bis in alle Ewigkeiten subventioniert werden. davon abgesehen würde ich behaupten das Deutschland nur von Wind und Solarenergie nie leben kann, auch wenn das die Politik behauptet.

esSKaa vor 16 Wochen

Würde die Kernkraft mit ihren tatsächlichen Kosten bepreist, wäre niemals ein Atomkraftwerk gebaut worden. Atommülllagerung über zigtausende, hunderttausende Jahre kostet... Dass Kohle ein dreckiges Geschäft ist, weiß jeder. Hat man schon mal was von den Ewigkeitskosten des Bergbaus gehört? Dort wird über Jahrhunderte Wasser abgepumpt werden müssen. Warum soll nicht auch sinnvolle, saubere Zukunftsenergie staatlich gefördert werden? Unsere Kinder und Enkel werden nicht verstehen, warum wir ihnen hochgiftigem Müll und Berge voll Dreck hinterlassen haben. Die Ewiggestrigen interessiert das natürlich nicht... So what! Sie sind eine Randgruppe...